Satireaktion Warum Böhmermann wohl kaum SPD-Kandidat wird

Alles nur ein Gag? Der Satiriker Jan Böhmermann sagt, er wolle SPD-Vorsitzender werden. Doch schon für die erste Hürde dürfte es nicht reichen.

Satiriker Jan Böhmermann: "Du musst es machen"
Sven Hoppe/ DPA

Satiriker Jan Böhmermann: "Du musst es machen"


Bei der SPD scheint offenbar alles vorstellbar: Der Satiriker Jan Böhmermann hat sich als Kandidat für den Parteivorsitz ins Spiel gebracht. Er sei bereit, die SPD zu retten, sagte der 38-Jährige in seiner Sendung "Neo Magazin Royal". Willy Brandt sei ihm im Traum erschienen und habe gesagt: "Du musst es machen."

Seine Kandidatur sei kein Witz, beteuerte Böhmermann, räumte aber ein, noch kein SPD-Mitglied zu sein. Aus der Partei heißt es, bislang sei noch nicht mal ein Mitgliedsantrag von ihm eingegangen. Und damit könnte aus der Sache die Luft schon raus sein.

Bis Sonntag um 18 Uhr läuft in der SPD die Frist für Bewerbungen. Um zu kandidieren, müsste Böhmermann Parteimitglied sein und von fünf Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband nominiert werden.

SPD-Verfahren für den Parteivorsitz
Der Zeitplan im Überblick:
1. Juli: Bewerbungen
Ab diesem Tag können Zweierteams oder Einzelbewerber ihre Kandidatur für den SPD-Vorsitz einreichen. Für eine Kandidatur benötigen sie die Unterstützung von mindestens fünf Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband.
1. September: Regionalkonferenzen
Die Bewerbungsfrist endet. Die Kandidaten präsentieren sich danach in 23 Regionalkonferenzen der Basis. Fünf Wochen lang können sie bei den Mitgliedern für sich werben. Der Auftakt ist am 4. September in Saarbrücken, der Abschluss am 12. Oktober in München.
14. Oktober: Basisentscheid
Die rund 440.000 SPD-Mitglieder dürfen in einem Basisentscheid ihren Kandidaten oder ihr Kandidatenteam für die Parteispitze bestimmen.
26. Oktober: Ergebnis des Mitgliedervotums
Das Ergebnis des Mitgliederentscheids soll vorgestellt werden. Sollte kein Kandidat beziehungsweise kein Doppelteam über 50 Prozent der Stimmen erhalten, soll es einen Stichentscheid zwischen den beiden Erstplatzierten geben. Die Wahl ist rechtlich nicht bindend, politisch dürfte der Parteitag aber kaum am Votum der Mitglieder vorbeikommen.
6. bis 8. Dezember: Parteitag
In Berlin kommt der Bundesparteitag der SPD zusammen. Er soll den oder die Gewinner des Mitgliederentscheids formell an die SPD-Spitze wählen - und über die Halbzeitbilanz der Großen Koalition entscheiden.

Unterbezirke sind vergleichbar mit Kreisverbänden in anderen Parteien, es ist die zweite Ebene in der Partei. Darunter sind nur noch die Ortsvereine. Bezirke wiederum sind Gliederungen unterhalb der Landesebene - in Hessen zum Beispiel Hessen-Nord und Hessen-Süd.

Ortsverein muss Mitgliedsantrag zustimmen

Doch schon für die erste Hürde wird es eng: Um in die SPD einzutreten, reicht es nicht, online einen Mitgliedsantrag auszufüllen. Denn in einer zweiten Stufe des Verfahrens wird der Antrag von einer Landesgeschäftsstelle an den zuständigen Ortsverein geschickt - im Wohnort oder in jener Gemeinde, wo der Bewerber arbeitet.

Der Antragsteller ist erst dann Mitglied der SPD, wenn der Vorstand des Ortsvereins zustimmt. In der Regel werden mehrere Anträge gesammelt und gemeinsam verabschiedet.

Es ist daher unwahrscheinlich, dass Böhmermann bis Sonntagabend SPD-Mitglied werden kann. Die Zeit ist schlicht zu knapp. Das gilt umso mehr für eine nötige Nominierung.

Große Panik scheint bei der SPD angesichts von Böhmermanns Aktion jedenfalls nicht auszubrechen. Generalsekretär Lars Klingbeil und Juso-Chef Kevin Kühnert etwa reagierten mit spöttischen Tweets auf den Satiriker.

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SPD-Kandidaten: Partei sucht Retter

cte



insgesamt 31 Beiträge
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FrankDunkel 30.08.2019
1.
Völlig illusorisch. Innerhalb von drei Tagen wird es ihm nicht gelingen, Mitglied zu werden. Im Übrigen sollte ein ernsthafter Vorgang - auch wenn die Kandidaten-Kür durchaus humoristische Züge trägt - nicht durch billigen Klamauk ins Lächerliche gezogen werden. Satire muß zwar alles dürfen, aber das bedeutet nicht, dass alles was sie tut, auch gut ist. Herr Böhmermann, verfassen Sie lieber noch ein paar Gedichte und Lieder auf die Großen dieser Welt. Es gibt genug, die endlich mal eines verdient hätten.
conocedor 30.08.2019
2. Die Hoffnung bleibt
Mensch Jan, such dir endlich eine richtige Arbeit, bei der du zudem nicht in der Öffentlichkeit stehst. Das hätte neben weniger sinnentleerten Aktionen heute schon den Vorteil, dass bei SpOn Platz für anderes als dieser Artikel frei wäre.
helmut_tholen 30.08.2019
3. Nun ja
Geht nicht, kann nicht sein, wird nicht geschehen, sollte nicht sein...... Uuuuuund Puff! geschah es. Es dürfte reichlich frustrierte Mitglieder geben, die Böhmermann im Schweinsgalopp durchschieben werden.
hileute 30.08.2019
4. Noch lustiger als die Idee böhmermanns
ist nur das der Spiegel denkt dass es sich dabei um eine ernst gemeinte Angelegenheit handelt. Aber wenn dem so wäre hätte er das Mitgliedsproblem ja wohl schon früher gelöst, nicht wahr?
odenkirchener 30.08.2019
5. Naja,
noch'n Clown in der Politik. Ist dann auch egal. . .
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