Jahrestag der Pogromnacht Neonazis veröffentlichen Liste jüdischer Geschäfte

Rechtsextreme haben am Jahrestag der NS-Pogromnacht einen Berlin-Stadtplan mit 70 jüdischen Geschäften veröffentlicht, berichtet der "Tagesspiegel". Die Rede war von einem "schönen Tag" und "Juden unter uns".

Angela Merkel, Charlotte Knobloch, Barbara Stamm in der Münchner Hauptsynagoge
AFP

Angela Merkel, Charlotte Knobloch, Barbara Stamm in der Münchner Hauptsynagoge


Gezielte Provokation am Jahrestag der NS-Pogromnacht: Eine Neonazi-Gruppe hatte am Mittwoch eine Liste mit 70 jüdischen Geschäften und Einrichtungen in Berlin auf Facebook veröffentlicht. Wie der "Tagesspiegel" berichtet, waren die Orte auf einem Berliner Stadtplan eingezeichnet, begleitet von den Sätzen "Heut ist so ein schöner Tag!" und "Juden unter uns."

Entdeckt hatte den Facebook-Eintrag laut "Tagesspiegel" die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus. Gemeinsam mit dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck kontaktierte die Gruppe demnach die meisten der Geschäftsinhaber und mahnte zur Vorsicht. Auch bei Facebook habe er den Post gemeldet, sagt Beck der Zeitung. Das Unternehmen habe den Eintrag auf seiner Seite aber nicht als problematisch angesehen.

Der 9. November 1938 ist ein Wendepunkt in der deutschen Geschichte: Damals trug die nationalsozialistische Hitler-Diktatur den über Jahre genährten Hass auf Juden auf die Straße. In ganz Deutschland gingen jüdische Geschäfte und Synagogen in Flammen auf, Fensterscheiben wurden beschmiert und eingeworfen. In der Folge brachten Deutsche und ihre Helfer bis 1945 mehr als sechs Millionen Juden um.

Merkel warnt vor Hass und Intoleranz

Bei einer Gedenkfeier in der Ohel-Jakob-Synagoge in München erinnerte Kanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend mit einer Kampfansage an Hass, Rassismus und Antisemitismus an die Opfer der NS-Pogromnacht. Man müsse leider feststellen, wie leicht antisemitisches und rassistisches Gedankengut heute auf Resonanz stoße, wie hemmungslos Hass und Hetze gezeigt würden, im Internet und auch auf offener Straße, sagte Merkel.

"Wir verneigen uns in tiefer Trauer vor den Opfern", sagte Merkel. Die Ereignisse in jener Nacht seien Vorboten gewesen "für den größten Völkermord in der Geschichte der Menschheit". Gleichzeitig würdigte sie die jüdischen Gemeinden, die trotzdem später die Hand zur Versöhnung ausgestreckt hätten.

Merkel wurde im Rahmen des Festakts mit der Ohel-Jakob-Medaille der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ausgezeichnet - für ihren Einsatz gegen Antisemitismus und ihre Verdienste um das Judentum in Deutschland.



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