Jahrestag der Bombennacht Neonazi-Aufmarsch in Dresden verläuft glimpflich

Mit einer kilometerlangen Menschenkette haben Tausende Dresdner gegen einen Neonazi-Aufmarsch protestiert. Die Rechtsextremisten kamen mit ihren Fackeln, Plakaten und Bannern am Jahrestag der Zerstörung Dresdens nur schleppend voran. Ausschreitungen blieben aus.

Demo gegen Nazis in Dresden: friedlicher Protest
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Demo gegen Nazis in Dresden: friedlicher Protest


Dresden - Es war 19.30 Uhr als die Neonazis am Montag in Dresden ihren Fackelumzug begannen. Die Polizei benannte ihre Zahl mit rund 1600. Die Teilnehmerzahl blieb damit etwas unter den Erwartungen. Auf rund 2000 Rechtsradikale aus ganz Deutschland hatte sich die Polizei eingestellt. Sie zogen vom Hauptbahnhof aus los. Der gesamte Bereich und die Marschroute waren zuvor weiträumig abgesperrt worden. Mit Fackeln, Plakaten und Bannern kamen die Neonazis am Jahrestag der Zerstörung Dresdens vor 67 Jahren aber nur stockend voran. Unter den Rechtsextremisten war auch NPD-Chef Holger Apfel, der zugleich Fraktionsvorsitzender seiner Partei im sächsischen Landtag ist.

Tausende Gegendemonstranten begleiteten den Aufmarsch in Hör- und Sichtweite mit Pfiffen und Protestrufen wie "Nazis raus". Die Polizei hatte alle Zugänge zu der Strecke weiträumig abgeriegelt, in der Luft kreisten Hubschrauber. Im Vorfeld des Neonazi-Aufmarschs hatte das Bündnis "Dresden nazifrei" zu Blockaden aufgerufen. Der Protest blieb friedlich, aber dank Trommeln und Musik lautstark - und am Ende wurde die Strecke des Fackelzuges deutlich verkürzt. Die Polizei wollte einen Zusammenhang zwischen den Menschenmengen und der geänderten Marschroute jedoch nicht bestätigen.

Am Nachmittag hatten mehr als 13.000 Dresdner und Gäste eine Menschenkette um die Innenstadt von Dresden gebildet und damit ein deutliches Zeichen gegen Nationalsozialismus, Rassismus und Gewalt gesetzt. Die Menschenkette zog sich etwa 3,6 Kilometer lang über die Elbe durch Alt- und Neustadt. Damit gaben mehr Menschen als im Vorjahr ein klares Bekenntnis gegen den Missbrauch des Gedenktages durch Rechtsextremisten ab.

Bei der offiziellen Feier der Stadt auf dem Heidefriedhof wurde der etwa 25.000 Toten der Bombennächte vom 13./14. Februar 1945 gedacht. Teilnehmer legten an der letzten Ruhestätte vieler Opfer weiße Rosen als Zeichen für die Überwindung von Krieg, Rassismus und Gewalt nieder. Erstmals war es gelungen, die rechtsextreme NPD von der Veranstaltung fernzuhalten.

Neonazis versuchen seit Jahren, mit Aufmärschen den Gedenktag für ihre Zwecke umzudeuten und zu missbrauchen. 2010 verhinderten 12.000 Demonstranten erstmals den Aufmarsch von 6000 Neonazis, Tausende Dresdner beteiligte sich damals an der Menschenkette. Im vergangenen Jahr war der Gedenktag auf einen Sonntag gefallen, damals reihten sich 17.000 Menschen in die Kette ein. Anschließend wurden bei gewalttätigen Ausschreitungen von Linken und Rechten mehr als 100 Polizisten verletzt.

ler/dpa/dapd



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Tommi16 13.02.2012
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Zitat von sysopDPAMit einer kilometerlangen Menschenkette haben Tausende Dresdner gegen einen Neonazi-Aufmarsch protestiert. Die Rechtsextremisten kamen mit ihren Fackeln, Plakaten und Bannern am Jahrestag der Zerstörung Dresdens nur schleppend voran. Ausschreitungen blieben dieses Jahr aus. Jahrestag der Bombennacht: Neonazi-Aufmarsch in Dresden verläuft glimpflich - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815074,00.html)
Hoffnung: Sachsen Obere scheinen umzudenken: Die Blockade an der wichtigen Kreuzung WTC wurde nachträglich durch die Polizei als angemeldete Demo genehmigt. Danke und Glückwunsch.
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