Islamkonferenz Kein Harmonie-Modell

Kritiker erklärten sie schon vor Beginn für gescheitert: die neue Runde der Islamkonferenz. Zu den Streitereien um die Zusammensetzung des Gremiums will Innenminister Thomas de Maizière nichts mehr sagen. Er redet lieber über Gespräche am Küchentisch.

Innenminister de Maizière: Jetzt wird über Inhalte geredet
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Innenminister de Maizière: Jetzt wird über Inhalte geredet

Von Michael Kieffer


Berlin - Ungefähr neun Minuten braucht Bundesinnenminister Thomas de Maizière, um das Programm der Deutschen Islamkonferenz für die nächsten Jahre vorzustellen. Doch zu den Streitereien um die Zusammensetzung des Gremiums äußert sich der CDU-Politiker mit keiner Silbe. Am Montag ging die im Jahr 2006 ins Leben gerufene Islamkonferenz offiziell in ihre zweite Runde. Ob damit der heftige Streit endet, der schon Wochen vorher um die Teilnehmer der Dialogrunde entbrannt war?

Zwei wichtige Verbände werden nicht dabei sein, wenn sich Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen in den nächsten Jahren mit Muslimen zusammensetzen, um über eine bessere Integration zu sprechen. Der Islamrat durfte nicht, und der Zentralrat der Muslime wollte nicht.

De Maizière hat den Islamrat ausgeschlossen, weil dem Dachverband die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs angehört - und gegen deren Führungsspitze wird wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Steuerhinterziehung und Geldwäsche ermittelt. Der Zentralrat der Muslime hingegen verzichtet freiwillig auf die Teilnahme an der Islamkonferenz. Der Verband ist mit den Zielen und der personellen Zusammensetzung nicht einverstanden.

"Die Diskussionen über die Zusammensetzung der Deutschen Islamkonferenz sind mit dem heutigen Tag beendet", sagt de Maizière, als er dann doch nach den Streitereien gefragt wird. "Jetzt konzentrieren wir uns auf die Inhalte."

Nachdem die erste Runde der Islamkonferenz im vergangenen Jahr zu Ende ging, sollen nun konkrete Ergebnisse her. Drei Schwerpunkte soll es in den nächsten Jahren geben. Unter anderem geht es dabei um die Ausbildung von islamischen Religionslehrern, um Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen sowie um Prävention gegen Extremismus. Zum Thema Geschlechtergerechtigkeit ist etwa eine Studie geplant, die klären soll, inwiefern Geschlechterrollen tatsächlich vom Islam beeinflusst sind.

Die Debatte über all diese Themen dürfe aber nicht nur unter Intellektuellen geführt werden, sagt de Maizière. Man müsse sie an den Küchentisch holen, denn da würden die wirklich wichtigen Dinge besprochen.

Unter "keinem guten Stern"?

Die Streitkultur in der neuen Islamkonferenz stimme, sagt Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad nach der ersten Plenumssitzung des Gremiums. Er ist einer von zehn Muslimen, die neben mehreren Verbänden als Einzelpersonen in der Islamkonferenz vertreten sind. Über kurz oder lang müsse die Islamkonferenz aber Wege finden, Islamrat und Zentralrat wieder an Bord zu nehmen, mahnt Abdel-Samad. Ansonsten hält auch er sich mit Kritik zurück.

Ebenso die Organisation Ditib, ein Dachverband türkisch-islamischer Vereine. "Wir sind immer für eine breitere Basis", lautet der knappe Kommentar von Ditib-Vertreter Ali Dere. Man habe zum Ausschluss des Islamrats und zur Absage des Zentralrats "nicht so viel zu sagen".

Deutliche Worte hatte dagegen Grünen-Chef Cem Özdemir gefunden. Die Islamkonferenz stehe unter keinem guten Stern, seit de Maizière sie von seinem Amtsvorgänger, dem heutigen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), übernommen habe. De Maizière habe das Thema heruntergestuft, weil es viel Potential für Ärger berge, Lorbeeren gebe es dort aber kaum zu gewinnen. Von der Kritik Özdemirs hält Abdel-Samad wenig. Er habe vom Bundesinnenminister einen anderen Eindruck gewonnen.

Ulrich Maly, der als Nürnberger Oberbürgermeister für die Kommunen an der Islamkonferenz teilnimmt, sagt: "Die Organisation des Zusammenlebens von vielen Menschen auf engem Raum ist nie ein Harmonie-Modell." Das münzt er auf das Verhältnis von Migranten zur übrigen Gesellschaft.

Es passt aber auch irgendwie zum Zustand der Islamkonferenz.



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arinari 17.05.2010
1. Geschenke?
Zitat von sysopKritiker erklärten sie schon vor Beginn für gescheitert: die neue Runde der Islamkonferenz. Zu den Streitereien um die Zusammensetzung des Gremiums will Innenminister Thomas de Maizière nichts mehr sagen. Er redet lieber über Gespräche am Küchentisch. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,695227,00.html
Fordern, fordern und nichts geben. Ich stelle mal eine ganz schlichte Frage: Was bekommen WIR von der islamischen Gesellschaft? Welche Geschenke hat sie für uns? Ich bin gespannt, ob mir jemand daruf antworten kann. Die Probleme sind ja hinreichend bekannt, aber die Geschenke...?
elpaso, 17.05.2010
2. Dem kann ich nur aus vollem Herzen
Zitat von arinariFordern, fordern und nichts geben. Ich stelle mal eine ganz schlichte Frage: Was bekommen WIR von der islamischen Gesellschaft? Welche Geschenke hat sie für uns? Ich bin gespannt, ob mir jemand daruf antworten kann. Die Probleme sind ja hinreichend bekannt, aber die Geschenke...?
zustimmen. Wer gibt diesen Leuten das Recht Forderungen zu stellen, bevor sie überhaupt nur ein Mindestmaß an Integrationsbereitschaft gezeigt haben. Ich habe vor ca. 15 Jahren eine Seminararbeit über das Verhältnis von Islam und unseren Wertevorstellungen geschrieben. Da war ich noch der Meinung, der aufgeklärte Islam und unsere Verfassung mit dem darin festgelegten Wertekanon gingen zusammen. Ich muß leider zugeben. Ich lag sowas von daneben. 15 Jahre, geprägt von islamischer Gewalt, von Inländerhaß von Intoleranz, religiös motivierten Straftaten (Ehrenmorde etc.)....Wo bleibt eigentlich der Kulturanteil? Zwangsverheiratung Minderjähriger, Schläge zuhause, Verschleierung, Machogehabe, Unterdrückung der Frauen oder einfach nur Billigdöner. Ich sehe keine bewahrenswerte Kultur. Jdenfalls nicht hier. Ein heute vollkommen frustrierter ehemaliger Multikulti-Anhänger und SPD-Wähler. Beides nie wieder!!!
nocheinbuerger 17.05.2010
3. Wieso gibt es eine "Islam"konferenz?
Zitat von elpasozustimmen. Wer gibt diesen Leuten das Recht Forderungen zu stellen, bevor sie überhaupt nur ein Mindestmaß an Integrationsbereitschaft gezeigt haben. Ich habe vor ca. 15 Jahren eine Seminararbeit über das Verhältnis von Islam und unseren Wertevorstellungen geschrieben. Da war ich noch der Meinung, der aufgeklärte Islam und unsere Verfassung mit dem darin festgelegten Wertekanon gingen zusammen. Ich muß leider zugeben. Ich lag sowas von daneben. 15 Jahre, geprägt von islamischer Gewalt, von Inländerhaß von Intoleranz, religiös motivierten Straftaten (Ehrenmorde etc.)....Wo bleibt eigentlich der Kulturanteil? Zwangsverheiratung Minderjähriger, Schläge zuhause, Verschleierung, Machogehabe, Unterdrückung der Frauen oder einfach nur Billigdöner. Ich sehe keine bewahrenswerte Kultur. Jdenfalls nicht hier. Ein heute vollkommen frustrierter ehemaliger Multikulti-Anhänger und SPD-Wähler. Beides nie wieder!!!
Man will es nicht fassen, daß sich der deutsche Staat überhaupt auf eine derartige religionsbezogene Debatte mit "dem Islam" in D eingelassen hat, so als wären wir bereits eine Theokratie, wo die Religionszugehörigkeit eine politische Relevanz besäßte. Oder leben wir vielleicht doch noch in Deutschland des Jahres 2010, dessen Grundgesetz eine demokratische, säkuläre Gesellschaftsordnung beschreibt, und zwar nicht irgendeiner, sondern der deutschen Gesellschaft? Wer hier dauerhaft leben will, hat sich den Regeln und Normen der hiesigen Gesellschaft unterzuordnen. Die Tatsache, daß es überhaupt eine solche "Islam"konferenz gibt: Ist das nicht ein indirektes und verschämtes Eingeständnis der Tatsache, daß es vor allem die Migranten aus muslimischen Herkunftsländern sind, die sich hier der Integration und Anpassung verweigern? Oder warum gibt es dann keine Buddhismus-, Taoismus-, Hinduismus- oder sonst irgendwie geartete Konferenz?
schwarzer Schmetterling, 17.05.2010
4. was soll denn das geheule?
Zitat von sysopKritiker erklärten sie schon vor Beginn für gescheitert: die neue Runde der Islamkonferenz. Zu den Streitereien um die Zusammensetzung des Gremiums will Innenminister Thomas de Maizière nichts mehr sagen. Er redet lieber über Gespräche am Küchentisch. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,695227,00.html
die muslime sind hier zu gast - und wer nicht will der hat schon. und wem es nicht gefällt, der hat sogar die freiheit zu gehen. auch wenn es lieben cem nicht gefällt - die mehrheit der bürger dieses landes sind keine muslime - und demokratie bedeutet auch herrschaft der mehrheit und nicht auf dem kopf tanzen der minderheit a la multikulti. und der liebe cem hat ja so nebenbei auch die moschee aus seinem haus getrieben und die fixerstube verhindert. soviel zum thema multi-moslem und co.
ellge 17.05.2010
5. Rassismus und Ausländerfeindlichkeit
Zitat von nocheinbuergerMan will es nicht fassen, daß sich der deutsche Staat überhaupt auf eine derartige religionsbezogene Debatte mit "dem Islam" in D eingelassen hat, so als wären wir bereits eine Theokratie, wo die Religionszugehörigkeit eine politische Relevanz besäßte. Oder leben wir vielleicht doch noch in Deutschland des Jahres 2010, dessen Grundgesetz eine demokratische, säkuläre Gesellschaftsordnung beschreibt, und zwar nicht irgendeiner, sondern der deutschen Gesellschaft? Wer hier dauerhaft leben will, hat sich den Regeln und Normen der hiesigen Gesellschaft unterzuordnen. Die Tatsache, daß es überhaupt eine solche "Islam"konferenz gibt: Ist das nicht ein indirektes und verschämtes Eingeständnis der Tatsache, daß es vor allem die Migranten aus muslimischen Herkunftsländern sind, die sich hier der Integration und Anpassung verweigern? Oder warum gibt es dann keine Buddhismus-, Taoismus-, Hinduismus- oder sonst irgendwie geartete Konferenz?
Sie laufen mit Ihrer öffentlich geäußerten Meinung Gefahr, dass Ihnen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit vorgeworfen werden. Wir beziehen unseren Lebensaft Erdöl weitgehend aus islamischen Ländern. Darum ist die Appeasement-Politik der Regierung verständlich. Andere Religionen sind bei weitem nicht so verbreitet unter den Einwanderern wie der Islam. Darum keine Zentralräte etc.
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