Jaber Albakr Terrorverdächtiger von Chemnitz war monatelang in der Türkei

Der mutmaßliche Terrorist Jaber Albakr hielt sich offenbar monatelang in der Türkei auf. Im August kehrte er nach Deutschland zurück - laut Bekannten ausgestattet mit einer großen Menge Bargeld.

Ort der Festnahme Albakrs in Leipzig
DPA

Ort der Festnahme Albakrs in Leipzig


Der Terrorverdächtige Jaber Albakr, der einen Selbstmordanschlag in Deutschland vorbereitetet haben soll, war nach Erkenntnissen des SPIEGEL vor seiner Festnahme in der Nacht zum Montag mehrere Monate in der Türkei.

Das sagten syrische Bekannte des 22-Jährigen Reportern von SPIEGEL TV. Aus Sicherheitskreisen heißt es zudem, Albakrs Handy habe sich in der Türkei in das dortige Mobilfunknetz eingewählt.

Nach Angaben seiner Bekannten in Eilenburg bei Leipzig kehrte der Terrorverdächtige erst Ende August aus der Türkei zurück. Ein Mann sagte, er habe Albakr zehn Monate nicht gesehen und ihn als verdächtig bei der Ausländerbehörde gemeldet. Albakr sei mit einer großen Menge Dollar-Banknoten aus der Türkei zurückgekehrt.

Kontakt zu anderen Flüchtlingen habe der mutmaßliche Terrorist kaum gehabt, wollte immer für sich alleine wohnen, sagte der Mann einem Team von SPIEGEL TV. Aus Angst vor Repressalien wollten die Informanten ihre Namen nicht veröffentlicht sehen.

Verdächtiger entkam zweimal der Polizei

Albakr hatte in einer Wohnung in Chemnitz Sprengstoff offenbar selbst hergestellt und sich die Komponenten für eine Sprengstoffweste besorgt. Außerdem soll er laut Polizei Kontakte zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gehabt haben. Ob die Reise in die Türkei damit in Zusammenhang steht, ist noch offen.

Zuerst hatten deutsche Verfassungsschützer im Bund und in mehreren Bundesländern Albakr als Terrorverdächtigen identifiziert. Nachdem die Beamten der Meinung waren, ein Anschlag könne unmittelbar bevorstehen, verständigten sie am Freitag die sächsische Polizei.

Bei der missglückten Festnahme in Chemnitz am Samstagmorgen gelang Albakr die Flucht. Am Sonntag lieferten ihn in Deutschland lebende Syrer an die Polizei aus. Sie hatten Albakr eine Unterkunft angeboten und ihn anschließend in ihrer Wohnung gefesselt, ehe sie die Polizei verständigten.

Auf der Flucht soll Albakr auch versucht haben, in seiner früheren Wohnung in Eilenburg Unterschlupf zu finden. Dort war der Terrorverdächtige vor etwa einem Jahr ausgezogen, sagten seine ehemaligen Nachbarn der "Leipziger Volkszeitung". Weil mittlerweile die Schlösser gewechselt worden waren, kam er aber nicht hinein. Auch hier verpasste die Polizei offenbar den richtigen Zeitpunkt, um den gesuchten Mann festzunehmen.

AFP/ Landeskriminalamt Sachsen

Im Video: Verdächtiger Syrer hatte laut Polizei Kontakte zum IS

Mehr zum Thema Terrorverdächtige unter Flüchtlingen lesen Sie hier.
Weitere Hintergründe zum Terrorverdächtigen aus Chemnitz lesen Sie hier.

cht/abm/hei

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.