Merkel-Erklärung im Wortlaut "Es ist ein Tag mindestens des tiefen Nachdenkens"

Intensiv verhandelt, auf dem Pfad zur Einigung, aber dann doch gescheitert: Die Erklärung von Kanzlerin Merkel zum Abbruch der Sondierungsgespräche im Wortlaut.


Gut eine Stunde nach dem Abbruch der Jamaika-Gespräche durch die FDP hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Bedauern über die Entscheidung geäußert und angekündigt, im Laufe des Tages Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über den Stand der Dinge zu informieren.

Ihre knapp fünfminütige Erklärung im Wortlaut:

"Meine Damen und Herren,

es ist ja schon der frühe Morgen, und ich möchte mich als erstes mal bei unseren Gastgebern hier in der baden-württembergischen Landesvertretung bedanken, die an einem wirklich, ich würde fast sagen historischen Tag uns Gastfreundschaft gewährt haben. Hinter uns liegen vier Wochen intensivster Verhandlungen, und ich glaube, ich kann für CDU und CSU sagen, dass wir nichts unversucht gelassen haben, um doch eine Lösung zu finden.

Wir haben dabei vieles erlebt, sehr unterschiedliche Kulturen von Verhandlungsstilen, und bei den Grünen durchaus bei allen Sympathien manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, bei der FDP sehr entschieden, aber wir glauben, dass wir auf einem Pfad waren, auf dem wir hätten eine Einigung erreichen können.

Natürlich mit Abstrichen, das beinhaltet eine Koalition, bei der Partner sich finden sollen, die sehr sehr große Wege zu gehen haben, und deshalb bedauere ich es auch, bei allem Respekt für die FDP, dass wir keine gemeinsame Lösung finden konnten.

Wir hatten aus unserer Perspektive der Union sehr vieles erreicht in diesen Verhandlungen, was die Stabilität des Landes gestärkt hätte, sowohl die Frage der wirtschaftlichen Entwicklung, bei den schweren Fragen der Erwartungen der Grünen an die Leistungen im Blick auf den Klimaschutz, aber vor allen Dingen auch, was soziale Fragen anbelangt, die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in den ländlichen Räumen.

Wir haben interessanterweise die erste Einigung über die Landwirtschaftspolitik erzielt, das wäre und ist, weil es bleibt, ja auch ein interessanter Bestandteil, was vielleicht auch versöhnend auf unsere Gesellschaft hätte wirken können, und jetzt müssen wir trotzdem mit den Tatsachen umgehen. Tatsache heißt, dass wir keine Sondierungsgespräche erfolgreich abschließen konnten. Das bedeutet, dass ich morgen den Bundespräsidenten kontaktieren werde, ihn natürlich informieren werde über den Stand der Dinge, und dass wir dann schauen müssen, wie sich die Dinge weiter entwickeln.

Wir, CDU und CSU gemeinsam, ich sage das ausdrücklich, werden Verantwortung für dieses Land auch in schwierigen Stunden übernehmen und auch weiter sehr verantwortungsvoll handeln. Denn die Menschen in Deutschland haben sich heute mehrheitlich gewünscht, dass wir zusammenfinden. Und denen fühlen wir uns verpflichtet. Und wir werden dazu beitragen, mit unseren Kräften, die wir haben, zum Zusammenhalt dieses Landes auch einen Beitrag zu leisten.

Natürlich war ein ganz zentrales Thema das Thema der Migration, der Zuwanderung, hier gab es nicht die großen Unterschiede mit der FDP, aber hier, so unsere Einschätzung, hätten wir auch eine Lösung mit den Grünen finden können. Und wir wissen, dass wir dieses Land zusammenführen müssen, und so werden wir in den nächsten Wochen in einem Weg, den wir nicht genau beschreiben können, natürlich unser verantwortliches Handeln auch weiter fortsetzen.

Es ist ein Tag mindestens des tiefen Nachdenkens, wie es weitergeht in Deutschland. Aber ich will Ihnen sagen, ich als Bundeskanzlerin, als geschäftsführende Bundeskanzlerin, werde alles tun, dass dieses Land auch durch diese schwierigen Wochen gut geführt wird."

oka/dpa

insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
ich_nicht 20.11.2017
1. Auf Wiedersehen Frau Merkel
Wenn Frau Merkel das begriffen hat, ist das schon ein großer Schritt. Der einzige in Ihrer ganzen Amtszeit, dem ein weiterer, Ihrem Rücktritt folgen sollte. Auf Wiedersehen Frau Merkel, es wurde auch Zeit das sie gehen!
steveleader 20.11.2017
2. Jetzt sieht man....
die Auswirkungen der Bundestagswahl. Deutschland steht, obgleich so erfolgreich wie nie, vor einer Zerreißprobe. Hat es ein irrationaler Block von Wählern geschafft das Deutschland nicht mehr handlungsfähig ist. Ist Deutschland damit jetzt dabei das erste mal seit dem Krieg den Rückwärtsgang einzulegen? Oder wird Deutschland daraus gestärkt hervorgehen? Man muss aufpassen optimistisch zu bleiben.
gsx1400 20.11.2017
3. Vorbei!!!
Endlich ist es vorbei, dieses Balkongehabe! Es war nicht mehr anschauenswert, so ein Schauspiel! Nun zum Kern, was hat das alles bringen sollen? Diese Vertreter des Volkes sind, ihr Name sagt es, für das Volk da für das deutsche Volk. Da kann es nicht sein das die Flüchtlingsfrage das Kernthema ist! Gibt es nicht genug Probleme wie Renten Bildung Kindereinrichtungen usw. Ich bin froh das es so gekommen ist, hoffentlich ist es bald vorbei mit Merkel & Co. Und nocheinmal, dass sind Vertreter des deutschen Volks!!! Schönen Tag
chickenrun1 20.11.2017
4. Verantwortungsvoll als Phrase
Das von Frau Merkel beschwörte und reklamierte verantwortungsvolle Handeln für unser Land kommt ein paar Monate zu spät. Es war vornehmlich unsere Bundeskanzlerin, die über Monate als Realitätsverweigerin geglänzt hat und in nie dagewesene Maße die rechte Flanke als Einfallstor geöffnet hat. Die politische Schockstarre der Handlungsunfähigkeit wird uns noch lange begleiten. Weimar lässt grüßen.
ohnefilter 20.11.2017
5. Einr großartige Rede
Es ist ein Tag mindestens des tiefen Nachdenkens, wie es weitergeht in Deutschland. Mindestens.
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