Nachfolge von Kipping und Riexinger Janine Wissler will Linkenchefin werden

In die Suche nach einer neuen Linkenspitze kommt Bewegung: Als erste Genossin hat die hessische Fraktionschefin Janine Wissler ihre Ambitionen für den Parteivorsitz erklärt.
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Hessens Linken-Fraktionschefin Janine Wissler bewirbt sich für das Amt der Bundesvorsitzenden ihrer Partei. Das kündigte die 39-Jährige am Freitag in Wiesbaden an. Die bisherige Doppelspitze der Linken, Katja Kipping und Bernd Riexinger, hatte erklärt, nicht wieder für den Parteivorsitz anzutreten.

"Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich auf dem kommenden Parteitag als Parteivorsitzende kandidieren soll und bin für mich zum Schluss gekommen, dass ich das tun werden", teilte Wissler mit. Dies werde sie nun mit ihrem Landesverband beraten.

Wissler ist bereits Vize-Bundesvorsitzende der Linken. In der Nachfolgedebatte wurde vor allem eine Doppelspitze mit zwei Frauen diskutiert: Neben Wissler gilt die Fraktionsvorsitzende aus Thüringen, Susanne Hennig-Wellsow, als Anwärterin. Diese will sich am Freitagabend in einer Pressekonferenz erklären. Wissler gehört der trotzkistischen Gruppe Marx21 an, die seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Sie zählt damit zum linken Flügel der Partei.

Mit neuem Spitzenduo in die Bundestagswahl

Wissler steht zudem den sogenannten Bewegungslinken nahe, die soziale Bewegung für die eigentliche Ursache von gesellschaftlichen Veränderungen halten, nicht so sehr das Parlament. Regierungsbeteiligungen sieht sie skeptisch. Zuletzt hielt sie sich mit scharfen Äußerungen in der Frage jedoch zurück. Ein Papier aus dem linken Flügel, das noch einmal in Abgrenzung zu den Regierungsvertretern außenpolitische Maximalpositionen stark macht, hat sie nicht unterschrieben.

Hennig-Wellsow wiederum gilt als Pragmatikerin und als eine der Architektinnen hinter dem Erfolg der Linken in der rot-rot-grünen Landesregierung in Thüringen. Weitere mögliche Kandidaten für den Parteivorsitz sind der Parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte, der frühere Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn oder der stellvertretende Linkenchef Ali Al-Dailami.

Kipping (42) und Riexinger (64) hatten die Parteiführung 2012 übernommen. Die Satzung der Linken empfiehlt eine Begrenzung der Amtszeit auf acht Jahre.

Das neue Spitzenduo wird die Partei in die nächste Bundestagswahl führen, bei der es für die Linke auch um die Frage gehen wird, ob sie bei einer gemeinsamen Mehrheit von SPD, Linken und Grünen zu einer gemeinsamen Regierungsbildung bereit ist.

Fraktionschef Bartsch: Wissler ist eine "herausragende Politikerin"

Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, lobte Wissler als "herausragende Politikerin". Er gehe davon aus, dass sich noch einige Kandidaten melden würden und wünsche sich, dass man im Vorfeld des für Ende Oktober geplanten Parteitages zu "tragfähigen Lösungen" kommen werde.

Co-Fraktionschefin Amira Mohamed Ali betonte, dass die Parteivorsitzenden "das gesamte Spektrum der Partei auch abdecken und entsprechend auch ansprechen" müssten.

kev/jos/mes/dpa
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