Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,

Von


Frankreichs neu gewählter Präsident Emmanuel Macron wird morgen in den Élysée-Palast ziehen, seine erste offizielle Auslandsreise wird ihn übermorgen nach Deutschland zu Bundeskanzlerin Angela Merkel führen. Merkel freut sich über den neuen Präsidenten. Das muss sie auch. Durch seinen Sieg hat Macron Europa gerettet. Die Freude über Macron kann Merkel aber teuer zu stehen kommen. Macron wünscht sich, Deutschland möge in ganz anderer Weise als bisher in Europa investieren. SPD-Mann Sigmar Gabriel hält viel von Macrons Wünschen. Im neuen SPIEGEL drucken wir ein Papier, in dem er die Neudefinition der deutsch-französischen Beziehungen fordert.

Emmanuel Macron
AFP

Emmanuel Macron

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 20/2017
Emmanuel Macron rettet Europa ... und Deutschland soll zahlen

Gabriel nutzt die Gelegenheit, sich auch gegen die Austeritätspolitik zu wenden. Die wird vor allem mit Finanzminister Wolfgang Schäuble in Verbindung gebracht. Was Schäuble zu Macron und der SPD sagt, lesen Sie im SPIEGEL-Gespräch im neuen Heft, es ist Teil eines großen Titelkomplexes. Der Komplex stellt die Folgen der Frankreichwahl für das Land selbst dar, einer Wahl, die im Ergebnis einerseits ein Sieg der liberalen Demokratie gewesen ist, da Marine Le Pen nicht gewann, andererseits aber eingeübte Strukturen der Demokratie - das alte Parteiensystem - ausgehebelt hat.

Zudem zeigen meine Kollegen aus dem Hauptstadtbüro die Folgen des Macron-Sieges für den deutschen Wahlkampf auf. In globalisierten Zeiten gibt es die reine Innenpolitik kaum noch, alles hängt mit allem zusammen, Außenpolitik wird zur Innenpolitik. Auch deswegen war Le Pens Politik töricht. Abschottung ist nicht einmal eine Option.

Titelbilder

Die Lage nach einem Sieg kann wackliger sein als vor einem Sieg, das drücken wir mit dem Titelbild dieser Woche aus: Es ist ein 3-D-Porträt von Macron. Auch die Titelzeile zeigt die Ambivalenz: "Teurer Freund".

SPIEGEL-Titelbilder "Das Ende der Welt" und "Stille Nacht"
DER SPIEGEL

SPIEGEL-Titelbilder "Das Ende der Welt" und "Stille Nacht"

Unsere Titelbildgrafiker müssen Woche für Woche ein einziges Bild finden, das zusammenfasst, was unsere Titelautoren auf vielen Seiten und in aller Komplexität und Detailtiefe darstellen. Es ist jedes Mal eine große Aufgabe, ein großes Abenteuer. Wir freuen uns, dass der SPIEGEL vergangenen Donnerstag auf der Preisverleihung des Art Directors Clubs (ADC) gleich mehrere Preise gewonnen hat: Das Titelbild zum Trump-Wahlsieg "Das Ende der Welt" bekam den ADC-Nagel in Gold, das Titelbild "Stille Nacht" erhielt den Nagel in Silber. Außerdem bekam die Redaktion den Großen Preis der Jury in der Kategorie Editorial verliehen.

Franco A., Trump, Prostitution

Was wird Sie im neuen Heft noch interessieren? Wir berichten über die Hintermänner des Franco A. - das rechte Netzwerk in der Bundeswehr wird in seinen Ausmaßen und Konturen jetzt erst sichtbar. Außerdem beschreiben wir, welche Folgen Trumps Entlassung des FBI-Chefs jetzt schon hat und haben kann. Eine erschütternde Geschichte aus Griechenland erzählt, wie junge Flüchtlinge sich prostituieren, um zu überleben.

Im Video: "Untragbare Zustände" - SPIEGEL-Mitarbeiter Giorgos Christides über minderjährige Flüchtlinge in Griechenland

OLGA STEFATOU / DER SPIEGEL

Im Kulturteil greifen wir die Debatte auf, die seit dem Erscheinen der neuen Antisemitismusstudie begonnen hat: Ist der Übergang zwischen Israel-Kritik und Antisemitismus fließend? Mein Kollege Sebastian Hammelehle hat den jüdischen Schriftsteller Tuvia Tenenbom auf seiner Reise zu deutschen Linken und Rechten begleitet. Mein Kollege Martin Doerry hat ein bewegendes Gespräch mit dem Holocaust-Überlebenden Saul Friedländer geführt.

Gewinner des Tages...

...ist für mich ein nackter Mann. Normalerweise sind nackte Männer in der Öffentlichkeit nicht so mein Fall, aber diese eine Ausnahme gibt es: den deutschstämmigen Venezolaner Hans Wuerich, den unser Südamerikakorrespondent Jens Glüsing in einem Porträt im neuen Heft vorstellt. Ein ausgemergelter Mann, er wiegt 70 Kilo und ist 1,90 Meter groß. Er kletterte nackt auf einen Panzerwagen und wurde so zur Leitfigur der Protestwelle gegen das Regime von Präsident Maduro.

Die jüngsten Meldungen

Ein schönes Wochenende und eine anregende Lektüre wünscht Ihnen Ihre

Susanne Beyer

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
haresu 13.05.2017
1. Ein Cover das weh tut
In den Augen. Und inhaltlich. Genauso gut hätte man " Dieser Mann will Ihr Geld" schreiben können. Denn das wird gelesen.
hausfeen 13.05.2017
2. macron ist der modernere neoliberale. schäuble sollte auf ihn hören.
macron ist der modernere neoliberale. schäuble sollte auf ihn hören. der unangenehme teil seiner programmatik wird im gewerkschaftskampf verhandelt. vornehmlich in frankreich. aber so sieht der weg aus zu einem moderneren europa und einem sozialerem.
jimbofeider 13.05.2017
3. Motto
Kleingeistigkeit, Protektionismus wird Europa nicht zum Guten weiter entwickeln, aber liebe Fr. Bayer, Gobalisierung um jeden Preis nach dem Motto: Das geht schon irgendtwie gut, ist das der Weg? Ich denke mir, wenn Politiker nicht mal im kleinen bei sich in ihren Ländern für einen gerechten Ausgleich zwischen Arm und Reich hinkriegen, wie möchten sie das im Großen schaffen? So Binn und bleibe ich vorerst bei meinem entschlossenen Jein zur E.U. m.f. G
sir wilfried 13.05.2017
4. Ist es nicht so?
Zitat von haresuIn den Augen. Und inhaltlich. Genauso gut hätte man " Dieser Mann will Ihr Geld" schreiben können. Denn das wird gelesen.
Das hab ich auch gelesen. Viele Finanzminister machen ihre Hausaufgaben nicht, aber die doofen Deutschen sollen trotzdem zahlen. Und sie werden zahlen, mehr als ohnehin schon. Wer aufmuckt, kommt in die Populisten-Ecke.
i.dietz 13.05.2017
5. Guten Morgen
Zitat von hausfeenmacron ist der modernere neoliberale. schäuble sollte auf ihn hören. der unangenehme teil seiner programmatik wird im gewerkschaftskampf verhandelt. vornehmlich in frankreich. aber so sieht der weg aus zu einem moderneren europa und einem sozialerem.
Schäuble auf ihn hören ? Nee, das geht gar nicht ! Schäuble wird wie immer ungefragt Ratschläge erteilen !
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.