Reaktion auf Kramp-Karrenbauer Meuthen will nicht mit CDU zusammenarbeiten - andere schon

Die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer erklärt die AfD zum Tabu, AfD-Chef Meuthen schließt eine Zusammenarbeit mit der Union ebenfalls kategorisch aus. Dabei wird in einer ostdeutschen Kleinstadt bereits kooperiert.

AfD-Chef Jörg Meuthen: Kooperation mit Merkel oder Kramp-Karrenbauer? Ausgeschlossen.
Fabian Sommer / DPA

AfD-Chef Jörg Meuthen: Kooperation mit Merkel oder Kramp-Karrenbauer? Ausgeschlossen.


Ist die AfD womöglich doch ein Partner für die Christlich Demokratische Union? CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer bemüht sich derzeit stark um Abgrenzung, eine Zusammenarbeit auch auf kommunaler Ebene schloss sie zuletzt am Sonntagabend kategorisch aus.

Auf den erklärten Ausschluss einer Zusammenarbeit durch Kramp-Karrenbauer hat nun die AfD reagiert. Deren Parteichef Jörg Meuthen erklärte, er schließe seinerseits eine Kooperation mit der Union aus. "Natürlich kann und wird es mit der CDU unter Führung von Merkel und Kramp-Karrenbauer unter gar keinen Umständen eine Zusammenarbeit geben", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

An der Basis aber gibt es sie schon: In der rund 3000 Einwohner zählenden mecklenburgischen Kleinstadt Penzlin hat die CDU in der Stadtvertretung eine Zählgemeinschaft mit dem einzigen AfD-Vertreter gebildet.

Zusammen stellen sie 4 der 15 Mitglieder der Stadtvertretung. Das brachte der Union mehr Sitze in Ausschüssen ein, und auch der AfD-Vertreter ist nun im Rechnungsprüfungsausschuss sowie im Schul- und Kulturausschuss vertreten. Allein hätte ihm kein Sitz zugestanden, wie der "Nordkurier" berichtete.

Penzlin in Mecklenburg-Vorpommern: Hier arbeiten CDU und AfD zusammen
DPA

Penzlin in Mecklenburg-Vorpommern: Hier arbeiten CDU und AfD zusammen

Der Vorsitzende der Zählgemeinschaft, Mario Röse (CDU), sagte: "Der AfD-Mann hat bei der Kommunalwahl viele Stimmen bekommen, mehr als viele andere." Ignoriere man ihn, schlösse man einen nicht kleinen Teil der Wähler aus. "Wir wollten ihn einbinden und sehen, was er leistet."

AfD-Chef in Brandenburg: CDU ist Parteiführung voraus

Große Linien der Parteien seien das eine, in der Kommunalpolitik sehe es mitunter etwas anders aus. Die Bildung der Zählgemeinschaft mit dem AfD-Mann sei aber auch in der CDU Penzlin umstritten gewesen, räumte er ein.

Wie Kramp-Karrenbauer spricht auch Meuthen offenbar nicht für alle Gliederungen der Partei. Der Brandenburger AfD-Landesvorsitzende Andreas Kalbitz, der auch im Bundesvorstand sitzt, sagte ebenfalls dem RND unter Verweis auf das Beispiel Penzlin: Die "formale Koalition" dort und die praktische Zusammenarbeit in vielen Kommunalvertretungen zeigten, dass "die CDU-Basis ihrer bewegungsunfähigen Parteiführung längst voraus" sei.



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cht/dpa

insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
urbanism 24.06.2019
1.
immer dieses rumgehampel. Wenn die CDU/CSU irgendwann nur mit Hilfe der AfD Mehrheiten beschaffen kann, wird es auch eine Zusammenarbeit geben. Die CDU/CSU wollte auch nie mit dem Grünen eine Koalition eingehen. Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen.
volker.simoneit 24.06.2019
2. Die Demokratie wird wieder kommen
und alle demokratische gewählten Parteien werden sich an Sachthemen orientieren und zusammenarbeiten. Dazu muß allerdings die heutige ideologische "Politikerelite" endlich verschwinden.
chaosimall 24.06.2019
3. Auf der Konmunalebene
kommen ganz andere Gesichtspunkte zum Tragen als auf Landes- und Bundesebene. Viele AfD-Aktivisten könnten auch als rechter Rand der CDU arbeiten, Teile der AfD sind schlicht rechtsradikal oder neo-faschistisch. Das muss eine Bundesvorsitzender berücksichtigen, eine Zusammenarbeit schließt sich schlicht aus. Auf Kommunalebene kann das menschlich und inhaltlich anders sein. Ich bin eher einnLinker und ganz gewiss kein Freund von CDU und von AfD erst recht nicht. Dennoch: wir leben in einer Demokratie und einem Rechtsstaat, wer sich an die grundgesetzlich Regeln hält darf mit Dabeisein.
rosenrot367 24.06.2019
4. Genau
Zitat von urbanismimmer dieses rumgehampel. Wenn die CDU/CSU irgendwann nur mit Hilfe der AfD Mehrheiten beschaffen kann, wird es auch eine Zusammenarbeit geben. Die CDU/CSU wollte auch nie mit dem Grünen eine Koalition eingehen. Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen.
Die CDU wird bald keine Koalitionspartner mehr haben - und ohne die AfD wird sie für eine lange, lange Zeit die Oppositionsbänke drücken. AKK hat wahrscheinlich noch nichts vom hessischen SPD-MP Börner gehört: der mit Dachlatten auf die Grünen losgehen wollte und dann die erste rot-grüne Landesregierung an die Macht brachte....Heute geht die SPD sogar mit den Linken zusammen, um an der Macht zu bleiben...... Denke, die CDU wird nach ihren Verlusten bei den Wahlen im Herbst ihre prekäre Lage neu bewerten - ob Frau AKK dann noch mitreden kann/darf, ist auch noch nicht sicher....
joseph?iii 24.06.2019
5.
Die AFD ist eine in großen Teilen rechtsextreme und antidemokratische Partei. Wer die als sogenannter "moderater" AFD-ler oder koalitionsbereiter CDU-ler glaubt ignorieren zu können, macht sich zum Steigbügelhalter der Neofaschisten. Wer die Grundschule überstanden hat, sollte wissen, dass das Einhegen der Rechten bereits 1933 gründlich in die Hose gegangen ist.
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