Israel-Besuch Westerwelle muss harsche Kritik einstecken

Israels Premierminister Ariel Scharon hat bei Gesprächen mit dem FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle anti-jüdische Äußerungen aus den Reihen der deutschen Liberalen scharf kritisiert. Der israelische Oppositionsführer Jossi Sarid weigerte sich, Westerwelle zu treffen.


Jerusalem - Sarid begründete die Absage eines Treffens mit Westerwelle mit "nationalistischen und antisemitischen Äußerungen", die es innerhalb der FDP gebe.

Auch Ministerpräsident Scharon verurteilte vor seinem Gespräch mit Westerwelle am Nachmittag den seiner Ansicht nach wachsenden Antisemitismus in Deutschland und Europa. "Wir machen uns große Sorgen, denn wir sehen, wie der Antisemitismus in Europa und Deutschland ansteigt", sagte er. Auch "die Dinge, die gegen die jüdische Gemeinde ausgesprochen werden, beunruhigen uns sehr". Er hoffe, dass in Deutschland "bald wieder ein anderer Wind weht", sagte Scharon.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte die FDP wegen ihrer Debatte über das Verhältnis zum Judentum bereits scharf angegriffen. Die von Möllemann vom Zaun gebrochene Diskussion werfe "ein schlechtes Bild auf Deutschland", sagte Schröder in Berlin. Er appellierte an die FDP, unverzüglich das in Ordnung zu bringen, "was sie angerichtet hat".

FDP-Vize Jürgen Möllemann hatte dem Zentralrats-Vizepräsidenten der Juden in Deutschland, Michel Friedman, vorgeworfen, er fördere den Antisemitismus in Deutschland.

Der Grünen-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Außenminister Joschka Fischer, warf Westerwelle und Möllemann vor, ihnen sei "das übelste Gebräu nicht zu schade", um ihr Bundestagswahlziel 18 Prozent zu erreichen. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hielt Möllemann vor, "Rechtsaußen nach dem Maul zu reden".

CDU/CSU-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) sagte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die FDP-Führung solle geschlossen dem Eindruck entgegentreten, ihre Partei wolle durch "Provokationen gegen jüdische Repräsentanten" Stimmen "Ewiggestriger" gewinnen. "Das Spielen mit dem Feuer des Antisemitismus aus wahltaktischen Gründen ist zutiefst verantwortungslos."

Kritik an Möllemann gab es erneut auch aus Reihen der FDP. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Döring warf Möllemann den Versuch vor, "ganz rechts Stimmen zu sammeln". Dies sei "geschichtslos" und "teilweise katastrophal", denn die FDP sehe sich nach wie vor als Partei der Mitte, sagte Döring gegenüber dem "Tagesspiegel". Er forderte eine rasche Sondersitzung des FDP-Bundesvorstandes.



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