Finanzministerium Spahn wird Schäubles neuer Staatssekretär

Wolfgang Schäuble holt Jens Spahn als Staatssekretär ins Finanzministerium. Der junge CDU-Politiker hatte zuvor wiederholt gegen Projekte der Koalition gestichelt.
Spahn (vergangene Woche im Bundestag): "Einer der Streitlustigeren"

Spahn (vergangene Woche im Bundestag): "Einer der Streitlustigeren"

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Der Gesundheitsexperte Jens Spahn wird neuer Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Der 35-Jährige aus Nordrhein-Westfalen ist CDU-Präsidiumsmitglied und gilt als einer der profilierten jüngeren Bundestagsabgeordneten der Unionsfraktion.

Spahn ist gelernter Bankkaufmann und studierter Politologe. Bekannt wurde er vor allem als Gesundheitsexperte, er nahm in der Legislaturperiode 2005 bis 2009 aber auch an den Sitzungen im Haushaltsausschuss teil.

Er soll Steffen Kampeter (ebenfalls CDU) ablösen, der auch aus Nordrhein-Westfalen kommt und zur Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) wechselt.

Spahn gehört zur sogenannten Jungen Gruppe innerhalb der Union, die etwa die Rentenbeschlüsse der großen Koalition kritisiert und 2014 eine "Agenda 2020" mit wirtschaftspolitischem Profil vorgelegt hatte. Er hatte sich bisweilen kritisch über mangelnden Ehrgeiz der Union in der Koalition geäußert.

Als nach dem Referendum der Iren Anfang Juni auch in Deutschland die Debatte über die Homo-Ehe neu entbrannte, sprach sich Spahn vehement für eine Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Paare aus - und stellte sich damit gegen die offizielle Position der CDU-Spitze.

Als Staatssekretär müsste er wohl loyaler auftreten. Bislang gibt es allerdings keinen Hinweis darauf, dass er sein Engagement im Reformerkreis "CDU2017" oder in seinem schwarz-grünen Gesprächszirkel zurückfahren wird.

Spahn war im vergangenen Jahren ins CDU-Präsidium aufgerückt, nachdem er sich dort in einer Kampfkandidatur durchgesetzt hatte. Seitdem hat er sein Themenfeld ausgebaut.

Vorgänger Kampeter wird erst zum Juli 2016 neuer Hauptgeschäftsführer bei der BDA, will aber seinen Posten als parlamentarischer Finanzstaatssekretär schon jetzt aufgeben.

Von seinem künftigen Chef Wolfgang Schäuble (CDU) bekam Spahn schon vor einiger Zeit Vorschusslorbeeren. Spahn sei ihm "als einer der Streitlustigeren in der Partei und im Parlament aufgefallen", sagte der Finanzminister im vergangenen November in einem gemeinsamen Interview mit dem SPIEGEL. "Damit kann er einem manchmal ganz schön auf die Nerven gehen", sagte Schäuble, "aber das gefällt mir."

fab/phw/AFP/Reuters