Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton kritisiert US-Truppenabzug aus Deutschland

Ex-US-Sicherheitsberater Bolton nennt den geplanten Abzug Tausender US-Soldaten aus Deutschland "ein Zeichen und kein gutes", was bevorstehe, wenn Trump wiedergewählt werde.
Soldaten an einem F16-Kampfflugzeug in Spangdahlem: An der US-Airbase in dem Eifelort wurden gerade erst eine neue Middle- und eine Highschool für 87 Millionen Dollar gebaut

Soldaten an einem F16-Kampfflugzeug in Spangdahlem: An der US-Airbase in dem Eifelort wurden gerade erst eine neue Middle- und eine Highschool für 87 Millionen Dollar gebaut

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U.S. Air Force/ ZUMA Press/ imago images

Der geplante Abzug von knapp 12.000 US-Soldaten aus Deutschland sorgt seit Tagen für Unruhe. Nun hat mit John Bolton auch der frühere Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump den geplanten Schritt kritisiert.

"Der Rückzug der Vereinigten Staaten von all jenen Positionen, die wir halten, ist kein Pluspunkt - weder für unser Land, noch für die Sicherheit des Westens in seiner Gesamtheit", sagte Bolton in einem Interview der "Welt am Sonntag ". Der Abzug sei "ein Zeichen - und kein gutes - dafür, was uns bevorsteht, sollte Trump wiedergewählt werden". In vielerlei Hinsicht ähnele Trump mit seinem Schritt allerdings auch dessen Vorgänger Barack Obama. Dieser habe "sich auch nicht so sehr um den Rest der Welt gekümmert".

Bolton war knapp eineinhalb Jahre lang Nationaler Sicherheitsberater und schied im September 2019 im Streit aus dem Weißen Haus. Der außenpolitische Falke und Trump hatten bei einer Reihe von Themen unterschiedliche Meinungen vertreten. So war Bolton ein entschiedener Gegner von Trumps Annäherungskurs zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.

Trumps früherer Sicherheitsberater Bolton: Auf Konfrontationskurs

Trumps früherer Sicherheitsberater Bolton: Auf Konfrontationskurs

Foto: Leah Millis/ REUTERS

In seinem Buch "Der Raum, in dem alles geschah" greift Bolton Trump an: Er wirft dem US-Präsidenten vor, eigene politische Interessen über nationale Sicherheitsinteressen und das Wohl der USA zu stellen. Er beschuldigt ihn, China um Hilfe für eine Wiederwahl gebeten zu haben und bestätigt die Vorwürfe, Trump habe die Ukraine zu Ermittlungen gegen seinen Rivalen Joe Biden gedrängt. Der außenpolitische Hardliner beschreibt Trump als inkompetent.

Airbase in Spangdahlem soll bestehen bleiben

Rheinland-Pfalz kann nach der Schreckensnachricht derweil zumindest teilweise etwas aufatmen. Die US-Airbase Spangdahlem in der Eifel bleibt nach Angaben der Airforce trotz der geplanten Verlegung von Soldaten erhalten. "Derzeit gibt es keine Pläne, Spangdahlem zu schließen", teilte der Oberst der US-Luftwaffe und Kommodore des 52. Jagdgeschwaders, David Epperson, mit.

Die USA wollen ein Drittel ihrer in Deutschland stationierten Truppen abziehen. Nach den Plänen sollen mehr als 6000 betroffene Soldaten zunächst in die USA zurückgeholt, weitere 5600 in andere Nato-Länder verlegt werden. Neben Spangdahlem in Rheinland-Pfalz sind das bayerische Vilseck am Truppenübungsplatz Grafenwöhr und die beiden Kommandozentralen für Europa und Afrika in Stuttgart betroffen.

Die 480. Kampfstaffel und Teile des 52. Jagdgeschwaders sollen nach Angaben der Air Base Spangdahlem nach Italien verlegt werden. "Die Mission hier endet nicht mit dem Umzug der Flugstaffel oder anderer Einheiten, die von diesem Richtungswechsel betroffen sein könnten", sagte Epperson. "Die Mehrheit der Luftwaffenangehörigen, die dem 52. Jagdgeschwader zugeordnet sind, unterstützt diese Aspekte der Mission und wird nicht von Spangdahlem umziehen."

Manfred Weber: "Wir Europäer müssen endlich erwachsen werden"

Die Landesregierung reagierte positiv. "Eine so deutliche Bestätigung zum Erhalt der Air Base wie sie nun aus Spangdahlem kommt, nur drei Tage nachdem die Spitze in Washington die Abzugspläne bekannt gibt, betont mit Nachdruck die hohe Güte und Bedeutung des Standortes", sagte Landesinnenminister Roger Lewentz. Die Äußerungen aus Washington hätten die Region schwer verunsichert.

Zur Airbase gehören laut US-Luftwaffe rund 4000 US-Soldaten. Der Stützpunkt ist auch Arbeitgeber für etwa 800 deutsche Zivilbeschäftigte. Lewentz verwies darauf, dass die Amerikaner in den vergangenen 15 Jahren weit mehr als 400 Millionen US-Dollar in den Standort Spangdahlem gesteckt hätten. Gerade seien eine Middle- und eine Highschool für etwa 87 Millionen Dollar fertiggestellt worden.

Der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, reagierte auf die Abzugspläne mit dem Aufruf zum Aufbau einer unabhängigen Verteidigung durch die EU. "Europa muss jetzt endlich konkret werden. Der Aufbau einer europäischen Einsatztruppe, die unter EU-Kommando steht, muss angepackt werden", sagte der CSU-Vize den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir Europäer müssen endlich erwachsen werden."

Manfred Weber: "Wir Europäer müssen endlich erwachsen werden"

Manfred Weber: "Wir Europäer müssen endlich erwachsen werden"

Foto: Harald Tittel/ DPA

Der deutsche Parlamentsvorbehalt könne dabei als Vorbild für Europa gelten, schlug Weber vor. "Die EU-Truppen sollten nur in den Einsatz gehen, wenn das Europäische Parlament dafür grünes Licht gibt." Die USA würden unabhängig vom Ausgang der Präsidentschaftswahl nicht als Weltpolizist zurückkommen, sagte Weber weiter. "Und es ist ja eine berechtigte Kritik, dass wir Europäer uns zu wenig Gedanken über unsere Verteidigung gemacht haben."

apr/AFP/dpa
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