Altbundespräsident Gauck will den Begriff rechts "entgiften"

Im SPIEGEL-Gespräch forderte Joachim Gauck eine "erweiterte Toleranz in Richtung rechts" - und wurde dafür kritisiert. Nun äußerte sich der frühere Bundespräsident erneut zu dem Thema.

Joachim Gauck: "Toleranz ist manchmal eine Zumutung"
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Joachim Gauck: "Toleranz ist manchmal eine Zumutung"


Joachim Gauck hat den Umgang mit dem Begriff rechts in der Politik kritisiert. "Rechts ist eine Verortung im politischen Raum, die noch nicht negativ ist", sagte der Altbundespräsident in der ZDF-Sendung "Markus Lanz". Er kritisierte dabei die "Achtundsechziger-Kultur", wonach dort, wo nicht mehr links sei, bereits Faschismus beginne.

Er forderte, den Begriff zu "entgiften". Zur Demokratie gehöre das Aushalten verschiedener Meinungen. "Toleranz ist manchmal eine Zumutung", so Gauck. Es gebe Dinge, die seien widerlich. Aber wenn sie noch nicht gegen das Grundgesetz verstoßen, hätten sie das Recht zu existieren. Krude Ansichten reichten nicht aus, um Menschen "vom Spielfeld zu verweisen". Dem solle die Gesellschaft mit einer "kämpferischen Toleranz" antworten.

Gauck war zuletzt wegen Aussagen im SPIEGEL-Gespräch in die Kritik geraten. (Lesen Sie hier das gesamte Interview.) Unter anderem forderte er von der CDU eine "erweiterte Toleranz in Richtung rechts". Er warnte aber auch davor, Rassismus und Intoleranz nicht entschieden genug zu begegnen. Das Verhalten aller anderen Fraktionen im Bundestag, bislang jeden AfD-Kandidaten bei der Wahl zum Bundestagsvizepräsidenten abzulehnen, nannte Gauck einen "problematischen Weg".

Er persönlich halte die AfD zwar für "verzichtbar". Weil sie aber da sei, müsse man sie als "politischen Gegner betrachten" und mit ihr streiten. Dennoch würde Gauck mit Alexander Gauland, früher CDU-Mitglied und heute AfD-Chef, nicht öffentlich diskutieren wollen. Dafür habe er "nicht genug Achtung" vor ihm.

Im ZDF antwortete Gauck auf die Frage, weshalb er sich nicht mit Gauland auf ein Podium setzen wolle: "Ich habe eine persönliche Toleranzgrenze." Er selbst sei ein "heftiger Gegner" der AfD. Er halte aber nicht alle AfD-Wähler für "Faschisten" und "Nazis". Unter diesen gebe es vielmehr auch sehr viele Protestwähler.

Der frühere Bundespräsident forderte erneut, beim Thema Migration auch Probleme anzusprechen. "Fremdenfeindlichkeit finde ich absolut widerwärtig", sagte Gauck. Zum Thema Migration gehörten auch Fragen nach dem "Wie viel, wohin, wie lange?". Auch müsse man sich über Rechtsverstöße von Migranten austauschen. Andernfalls drohe eine "Entsolidarisierung" der Gesellschaft. Wenn man nicht darüber spreche, entstünde am rechten Rand genug Platz, um darüber zu sprechen.

asa



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