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Halbzeit für den Bundespräsidenten: Zweieinhalb Jahre Präsident Gauck

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Kommentar zu Gaucks Halbzeit Präsident mit Schönheitsfehler

Vor zweieinhalb Jahren wurde er gewählt, Halbzeit für das Staatsoberhaupt: Joachim Gauck ist ein würdiger Bundespräsident, der dem Amt gutgetan hat. Aber es gibt ein Problem.

Als Joachim Gauck am 18. März 2012 gewählt wurde, lag sein Haus in Scherben. Kaum hatte man sich dort vom überraschenden Abgang Horst Köhlers erholt, war auch Christian Wulff als Staatsoberhaupt zurückgetreten. Und nun dieser politische Seiteneinsteiger aus dem Osten? Gauck hat die meisten Zweifler rasch überzeugt: Er kann reden, und er hat etwas zu sagen. Das ist eine ganze Menge für einen Bundespräsidenten.

Joachim Gauck hat sich in einem Alter, in dem die meisten Deutschen ihren Ruhestand genießen, auf Entdeckungstour durch Deutschland und die Welt begeben. Der 74-Jährige ist so neugierig wie ein Kind und mindestens so begeisterungsfähig - gleichzeitig bringt dieser Bundespräsident aus einem Leben in zwei Systemen eine Menge mit.

Das macht aus Gauck eine Art lernender Autorität. Und so kann man zur Halbzeit sagen: Der elfte Bundespräsident hat dem Amt zurückgegeben, was in den Jahren zuvor verloren gegangen war. Stolz und Würde. Nach außen repräsentiert Gauck sein Land souverän, nach innen integriert er und gibt wichtige Denkanstöße.

Doch es gibt ein Problem. "Nach der Verkleinerung Wulffs drängte sich die Vergrößerung Gaucks auf", schrieb kürzlich die "ZEIT": Ja, dieses Staatsoberhaupt wird immer größer - auch in seiner eigenen Wahrnehmung.

Mitunter befremdliche Amtsführung

Zuletzt war eine Amtsführung zu beobachten, die mitunter befremdlich wirkte: Gauck wollte nie den Fehler seines Vorvorgängers Köhlers nachmachen, der sich in Schloss Bellevue als eine Art Anti-Politiker inszenierte. Aber warum hat der Präsident dann wochenlang gezögert, bis er das Gesetz über die bessere Abgeordnetenversorgung unterzeichnete? Prompt erhob ihn die "Bild"-Zeitung zum "Bürger-Präsidenten". Da wirkte Gauck dann doch reichlich populistisch.

Im April reiste er in die Türkei, wo er dem damaligen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan die Leviten las. Sein Gastgeber reagierte empört, der Beifall zu Hause war dafür umso lauter für den Bundespräsidenten. Mutig habe sich Gauck in der Türkei verhalten, hieß es allenthalben.

Aber was ist eigentlich mutig daran, einem Anti-Demokraten die Meinung zu sagen, mit dem man anschließend nichts mehr zu tun hat? Es kostet Gauck nichts, bringt aber eine Menge Lob im eigenen Land. Gratis-Lob könnte man das nennen. Oder wohlfeil.

Genau wie nach der Danziger Rede des Bundespräsidenten zum 75. Jahrestag des Überfalls auf Polen. An die mehr als 20 Millionen von deutschen Soldaten getöteten Sowjetbürger erinnerte Gauck nicht, aber er nutzte das Gedenken zum Beginn des Zweiten Weltkriegs für deutliche Worte Richtung Russland im aktuellen Ukraine-Konflikt. Wieder war er der Mutige.

Joachim Gauck sollte auch in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit ein Bundespräsident sein, der sich einmischt. Dass er die Debatte über Deutschlands Rolle in der Welt befördert hat, war richtig. Von den reflexhaften Attacken der Linken darf Gauck sich auch sonst nicht beirren lassen. Aber vielleicht sollte er seine Worte wieder ein bisschen mehr abwägen. Billige Punkte hat ein Bundespräsident nicht nötig.

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