JU-Chefin klagt CDU immer noch viel zu alt

Die Bundesvorsitzende der Jungen Union, Hildegard Müller, fordert eine stärkere Verjüngung der CDU. Es reiche nicht aus, nur zwei Köpfe an der Partei- und Fraktionsspitze auszutauschen: "Es sind immer noch zu wenig Junge in verantwortlichen Positionen in der Partei", klagt Müller im Interview mit SPIEGEL ONLINE.


SPIEGEL ONLINE:

Wer ist denn künftig die "Junge" Union, die unter Ihrer Führung oder die CDU unter Frau Merkel?

Müller: Eine jüngere CDU macht noch keine Junge Union. Bei der Jungen Union sind Name und Programmatik eine Einheit. Wir werden immer frischer, frecher und zukunftsorientierter sein. Das liegt in der Natur der Sache. Wir unterstützen Angela Merkel auch, weil sie junge Ansichten hat. Die muss sie jetzt durchsetzen.

SPIEGEL ONLINE: Sie hatten bereits 1998 für eine deutliche Verjüngung der CDU-Spitze gekämpft. Ist sie Ihnen jetzt jung genug?

Hildegard Müller
DPA

Hildegard Müller

Müller: Die Junge Union hatte damals viel angedacht, was die CDU jetzt nachvollzieht. Aber die Reform greift zu kurz, wenn wir jetzt nur zwei Köpfe in der Partei- und Fraktionsspitze austauschen würden. Wir brauchen den klassischen Dreisprung: Neue Köpfe, mehr innerparteiliche Demokratie und wieder mehr Programmarbeit.

SPIEGEL ONLINE: Wer repräsentiert das?

Müller: Wichtig ist die Mischung. Es sind immer noch zu wenig Junge in verantwortlichen Positionen in der Parteispitze. Die Junge Union hat bewiesen in den letzten Monaten, dass sie sehr engagiert für die Zukunft der Partei arbeitet und deshalb auch dementsprechend beteiligt werden sollte. Wir treten jedenfalls mit fünf Kandidaten für den Bundesvorstand an.

SPIEGEL ONLINE: Der "Junge Wilde" Christian Wulff will nicht Generalsekretär werden. Nun ist Norbert Lammert im Gespräch. Ist das schon wieder die Rückkehr zum alte Proporzdenken, weil Lammert mit Nordrhein-Westfalen den stärksten Landesverband im Rücken hat?

Müller: Das spielt keine Rolle. Die Frage des Proporzes ist bei der Wahl des Generalsekretärs am unbedeutendesten. Diese These, der Generalsekretär müsse männlich, katholisch und aus dem Westen sein, geht völlig fehl. Wir brauchen einen Generalsekretär, der den Veränderungsprozess in der CDU auch programmatisch vorantreibt. Aus welchem Landesverband er kommt, ist für mich zweitrangig.

SPIEGEL ONLINE: Ein Vorwurf gegenüber Angela Merkel lautet, sie stehe für nichts. Können Sie uns helfen: Wofür steht die kommende Vorsitzende der CDU?

Müller: Der Vorwurf ist Unsinn. Sie war eine sehr engagierte Umweltministerin mit guten Konzepten. Sie hat das Europawahlprogramm der CDU mitbestimmt, die neue Familienpolitik geprägt und in der Sozialstaatskommission Akzente gesetzt. Sie ist sehr in den Themen verhaftet.

SPIEGEL ONLINE: Wird sich der Führungsstil in der Union ändern?

Müller: Angela Merkel wird mit ihrer Offenheit auch eine neue Diskussionskultur etablieren.

SPIEGEL ONLINE: Wird diese Offenheit die CDU für eine Kanzlerkandidatin Merkel einnehmen?

Müller: Die Diskussion steht nicht auf der Tagesordnung

SPIEGEL ONLINE: Wie gehen Sie mit dem 70. Geburtstag Ihres ehemaligen Ehrenvorsitzenden um?

Müller: Wie mit jedem anderen Geburtstag auch. Ich werde eine Glückwunsch-Karte schreiben und ihm alles Gute wünschen.

Das Interview führte Markus Deggerich



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