Biontech-Impfstoff Kinder über 12 können laut Spahn spätestens in den Sommerferien geimpft werden

Der Impfstoff von Biontech soll bald auch für Kinder über 12 zugelassen werden, erklärt Gesundheitsminister Spahn – und dämpft zugleich die Erwartungen: Es könnten nicht plötzlich im Juni alle auf einmal geimpft werden.
Jens Spahn

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Foto: Jens Schicke / imago images/Jens Schicke

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat Coronaimpfungen für Kinder über zwölf Jahren in den Sommerferien in Aussicht gestellt. Spahn sagte bei einer Pressekonferenz, er rechne mit einer zügigen Zulassung der Impfstoffe für Kinder in dieser Altersgruppe. Der nächste Schritt sei dann die Zulassung für jüngere Kinder. Die Kinderärzte könnten dann mitimpfen. Er müsse das aber noch mit den Ländern besprechen.

Das Unternehmen Biontech will Coronaimpfungen für alle Kinder ab sechs Monaten ermöglichen . Studien zeigten demnach hohe Wirksamkeit und Verträglichkeit des Wirkstoffs. Für ältere Kinder soll der Impfstoff laut Biontech ab Juni zur Verfügung stehen, für alle Altersgruppen ab September.

Der Juni sollte indes nicht mit Erwartungen überfrachtet werden, sagte Spahn. Es könnten dann nicht plötzlich alle geimpft werden. Spätestens in den Sommerferien sollten die Über-12-Jährigen dann aber an der Reihe sein können.

Auf die Frage, ob Kinder bei der Priorisierung bevorzugt werden sollten, erklärte Spahn, die Priorisierung gehe von den schwersten Verläufen nach einer Infektion aus. Er verstehe, dass Normalität in Schulen und Hochschulen wichtig sei. Aber es dauere nicht mehr lang, bis mehr Menschen einen Impfschutz erhalten könnten. »Wir reden doch hier über Wochen«, sagte Spahn. Er wisse, wie hart jeder Tag sei, bat aber dennoch um ein wenig Geduld.

»Die Infektionszahlen scheinen sich auf hohem Niveau zu stabilisieren«

Spahn äußerte sich auch zum Infektionsgeschehen. »Die Infektionszahlen scheinen sich auf hohem Niveau zu stabilisieren«, sagte Spahn. »Das reicht aber insgesamt noch nicht.« Intensivstationen seien in vielen Regionen noch zu voll. Sinkende Zahlen seien die Voraussetzung für Lockerungen. Natürlich habe er sich in den vergangenen Tagen gefreut, dass die Zahlen leicht zurückgingen, sagte Spahn. Das sei ein gutes Signal, aber zwei, drei Tage seien noch kein Trend. Zielmarke seien Inzidenzen unter 100.

Lothar Wieler, der Präsident des Robert Koch-Instituts, ergänzte, dass die einzelnen Bundesländer sehr unterschiedliche Zahlen meldeten. »Wir müssen einfach lernen, dass wir genauer hinschauen«, sagte er. »Es ist zu früh, um von einem Trend zu reden«, sagte Wieler. »Die Pandemie ist leider noch nicht vorbei«.

Spahn sprach von einer deutlichen Steigerung bei den Impfungen. Über 20 Millionen Menschen haben demnach eine Impfung in Deutschland erhalten. Die Priorisierung bei den Impfungen sei sinnvoll gewesen. »Wir haben Menschenleben geschützt«, sagte Spahn. Im Juni könnte sie aber voraussichtlich aufgegeben werden. Dann werde es aber dennoch bis in den Sommer hinein Wartezeiten geben.

Zum Thema Rechte und Möglichkeiten von Geimpften  sagte Spahn, Getestete und Geimpfte könnten in vielen Bereichen gleichgestellt werden. Viele Bundesländer hätten das in ihren Landesverordnungen auch bereits gemacht. Schwieriger sei die Frage, was mit Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sei. Darum kümmere sich nun der Bund in einem Entwurf. Theoretisch könnte dieser auch schneller als bis zum 28. Mai durch den Bundestag und Bundesrat gehen. An der langen Vorlaufzeit hatte es Kritik gegeben.

mfh