Islamismus Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Syrien-Rückkehrer

Mehr als 200 junge Männer aus Deutschland sollen nach Syrien gereist sein. Die Bundesanwaltschaft sieht in den Rückkehrern aus dem Bürgerkrieg eine neue Gefahr für die innere Sicherheit. Konkrete Anschlagspläne gebe es bislang jedoch nicht.

Kämpfer in Aleppo: Sorge vor deutschen Syrien-Rückkehrern
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Kämpfer in Aleppo: Sorge vor deutschen Syrien-Rückkehrern


Karlsruhe - Die Bundesanwaltschaft warnt vor Islamisten, die aus dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland zurückkehren. Zwar gebe es "keine belastbaren Angaben für Anschlagspläne in Deutschland", sagte Generalbundesanwalt Harald Range am Mittwoch vor Journalisten in Karlsruhe. Dennoch habe die Bundesanwaltschaft Ermittlungen gegen sechs Syrien-Rückkehrer aufgenommen. Er sehe hier eine "neue Gefahr" heraufziehen.

Laut Range sind mehr als 200 junge Männer nach Syrien gereist, um sich am dortigen Bürgerkrieg zu beteiligen. Es sei aber noch unklar, ob sie dort kämpften oder humanitären Aktivitäten nachgingen. Erst am Sonntag hatte sich der deutsche Dschihadist Denis Cuspert per Video aus Syrien gemeldet. Er forderte Muslime in Deutschland auf, sich den islamistischen Kämpfern im Bürgerkriegsland anzuschließen. Zuvor hatte er bereits zu Selbstmordanschlägen in Deutschland aufgerufen.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind insgesamt rund 230 Männer nach Syrien gereist, etwa 50 davon sind demnach aber bereits wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Von diesen seien 17 an Kämpfen beteiligt gewesen, sagte Ministeriumssprecher Jens Teschke in Berlin. "Die haben wir auf dem Schirm", fügte er hinzu. "Wir haben aber bisher keine Anzeichen dafür, dass sie so radikalisiert sind, dass sie zu Plänen neigen, hier Anschläge auszuführen", sagte Teschke.

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass sich einige der Rückkehrer den dort aktiven terroristischen Vereinigungen wie dem "Islamischen Staat im Irak und Syrien" (Isis) oder "Dschabhat al-Nusra" angeschlossen hatten.

Insgesamt laufen nach Angaben des Generalbundesanwalts derzeit 200 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, bei 130 davon wird ein islamistischer Hintergrund vermutet. Acht konkret geplante Anschläge seien verhindert worden.

syd/AFP

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