Haltung zum Holocaust Israels Botschafter meidet jeden Kontakt zur AfD

Höckes Wettern gegen das Holocaust-"Denkmal der Schande", Gaulands "Vogelschiss"-Vergleich: Israels Botschafter Jeremy Issacharoff will wegen Äußerungen dieser Art nichts mit der AfD zu tun haben.

Israels Botschafter Jeremy Issacharoff: "Hochgradig beleidigend für Juden, für Israel und für das ganze Thema des Holocaust"
Michael Kappeler/ DPA

Israels Botschafter Jeremy Issacharoff: "Hochgradig beleidigend für Juden, für Israel und für das ganze Thema des Holocaust"


Die Haltung der AfD zur millionenfachen Ermordung von Juden durch die Nazis - dem Holocaust - und zum Gedenken daran hat der Botschafter Israels in Deutschland scharf kritisiert. Nach eigenen Angaben meidet Jeremy Issacharoff deshalb jeden Kontakt zu der Partei. "Mehrere Male hat ihr Führungspersonal Dinge gesagt, die ich als hochgradig beleidigend für Juden, für Israel und für das ganze Thema des Holocaust empfinde", sagte Issacharoff der Nachrichtenagentur dpa.

Viele Deutsche hätten über die Jahre eine sehr respektvolle Erinnerungskultur entwickelt, sagte der Botschafter. "Diese Qualität würde ich der AfD nicht zuschreiben."

Erst vor einer Woche habe er in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin der sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden gedacht. "Ich finde es sehr schwierig, mir irgendeine Art von Gespräch mit Elementen vorzustellen, die irgendeine Form von Nostalgie für diese Vergangenheit verspüren", fügte der Botschafter mit Blick auf die AfD hinzu.

Substanzielle Bedrohung Deutschlands als toleranter Gesellschaft

Issacharoff beklagte sich über einen "beunruhigenden" Trend zum Antisemitismus in Deutschland. "Jeder muss tun, was er kann, um diesen Trend so weit es geht zu minimieren." Die Vergangenheit habe gezeigt, was Antisemitismus anrichten könne. Heute gehe es nicht nur um eine Bedrohung für Juden oder Israelis, sondern um eine substanzielle Bedrohung für Deutschland als eine tolerante und demokratische Gesellschaft.

Der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke hatte 2017 mit der Forderung nach einer "erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad" eine heftige Debatte ausgelöst. Zuvor hatte Höcke in einer Rede mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin gesagt: "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat."

Auch AfD-Bundesparteichef Alexander Gauland sorgte mit einer Äußerung zur Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft für Empörung, als er geäußert hatte: "Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte." Gauland hatte seine Äußerung später als "missdeutbar und damit politisch unklug" bezeichnet.

fdi/dpa



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