Islamverband in Deutschland Ditib will finanziell unabhängig von der Türkei werden

Die Imame des größten Islamverbandes in Deutschland bekommen ihr Gehalt von einer türkischen Behörde. Politiker hierzulande bezweifeln deshalb die Unabhängigkeit der Organisation. Die will nun ihr Finanzierungsmodell überdenken.

Der Vertreter des Türkisch-Islamischen Bundesverbandes (Ditib), Zekeriya Altug, auf einer Pressekonferenz im November 2015
DPA

Der Vertreter des Türkisch-Islamischen Bundesverbandes (Ditib), Zekeriya Altug, auf einer Pressekonferenz im November 2015


Der in die Kritik geratene türkische Islamverband Ditib will nach eigenen Angaben langfristig finanziell unabhängig von der Türkei werden. "Die Frage ist, wie lange die Türkei die Unterstützung der Ditib-Imame noch leisten wird", sagte Ditib-Sprecher Zekeriya Altug der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wir müssen uns langfristig nach Alternativen in der Finanzierung umschauen."

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) ist der größte islamische Verband in Deutschland. Mehr als 900 türkisch-islamische Moscheegemeinden in Deutschland sind darin organisiert. Zuletzt hatten mehrere Bundesländer die Kooperation mit der vom türkischen Staat finanzierten Ditib in Frage gestellt, weil sie Einflussversuche des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan fürchteten.

Es sei nicht neu, dass die Ditib mit der türkischen Religionsbehörde Diyanet kooperiere, sagte Altug. "Die Ditib ist und bleibt politisch neutral." Bis auf die Imame, "welche die Diyanet bereitstellt und für die wir kein Gehalt zahlen müssen", gebe es auch keine finanzielle Unterstützung durch den türkischen Staat oder die Diyanet.

Imame besser in Deutschland sozialisieren

Bisher entsendet die Religionsbehörde ihre Beamten für bis zu fünf Jahre in deutsche Ditib-Gemeinden. Diese sprechen meist kaum Deutsch. Künftig "sollen und werden" die Imame nach den Angaben Altugs in Deutschland beheimatet sein und die deutsche Sprache als Muttersprache beherrschen.

Dazu fördert die Ditib seit zehn Jahren ein Ausbildungsprogramm in der Türkei, das bisher etwa 150 Absolventen hervorgebracht hat, von denen 60 als Ditib-Imame tätig sind. Die Auszubildenden müssen deutsche Staatsangehörige sein. Altug sagte, er gehe davon aus, "dass in zehn Jahren mindestens die Hälfte unserer Imame in Deutschland sozialisiert sein wird".

Zweifel an Einstufung als Religionsgemeinschaft

Zuletzt hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) Kritik an dem Verband geäußert. "Es verstärken sich die Zweifel, dass die Ditib den Kriterien zur Einstufung als Religionsgemeinschaft entspricht", sagte sie am Donnerstag der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Seit dem vergangenen Jahr prüft die NRW-Staatskanzlei einen Antrag der Ditib und drei weiterer Islamverbände, als Religionsgemeinschaften mit erweiterten Rechten anerkannt zu werden.

Den Islamunterricht an Schulen in ihrem Bundesland sieht Kraft durch die Auseinandersetzungen mit der Ditib nicht gefährdet. "Wir organisieren den bekenntnisorientierten Islamunterricht zurzeit mit einem Beirat, in dem die Ditib nur einer von acht Partnern ist", sagte sie.

jme/AFP



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