Jahrestag deutsche Einheit Kohl will im Bundestag schweigen

Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl wird anläßlich des zehnten Jahrestages der deutschen Einheit nicht im Bundestag reden. Welcher Unionspolitiker statt Kohl nun hinter das Rednerpult treten und auf die Regierungserklärung von Kanzler Gerhard Schröder antworten soll, ist noch unklar.


Der Abgeordnete Helmut Kohl will schweigen
DPA

Der Abgeordnete Helmut Kohl will schweigen

Hamburg - Er habe "nicht die Absicht, im Zusammenhang mit der beabsichtigten Regierungserklärung zum zehnten Jahrestag der deutschen Einheit im Bundestag zu reden", sagte Kohl der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Kohl war zuvor von der stellvertretenden CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Maria Böhmer aufgefordert worden, am 29. September auf die Regierungserklärung von Schröder zu antworten. Auch Fraktionsvize Günter Nooke hatte gesagt, es sei wichtig, dass die Union Kohl zur Einheit zu Wort kommen lasse.

Kohl darf trotzdem reden. Nach den Plänen der CDU-Chefin Angela Merkel soll der Alt-Kanzler auf einer parteieigenen Feier das Wort ergreifen. Der CDU-Vorstand billigte in der ersten Sitzung nach der Sommerpause, dass Kohl und Merkel am 1. Oktober zum zehnten Jahrestag der Gründung der gesamtdeutschen CDU sprechen werden.

"Die Veranstaltung soll sich vernünftig in die Feierlichkeiten einfügen und keinen aufgesetzten oder künstlichen Charakter tragen", sagte Merkel. Sie sei "Teil eines in sich schlüssigen Gesamtkonzepts". Es gehe der CDU darum, Kohls Verdienste zu würdigen. Die Deutsche Einheit sei ohne ihn nicht denkbar. Andrerseits bleibe es die Haltung der Partei, dass auch die Fehler des früheren Parteichefs benannt werden müssten. Der Vorstand sei sich einig gewesen, dass die CDU am 3. Oktober in Dresden teilnehmen werde - mit Ausnahme derer, die anderweitige Verpflichtungen eingegangen seien, sagte Merkel.

Kohl war von dem sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf, der die zehnte Feier zur Einheit turnusgemäß ausrichtet, nicht als Redner vorgesehen. Einige Unionspolitiker hatten daraufhin gedroht, den Festakt in Dresden zu boykottieren.



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