Nazi-Verbrechen Juden in Thessaloniki fordern Entschädigung von Deutschland

Während der deutschen Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg versklavten die Nazis die jüdische Bevölkerung. Mit einer Lösegeldzahlung kaufte die jüdische Gemeinde Thessalonikis 9000 Männer aus der Zwangsarbeit frei. Nun fordert sie Entschädigung von der Bundesrepublik.
Gemeindechef Saltiel (m.): Es geht um umgerechnet etwa 45 Millionen Euro

Gemeindechef Saltiel (m.): Es geht um umgerechnet etwa 45 Millionen Euro

Foto: SAKIS MITROLIDIS/ AFP

Thessaloniki - Die jüdische Gemeinde im griechischen Thessaloniki verlangt von Deutschland Entschädigungszahlungen wegen Nazi-Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs. Nachdem sich die griechische Justiz für nicht zuständig erklärt habe, werde nun versucht, die Forderungen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte durchzusetzen, hieß es in einer Mitteilung vom Dienstag.

"Es ist das Ende eines langen Prozesses", sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, David Saltiel. "Wir hoffen, dass der Menschenrechtshof uns dabei hilft, an das Lösegeld zu kommen, das die jüdische Gemeinde an Deutschland zahlen musste." Die erforderlichen Unterlagen seien am Freitag nach Straßburg geschickt worden.

Saltiel argumentiert, dass die Gemeinde 1943 2,5 Millionen Drachmen an Max Merten, den damaligen Regionalkommandanten von Thessaloniki zahlen musste, um die 9000 jüdischen Männer zwischen 18 und 45 aus der Zwangsarbeit zu befreien. Ein Jahr zuvor hatten die Nazis die Kontrolle über die Küstenstadt übernommen. Umgerechnet entspreche das Lösegeld einem heutigen Wert von 45 Millionen Euro. Er hoffe, dass das Thema auch beim Griechenland-Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck Anfang März zur Sprache komme, sagte Saltiel.

Nur 2000 Juden aus Thessaloniki überlebten den Holocaust

Etwa 10.000 jüdische Männer in Thessaloniki waren nach Saltiels Angaben von den Nazis zur Arbeit an Straßen und Bahnstrecken im ganzen Land gezwungen worden. Wegen der zahlreichen Todesfälle in den ersten zwei Monaten entschied sich die Gemeinde damals, ein Lösegeld zu zahlen, um die Männer zu befreien.

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in der multikulturellen Stadt im Norden Griechenlands mehr als 50.000 jüdische Einwohner. Weniger als 2000 von ihnen überlebten den Holocaust. Heute zählt die jüdische Gemeinde in Thessaloniki nur noch 1500 Mitglieder.

Griechenland hatte von Deutschland bereits mehrfach Entschädigungen wegen der Nazi-Kriegsverbrechen gefordert. Die Bundesregierung pochte jedoch stets darauf, dass die Frage der Reparationen im November 1945 durch internationale Abkommen geregelt worden sei.

syd/AFP
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