Demos Israelischer Botschafter besorgt über antisemitische Proteste in Deutschland

»Es ist verstörend, diese Bilder zu sehen«: Nach den Vorfällen vom Wochenende hat sich der höchste Vertreter Israels in Deutschland beunruhigt gezeigt. Dabei habe es »unglaubliche« Äußerungen gegeben.
Jeremy Issacharoff (im August 2020)

Jeremy Issacharoff (im August 2020)

Foto: Christof Stache / AFP

Der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, ist tief besorgt über die antisemitischen Kundgebungen und judenfeindlichen Proteste in Deutschland. »Es ist verstörend, diese Bilder zu sehen«, sagte Issacharoff am Sonntagabend der »Bild«-Zeitung  unter Verweis auf »unglaubliche antisemitische Äußerungen« bei den Kundgebungen.

Der Botschafter lobte zugleich die klare Haltung der politischen Führung in Deutschland. Seit Beginn der Raketenangriffe der Hamas »haben wir ganz außergewöhnliche Botschaften der Unterstützung von Politikern in Deutschland bekommen«.

Namentlich erwähnte er Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Heiko Maas, Innenminister Horst Seehofer sowie die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU/CSU), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD).

Man habe ihm auch versichert, dass man »alles tun werde, solche Demonstrationen zu unterbinden, bei denen zum Beispiel israelische Flaggen verbrannt werden«. »Ich nehme Sie beim Wort.« Er ließ zugleich Zweifel erkennen, ob solche Vorfälle in jedem Fall verhindert werden können.

In Mannheim wurde am Samstag nach dem Abbruch einer Kundgebung eine israelische Flagge verbrannt. Der Täter sei festgenommen worden und werde wegen Volksverhetzung angezeigt, teilte die Polizei mit.

DER SPIEGEL

Innenminister verspricht hartes Durchgreifen

Seehofer hatte zuletzt angekündigt, die »volle Härte des Rechtsstaats« gegen Antisemitismus einsetzen zu wollen. »Wir werden nicht tolerieren, dass auf deutschem Boden israelische Flaggen brennen und jüdische Einrichtungen angegriffen werden«, sagte er. Angesichts anhaltender Übergriffe und antiisraelischer Demonstrationen werde er den Polizeien der Länder personelle und materielle Unterstützung durch den Bund anbieten.

Am Wochenende hatte es propalästinensische und einige proisraelische Demonstrationen in mehreren deutschen Städten gegeben. Vor allem am Samstagnachmittag war es bei einer Kundgebung in Berlin-Neukölln mit zeitweise rund 3500 Menschen zu Ausschreitungen gekommen.

In Frankfurt am Main sprach die Polizei von einem überwiegend friedlichen Protestzug mit rund 2500 Personen. Auslöser der Demonstrationen war vor allem die Eskalation der Gewalt zwischen Israel und der Hamas-Gruppierung im Gazastreifen.

jok/Reuters
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