Spahn gibt neue Daten bekannt Anteil britischer Mutante in Deutschland bei mehr als 20 Prozent

Die ansteckendere Corona-Variante aus Großbritannien macht bei den Neuinfektionen in Deutschland mittlerweile einen deutlich größeren Anteil aus. Laut Gesundheitsminister Spahn könnte sie bald dominierend sein.
Krankenschwester bei der Überwachung von Patientendaten

Krankenschwester bei der Überwachung von Patientendaten

Foto: Frank Molter / dpa

Die britische Mutante des Coronavirus ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Das Robert Koch-Institut (RKI) und die Labors hätten in den vergangenen Wochen mehr als 23.000 positive PCR-Tests analysiert und die Proben sequenziert, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dabei sei festgestellt worden, dass die wohl deutlich ansteckendere Variante inzwischen einen Anteil »über 20, über 22 Prozent« ausmache, sagte Spahn. Vor zwei Wochen habe dieser Anteil noch bei sechs Prozent gelegen.

DER SPIEGEL

Man müsse daher damit rechnen, dass die britische Variante bald auch in Deutschland die dominierende sein könnte, sagte Spahn. Sie gilt nach Schätzungen als um mindestens 35 Prozent ansteckender als die herkömmliche Virusvariante. Wie in anderen Ländern sei zu beobachten, dass sich ihr Anteil ungefähr jede Woche verdopple.

Der Anteil der südafrikanischen Variante des Virus sei hingegen noch sehr niedrig und liege bei 1,5 Prozent, sagte Spahn. Das RKI werde die Details zu den Zahlen im Laufe des Tages veröffentlichen.

Der Gesundheitsminister sagte, es sei ermutigend, dass die Infektionszahlen trotz der Ausbreitung der britischen Mutante sinken. Das zeige, dass die Schutzmaßnahmen wirkten. Die stärkere Verbreitung der Varianten sieht Spahn auch als wichtig für die Debatte über Shutdown-Lockerungen an. An diesem Freitag wollten RKI-Chef Lothar Wieler und er weitere Einschätzungen abgeben.

Mit Blick auf die angekündigten kostenlosen Antigen-Schnelltests sagte Spahn, diese seien ein »wichtiges Hilfsmittel« im Kampf gegen die Pandemie, aber kein Ersatz für Abstands- und Hygieneregeln. Man sei nun in der »glücklichen Lage«, dass die Tests in deutlich größerer Menge verfügbar seien als noch vor wenigen Wochen. Im Januar hätten mehr Tests zur Verfügung gestanden, als abgerufen wurden. Bislang wurden die Antigen-Tests vor allem zur Prävention im Gesundheitswesen und in Pflegeeinrichtungen eingesetzt, zuletzt wurde die Strategie auf Schulen und Kitas ausgeweitet.

Für den 1. März plant Spahn kostenlose Schnelltests für alle Bürgerinnen und Bürger. Jede Investition ins Testen oder ins Impfen sei im Vergleich zu den Kosten des Lockdowns eine gute Investition, sagte der Minister.

Zu den Zweifeln am Corona-Impfstoff von Astrazeneca sagte Spahn: »Ein sicherer und wirksamer zugelassener Impfstoff schützt.« Das gelte für alle drei bisher in der Europäischen Union zugelassenen Präparate von Astrazeneca, Moderna und Biontech/Pfizer. Sich impfen zu lassen, sei in dieser Pandemie ein Gebot der Vernunft. »Wer damit wartet, riskiert schwer zu erkranken, und er riskiert auch, das Virus weiterzuverbreiten.«

Spahn appellierte an Pflegekräfte und Ärzte, Impfangebote zu nutzen. Er warnte davor, Skepsis zu nähren. Man müsse jetzt ein bisschen aufpassen, dass man sich auch als Gesellschaft nicht »in etwas hineinrede« und eine Impfung mit einem zugelassenen und wirksamen Stoff infrage stelle. Inzwischen seien fast 740.000 AstraZeneca-Dosen an die Länder geliefert worden, davon seien bisher knapp 90.000 verimpft. Dies laufe je nach Bundesland unterschiedlich, weil nicht alle am ersten Tag mit Impfungen begonnen hätten – etwa wegen nötiger organisatorischer Vorbereitungen.

Spahn betonte, es bleibe kein Impfstoff liegen. »Wenn Leute, die ihn angeboten bekommen, ihn nicht nehmen, werden wir ihn eben dem nächsten anbieten.« Es werde sehr viele Bürger geben, die sich über einen sicheren und wirksamen Impfschutz freuten – auch hinreichend viele Pflegekräfte und Ärzte. Sie seien in dieser Zeit der Impfstoff-Knappheit privilegiert, früher geimpft werden zu können.

Der AstraZeneca-Impfstoff hat eine geringere Wirksamkeit als die Mittel von Biontech/Pfizer und Moderna – bezogen darauf, wie viele Geimpfte in Studien im Vergleich zu Nicht-Geimpften erkranken. Kürzlich war zudem bekannt geworden, dass der AstraZeneca-Impfstoff bei der in Südafrika entdeckten Virusvariante wohl weniger vor milden und mittelschweren Verläufen von Covid-19 schützt – ob das auch für schwere Verläufe gilt, ist bislang unklar, weil es unter den vergleichsweise jungen Teilnehmenden der entsprechenden Studie keinen einzigen schweren Krankheitsverlauf gab. In Südafrika ist eine geplante Impfaktion mit dem Impfstoff daher kurzfristig ausgesetzt worden.

mes/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.