Grüne Joschka Fischer kehrt zurück - ein bisschen

Sechs Jahre lang hat Joschka Fischer sich nicht öffentlich bei den Grünen gezeigt - nun tritt er bei einer Veranstaltung der Bundestagsfraktion auf. Nach dem Abgang der alten Garde träumt mancher in der Partei von einer größeren Rolle für den Ex-Zampano.

Ex-Außenminister Fischer: Erster Auftritt bei den Grünen seit Jahren
DPA

Ex-Außenminister Fischer: Erster Auftritt bei den Grünen seit Jahren

Von


Berlin - Wie gut, dass Lakhdar Brahimi dieser Tage in Berlin weilt. Der Uno-Sondergesandte für Syrien ist eine große Nummer im diplomatischen Geschäft - und ein Freund von Joschka Fischer, dem früheren Bundesaußenminister. Und so fügt es sich scheinbar mühelos, dass Brahimi und Fischer am Donnerstagabend miteinander eine Podiumsdebatte der Grünen-Bundestagsfraktion zur Lage in Syrien bestreiten werden.

Fischer bei den Grünen? Eines ist klar: Von mühelos kann hier nicht die Rede sein.

Über sechs Jahre ist es her, dass Fischer, 65, das letzte Mal auf einer Grünen-Veranstaltung gesehen wurde. Im Januar 2008 war das, damals trat er mit Tarek Al-Wazir im hessischen Landtagswahlkampf auf. Seitdem hielt sich Fischer fern von seiner Partei - oder die Grünen von ihm. Man konnte das nie so recht auseinanderhalten. Nicht einmal bei der 30-Jahr-Feier der Bundestagsfraktion, die Fischer einst angeführt hatte, tauchte er im vergangenen März auf.

Deshalb ist der Fraktions-Termin am Donnerstagabend ein Riesenereignis. Und sicherlich ein Zeichen dafür, dass sich da etwas lockert zwischen Fischer und seiner Partei. Entscheidend natürlich: Die alte Garde um Jürgen Trittin und Renate Künast ist weg. Besonders die Alphatiere Trittin und Fischer sahen sich immer als Konkurrenten. Nun wird die Fraktion von anderen geführt - und prompt scheinen sich beide Seiten zu bewegen: In den vergangenen Wochen gab es mehrere Treffen von führenden Grünen mit ihrem ehemaligen Zampano, Fischer wiederum hat sich mit Leuten unterhalten, die er bisher nicht persönlich kannte.

Parteimanager Kellner besuchte Fischer

Am bemerkenswertesten war sicherlich der Besuch des neuen Bundesgeschäftsführers Michael Kellner beim ehemaligen Ober-Realo Fischer. Kellner gehört zu den Parteilinken, aber er ist alles andere als ein Flügel-Kämpfer. Und der Parteimanager gehört zu einer Generation, die mit den Kämpfen und Eitelkeiten der Gründungs-Grünen wenig anfangen kann. "Wir brauchen als jüngere Partei einen entspannteren Umgang mit prägenden Figuren der grünen Geschichte", sagt Kellner.

Andere Parteien stellen selbst ihre umstrittenen Altvorderen bei Bedarf auf den Sockel, die SPD tut das mit ihrem Agenda-2010-Kanzler Gerhard Schröder genauso wie die CDU mit Helmut Kohl. Dagegen hat sich Joschka Fischer, der 2005 nach dem Ende von Rot-Grün einen klaren Schnitt machte und dann als Unternehmer und Berater reüssierte, eigentlich wenig zuschulden kommen lassen. Aber Fischer spielte bei den Grünen in den vergangenen Jahren einfach gar keine Rolle.

Das soll sich nun ändern - dafür könnte der Auftritt des ehemaligen Vizekanzlers am Donnerstag ein Anfang sein. Doch die plötzlich wieder rasant anwachsende Gruppe der Fischer-Fans bei den Grünen sollte sich möglicherweise nicht zu viele Hoffnungen machen, dass da noch viel folgen wird. Er könnte ja auch im Europa-Wahlkampf auftreten, ist beispielsweise zu hören, zumal Fischers Firma bei der Grünen-Kampagne mitmischt. Der selbsternannte letzte Rock'n'Roller der deutschen Politik würde den Grünen doch nur guttun, glauben seine Anhänger, da sich die Partei im Angesicht der übermächtigen Großen Koalition etwas dahin schleppt.

Fischer will nicht mehr auf die Parteibühne

Aber: Fischer möchte nichts mehr mit Parteipolitik zu tun haben. Deshalb kommt ihm der Brahimi-Besuch so gelegen - Krisen, große weite Welt, Fischers Welt.

Oder will er vielleicht nur noch ein bisschen mehr gebeten werden?

"Für mich als grüner Außenpolitiker - und als Hesse - ist es eine Selbstverständlichkeit, Joschka zu den großen Debatten unserer Zeit einzuladen", sagt der Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour, der die Brahimi-Fischer-Veranstaltung initiiert hat. Er rückte 2005 für den Ex-Außenminister ins Parlament nach und hat sich immer zu seinem Idol bekannt. Und auch Parteichef Cem Özdemir gehört zu den wenigen, die in den vergangenen Jahren Kontakt zu Fischer hielten. "Ich freue mich über diesen Auftritt", sagt Özdemir.

Mit Überraschung dürfte Fischer dagegen wahrnehmen, wer sich plötzlich sonst noch so um ihn bemüht. Eigentlich sollte seine alte Bekannte Claudia Roth, inzwischen Bundestags-Vizepräsidentin, am Donnerstag die Begrüßung bei der Syrien-Debatte übernehmen - aber nun hat Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt einen anderen Termin abgesagt, um ebenfalls dabei zu sein und gemeinsam mit Roth die Gäste willkommen zu heißen. Göring-Eckardt und Fischer wurde in der Vergangenheit ebenfalls ein ziemlich kompliziertes Verhältnis nachgesagt. Aber auch die Fraktionschefin soll in den vergangenen Wochen bereits den Kontakt zu ihm gesucht haben.

Die Zahl der Anmeldungen für Donnerstag ist enorm, heißt es aus der Fraktion. Alle wollen Fischer sehen. Wer weiß, wie lange es bis zu seinem nächsten Auftritt dauern wird.

insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
logabjörk 26.02.2014
1. den will doch keiner mehr sehn
und die Grünen wollen den auch nimmer. Der hat sich disqualifiziert mit seinem Reichtum. Ist ja auch schon im Rentenalter. Soll daheimbleiben und sein Geld ausgeben.
Tilted_Arc 26.02.2014
2. optional
Oh bitte nicht. Lasst Joschka da, wo er ist. Sicher ist Frührentnern manchmal langweilig - aber da gibt es doch Möglichkeiten: spazierengehen, Seniorenturnen, Volkshochschule oder auf die Enkel aufpassen. Besserwisser, die sich für Avantgarde halten tummeln sich schon genug in der Politik ...
glen13 26.02.2014
3.
Zitat von sysopDPASechs Jahre lang hat Joschka Fischer sich nicht öffentlich bei den Grünen gezeigt - nun tritt er bei einer Veranstaltung der Bundestagsfraktion auf. Nach dem Abgang der alten Garde träumt mancher in der Partei von einer größeren Rolle für den Ex-Zampano. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/joschka-fischer-tritt-wieder-bei-den-gruenen-auf-a-955816.html
Fischer ist so grün wie Seehofer. Wie verzweifelt müssen die Grünen sein?
Gerixxx 26.02.2014
4. Hedgefonds Advisor back in town...(2.Versuch - Zensur ?)
Zitat von sysopDPASechs Jahre lang hat Joschka Fischer sich nicht öffentlich bei den Grünen gezeigt - nun tritt er bei einer Veranstaltung der Bundestagsfraktion auf. Nach dem Abgang der alten Garde träumt mancher in der Partei von einer größeren Rolle für den Ex-Zampano. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/joschka-fischer-tritt-wieder-bei-den-gruenen-auf-a-955816.html
Der Hedgefonds-Berater und bezahlte Werbeträger Fischer von heute hat mit dem geradlinigen, um Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit bemühten Joschka von damals ungefähr so viel gemein wie Integrität mit korrumpierter Dekadenz… Einfach nur sehr, sehr traurig….
mordskater 26.02.2014
5.
Zitat von logabjörkund die Grünen wollen den auch nimmer. Der hat sich disqualifiziert mit seinem Reichtum. Ist ja auch schon im Rentenalter. Soll daheimbleiben und sein Geld ausgeben.
Nicht sein Reichtum ist das Problem, sondern sein Verrat an der Friedensbewegung! Ich kenne Fischer persönlich, aus einer Zeit als die Grünen noch in der Gründungsphase waren. Ich habe mit ihm in einer Offenbacher WG genächtigt und ihn davon abgehalten den Besatz eines Aquariums mit einer Flasche Wodka zu "beglücken". Schon damals schien mir Joschka als ziemlich arrogant und nur nach seiner Karriere schielend.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.