Bundesgesundheitsminister Jens Spahn »Wahrscheinlich wird am Ende dieses Winters jeder geimpft, genesen oder gestorben sein«

Jens Spahn hat mit drastischen Worten für Boosterimpfungen geworben – egal mit welcher Vakzine. Über die Qualität sagte er: Manche Ärzte sagten, Biontech sei der Mercedes, Moderna der Rolls-Royce.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): »Wahrscheinlich wird am Ende dieses Winters jeder in Deutschland – etwas zynisch genannt – geimpft, genesen oder gestorben sein«

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): »Wahrscheinlich wird am Ende dieses Winters jeder in Deutschland – etwas zynisch genannt – geimpft, genesen oder gestorben sein«

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Michael Kappeler / dpa

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen werden Auffrischungsimpfungen immer wichtiger. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will dafür verstärkt Moderna einsetzen, damit Dosen dieses Vakzins nicht im ersten Quartal verfallen.

Das hat massive Verunsicherung und Kritik ausgelöst – insbesondere die Begrenzung der maximalen Bestellmengen für den gefragten Biontech-Impfstoff für Praxen und Impfzentren stößt auf Widerstand. Nun hat Spahn versucht, der Kritik zu begegnen. Moderna sei ein »guter, sicherer und sehr wirksamer Impfstoff«, sagte Spahn bei einer Pressekonferenz. Die Vakzine von Biontech sei der Mercedes und die von Moderna der Rolls-Royce.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) kritisierte die Debatte über die Corona-Impfstoffe von Moderna und Biontech als »unangemessen«, ihr Wirkungsgrad liege bei mehr als 90 Prozent, sagte Institutspräsident Klaus Cichutek. »Wir sitzen im Schlaraffenland«, sagte Cichutek weiter und betonte, dass in Deutschland anders als in vielen anderen Staaten ausreichend sehr guter Impfstoff zur Verfügung stehe. Studien hätten auch ergeben, dass die Impfreaktionen bei beiden sehr gering seien. Das bestätigte auch Leif Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung der Charité. Eine Kreuzimpfung mit beiden Stoffen sei sicher und gut verträglich, sagte er.

Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts

Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts

Foto: Michael Kappeler / dpa

Mehrheit will Biontech

In der Bevölkerung ist aber der Biontech-Impfstoff besonders gefragt. Hier sei die Nachfrage in den vergangenen zwei Wochen stark gestiegen, sagte Spahn. »Wir halten nichts zurück.«

Dennoch sollen Praxen vorerst maximal 30 Dosen Biontech pro Woche bestellen können, Impfzentren und mobile Impfteams 1020 Dosen. Für Bestellungen von Moderna soll es keine Höchstgrenzen geben. Bis Jahresende soll es insgesamt rund 24 Millionen Dosen von Biontech und 26 Millionen von Moderna geben – laut Spahn genug Impfstoff für alle.

Bundesländer und Ärztevertreter kritisieren die Deckelung der Biontech-Menge scharf. Es gibt Sorgen, dass dies das Tempo bei den Boosterimpfungen bremsen könnte. Auch bei der Gesundheitsministerkonferenz der Länder (GMK) soll am Montag über die Bestellgrenzen gesprochen werden.

Dabei könnte sich die Situation bald etwas entspannen. Aktuell prüfe Biontech, ob das Unternehmen kurzfristig zusätzlichen Impfstoff für Deutschland liefern kann. Das erklärte eine Firmensprecherin. Die »Bild«-Zeitung hatte zuvor berichtet, Biontech sei bereit, Deutschland kurzfristig zehn Millionen Impfdosen außerplanmäßig zu liefern. Über Umdisponierungen bei Lieferungen an andere Staaten sei dies noch im November und Dezember möglich.

Im Dezember sollen außerdem 2,4 Millionen Dosen des Biontech /Pfizer-Impfstoffs für Kinder ab fünf Jahren zur Verfügung stehen. Die Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde Ema werde wahrscheinlich Ende dieser Woche erfolgen, sagte Spahn. Die gesamte Europäische Union erhalte die erste Lieferung am 20. Dezember.

Deutschland erhalte »auf einen Schlag« 2,4 Millionen Dosen für die Fünf- bis Elf-Jährigen, so Spahn. Angesichts von 4,5 Millionen Kindern dieser Altersgruppe werde wohl ein großer Teil der anfänglichen Nachfrage bedient werden können. Weitere Lieferungen seien in den ersten Monaten des neuen Jahres zu erwarten. Da Kinder eine andere Dosierung benötigten, seien auch eine andere Abfüllung und ein anderer Vorlauf für den Kinderimpfstoff nötig, erläuterte der geschäftsführende Gesundheitsminister.

An diesem Montag und Dienstag werden laut Spahn insgesamt sechs Millionen Biontech-Dosen ausgeliefert. »Das muss jetzt erst einmal verimpft werden«, sagte der Minister. Wer die Chance habe, sich mit einem der beiden Impfstoffe zu schützen, sollte es tun.

Andernfalls habe das ernste Konsequenzen. »Wahrscheinlich wird am Ende dieses Winters jeder in Deutschland – etwas zynisch genannt – geimpft, genesen oder gestorben sein«, sagte Spahn. Das liege an der ansteckenden Delta-Variante.

lau/Reuters
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