Israels Botschafter Schimon Stein "Dem Verbot von al-Aqsa müssen weitere folgen"

Israels Botschafter Schimon Stein begrüßt im Interview mit SPIEGEL ONLINE das Verbot der mutmaßlichen Hamas-Spendensammler vom Aachener Verein al-Aqsa. Doch das deutsche Innenministerium müsse jetzt auch gegen weitere Vereine vorgehen, die den Terror gegen Israel fördern.

SPIEGEL ONLINE:

Mit dem am Montag ausgesprochenen Vereinsverbot gegen al-Aqsa will Innenminister Otto Schily die Geldflüsse zu den radikalen Terrororganisationen in Ihrem Land stoppen. Sind Sie mit den deutschen Bemühungen zufrieden?

Schimon Stein: Die Aktion am Montag war sehr wichtig. Offenbar überwies der Verein al-Aqsa der Hamas in Israel und den Palästinenser-Gebieten über Umwege jedes Jahr viel Geld für den bewaffneten Kampf. Im Klartext heißt das, Geld für den Terror gegen Israel und seine Einwohner. Wir fordern von jedem Land, solche Geldströme zu kappen und damit die gewalttätige Macht der Hamas und anderer Radikaler zu schwächen, die fast jeden Tag in unserem Land Anschläge verüben.

SPIEGEL ONLINE: Sie selber verfolgen die Hamas und andere Terrororganisationen auf vielerlei Wegen. Hatten Ihre Behörden oder gar der Geheimdienst Mossad ebenfalls Kenntnis von dem deutschen Verein al-Aqsa und dessen Verbindungen zur Hamas?

Stein: Über die Erkenntnisse unserer Dienste kann ich nicht reden, doch ganz offenbar hatte Innenminister Otto Schily genug Beweise gegen al-Aqsa, die ihn zu dem Verbot veranlassten. Ob unser Wissen dabei eine Rolle spielt, ist prinzipiell unerheblich. Dass wir einiges über die Hamas und ihre Helfer im Ausland wissen, dürfte jedem klar sein.

SPIEGEL ONLINE: Aber trotzdem wären Ihre Informationen für eine internationale Bekämpfung des Terrors gegen Israel wichtig.

Stein: Israel wird jedes Land unterstützen, das gegen die Hamas oder deren Helfer vorgehen will. Das werden wir mit allen Mitteln tun. Die finanziellen Wege der Unterstützer sind sehr schwierig zu ermitteln, doch wenn wir einen Absender im Ausland haben, werden wir dies sicher auch dem betreffenden Land mitteilen, aber nicht öffentlich darüber reden.

SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielt die Unterstützung der Radikalen durch Geld aus dem Ausland?

Stein: Ohne dieses Geld würde der Terror in Israel vermutlich schnell enden, denn ohne die Mittel würde die Organisation schnell zu Grunde gehen. Doch immer noch wird sowohl die Hamas als auch die Hisbollah massiv aus dem Ausland unterstützt. Dabei kommt viel Geld aus Saudi-Arabien, dem Irak, aber auch aus anderen arabischen Ländern. Wenn alle Länder wie der deutsche Innenminister gegen ähnliche Vereine vorgehen würden, könnte dieser Geldstrom versiegen, doch noch immer fehlt der Wille.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland ist der Wille ja nun offenbar da. Glauben Sie, dass noch weitere Vereine verboten werden?

Stein: Sicherlich gibt es auch in Deutschland immer noch ähnliche Vereine. Das Verbot von al-Aqsa war ein wichtiger Schritt, dem sicher noch weitere folgen werden. Denn es gibt viele Wege, Geld für die Hamas zu sammeln. Wir sind froh, dass die deutsche Regierung nun offenbar fest entschlossen ist, diesen Weg zu gehen und gegen jeden vorzugehen, der den Terror gegen mein Land unterstützt.

Die Fragen stellte Matthias Gebauer

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