Mögliche Anschlagspläne IS-Terrorverdächtiger aus dem Saarland bei Facebook rekrutiert

Der "Islamische Staat" hat den jüngst im Saarland festgenommenen Terrorverdächtigen nach SPIEGEL-TV-Informationen über Facebook angeworben. Der Mann bestreitet Anschlagspläne, die Ermittler zweifeln an seinen Aussagen.

Festgenommener Terrorverdächtiger Hasan A.
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Festgenommener Terrorverdächtiger Hasan A.

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Der "Islamische Staat" wirbt geflüchtete Syrer offenbar systematisch über soziale Netzwerke für Anschläge an. Darauf deuten nach Informationen von SPIEGEL und SPIEGEL TV die Aussagen eines an Silvester in Saarbrücken festgenommenen Terrorverdächtigen hin.

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Heft 2/2017
Wie die Demokratie ihre Bürger schützen kann

Hasan A., ein Flüchtling, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt, sagte in seiner Vernehmung, ein IS-Anwerber habe ihn über Facebook angesprochen. Als er Interesse äußerte, seien ihm weitere IS-Kontakte vermittelt worden. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Ein wohl dem IS zugehöriger Rekrutierer forderte über den Messenger-Dienst Telegram einen Identitätsnachweis von dem Syrer. Laut Haftbefehl schickte dieser daraufhin im Dezember Fotos seiner AOK-Krankenkassenkarte und seiner Registrierung als Asylbewerber.

Den Ermittlungen zufolge bat Hasan A. seinen Chatpartner um 180.000 Euro zur Finanzierung von Anschlägen. Dabei sollten mit Sprengstoff präparierte und als Streifenwagen umlackierte Fahrzeuge in fünf Städten eingesetzt werden.

Noch bevor er eine Antwort von seinem IS-Kontakt erhielt, wurde der Syrer in einer Saarbrücker Wohnung festgenommen. Der entscheidende Hinweis kam laut Haftbefehl von einem Informanten, der kurz vor Silvester an das Bundeskriminalamt herangetreten war. Er stellte der Behörde Chats des 38-Jährigen zur Verfügung. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt nun wegen des Verdachts der Terrorismusfinanzierung.

In seiner Vernehmung bestritt Hasan A. den Anschlagsplan. Rechtsanwalt Marius Müller sagte, sein Mandant habe die Absicht lediglich vorgetäuscht, um an Geld zu gelangen und damit unter anderem seinen kranken Vater in Damaskus zu unterstützen. Die Behörden haben erhebliche Zweifel an dieser Darstellung.

In der Wohnung fanden sie eine Preisliste für Autos, die Fahnder als Indiz für eine tatsächliche Anschlagsvorbereitung werten. Sich gezielt an den IS zu wenden, um unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Gelder zu erlangen, sei "kein nachvollziehbares Tun", heißt es zudem im Haftbefehl. "Zumal für den Fall einer bewussten Täuschung des IS die angeblich noch in Syrien lebende Familie mit erheblichen Repressalien zu rechnen hätte", folgern die Ermittler.

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  • Themen der Sendung: Bedingt sicher - Der Fall Amri und die Terrorlage in Deutschland / Der Kampf um Mossul - Unterwegs mit der "Goldenen Division" / Die Ästhetik des Bösen - Exklusive Reportage über die Medienabteilung des IS

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insgesamt 31 Beiträge
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Havel Pavel 07.01.2017
1. Facebook nun Plattform des IS?
Bin schon darauf gespannt zu welch lächerlichen kruden Forderungen so manche blauäugigen Politiker sich wieder hinreissen lassen, wenn sie es erst mal wieder geschnallt haben wozu solche "soziale Netzwerke" für alles gut sein können, bzw. wofür sie aus Sicht gesetzestreuer Menschen missbraucht werden. Ob irgndwann mal einer darauf kommt und auch sich traut dies zu fordern, dass auch mal die wahren Ursachen beseitigt werden müssen, statt nur an Symptomen sich auszulassen?
frenchie3 07.01.2017
2. Die Begründung ist so echt
wie ein Drei-Euro-Schein. Und nun? Prozeß, für schuldig befunden so nicht ein Rechtsanwalt mit Fluchttrauma durchkommt? Wo kommt er dan hin? Vollpension auf Steuerkosten, nach ein paar Jährchen voll geläutert wieder raus? Für dieses Pack hat ein Rechtsstaat nach westlichem Muster keine passende Strafe und kann letztendlich für den Schutz der Bürger nicht garantieren
Palmstroem 07.01.2017
3. Wollte er den IS betrügen?
"In seiner Vernehmung bestritt Hasan A. den Anschlagsplan. Rechtsanwalt Marius Müller sagte, sein Mandant habe die Absicht lediglich vorgetäuscht, um an Geld zu gelangen und damit unter anderem seinen kranken Vater in Damaskus zu unterstützen." Vielleicht wollte der Mann wirklich nur 180.000 Euro abkassieren. Denn sein Vorschlag, mit Sprengstoff präparierte und als Streifenwagen umlackierte Fahrzeuge in fünf Städten einzusetzen, würde eine enorme Geheimhaltungs- und Logistikleistung erfordern, für einen Mann unmöglich. Wie Berlin zeigt - es geht auch viel einfacher!
spiegelobild 07.01.2017
4.
Dass jetzt gegen Facebook geschossen wird, ist so etwas von lächerlich und durchschaubar. Facebook ist für die Herrschenden einfach unbequem, weil sie darüber keine Zensur ausüben können. Das eigentliche Problem, von dem hier abgelenkt werden soll, sind die Auswirkungen einer unkontrollierten Masseneinwanderung, deren Folgen unser Staat nicht in den Griff bekommt. Es konnte eine nicht bekannte Zahl an islamistischen Extremisten einwandern, deren Identität niemand hier kennt, weil die Behörden unfähig sind, diese zu klären. Das sehen inzwischen auch immer mehr etablierte Politiker so. Leider zu spät.
tolate 07.01.2017
5. Wir steigern das Bruttosozialprodukt
Die rechtsstaatliche Aufklärung dieses Falles wird einige Mühe bereiten. Er zählt zu den Angelegenheiten, die auf die Dauer mehr staatlich respektive aus Gebühren und Abgaben finanzierte Fachkräfte in Anspruch nehmen, als aus der gesamten Menge der Zugewanderten jemals resultiert wird. Das steht mittlerweile fest auch wenn die Abrechnung weiterhin nur Jahr für Jahr, wenn überhaupt, öffentlich gemacht wird.. Migration als Beschäftigungsprogramm ist Mist. Wer jetzt davon profitiert, wird das weiterhin tun wollen, und die Kanzlerin unterstützen. Alle anderen sollten sich überlegen, ob das in ihrem Interesse ist
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