Schwere Krebserkrankung FDP-Politiker Jimmy Schulz gestorben

"Jimmy Schulz wird uns sehr fehlen": Die FDP trauert um den Bundestagsabgeordneten, der nach schwerer Krankheit verstorben ist.

Jimmy Schulz, Unternehmer und FDP-Politiker, im Mai 2019
SLAVICA

Jimmy Schulz, Unternehmer und FDP-Politiker, im Mai 2019


"Es ist Bauchspeicheldrüsenkrebs. Wie Sie vielleicht wissen, gibt es da eine Überlebenschance von zwei Prozent. Zu diesen zwei Prozent gehöre ich nicht." Erst vor wenigen Monaten hatte der FDP-Politiker Jimmy Schulz im Gespräch mit dem SPIEGEL über seine schwere Krankheit gesprochen (Lesen Sie hier das Interview). Es gehe ihm gut, sagte er im Juni, die Chemotherapie habe den Krebs eingefroren. Am Montag ist er nun doch an den Folgen der Krankheit gestorben. Er wurde 51 Jahre alt.

"Die Nachricht erfüllt uns mit großer Traurigkeit", erklärte FDP-Chef Christian Lindner. Er bezeichnete Schulz, der Vorsitzender des Ausschusses Digitale Agenda des Bundestags war, als "Netzpolitiker der ersten Stunde". Er sei "hartnäckig in der Sache" und zugleich "immer herzlich und lebensfroh" gewesen.

Schulz, geboren in Freiburg, saß von 2009 bis 2013 und dann erneut seit 2017 für die FDP im Bundestag. Er arbeitete bei verschiedenen IT-Unternehmen und engagierte sich auch in der Digitalpolitik.

Streiter für Bürgerrechte

Schulz' Leidenschaft galt schon früh Computern und dem Internet. Auf seinem ersten eigenen Computer, einem Commodore 16, programmierte Schulz einen Vokabeltrainer. Schulz veranstaltete im Bundestag auch die erste LAN-Party und war der erste Abgeordnete, der seine Rede nicht vom Papier, sondern von einem Tablet ablas. Das iPad liegt heute im Bonner Haus der Geschichte.

Entschlossen habe er für Bürgerrechte gestritten und für die digitale Selbstbestimmung gekämpft: etwa gegen die Vorratsdatenspeicherung, die Onlinedurchsuchung und das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, so Lindner. "Unsere Gedanken sind jetzt bei seiner Frau, seinen Kindern und seinen Freunden."

Auch Schulz' bayerischer FDP-Landesverband würdigte den Verstorbenen. "Mit seinem Tod verlieren wir nicht nur einen unserer engagiertesten Verfechter von Meinungsfreiheit und Datenschutz, sondern vor allem einen treuen Wegbegleiter und guten Freund", erklärte der Landesvorsitzende Daniel Föst.

Bundestag setzt Flaggen auf Halbmast

Auch Politiker anderer Parteien zeigten sich betroffen. "Ich kann und will gar nicht glauben, dass mein lieber Kollege Jimmy Schulz nicht mehr zu uns zurückkommen wird", schrieb die Staatsministerin im Bundeskanzleramt für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), auf Twitter. "Jimmy, Du wirst fehlen."

Der Grünenabgeordnete Konstantin von Notz twitterte: "Dank Dir für die immer kollegiale und freundschaftliche Zusammenarbeit, Dein konsequentes Streiten für unseren liberalen Rechtsstaat in Zeiten der Digitalisierung und Dein Engagement in den wichtigen internationalen Digital-Debatten!"

Aus Trauer um Schulz wurden alle Flaggen des Bundestags auf Halbmast gesetzt.

vks/asa/dpa



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