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04. Oktober 2018, 17:21 Uhr

"Rassistisch und antisemitisch"

Jüdische Organisationen warnen vor geplanter Vereinigung "Juden in der AfD"

Die AfD will einen Arbeitskreis für jüdische Parteimitglieder gründen - und erntet harsche Kritik von jüdischen Organisationen. Die Partei sei eine Gefahr für das Leben der Juden in Deutschland, heißt es in einem Schreiben.

Mehrere große jüdische Organisationen in Deutschland haben dazu aufgerufen, sich gegen die AfD zu engagieren. "Kein Bürger dieses Landes, dem unsere Demokratie am Herzen liegt, kann sich mit dieser Partei identifizieren", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung unter dem Titel "Keine Alternative für Juden".

17 Organisationen haben die Erklärung mitverfasst. Sie ist eine Reaktion auf die Ankündigung der AfD, einen Arbeitskreis für Juden gründen zu wollen. "Die AfD ist antidemokratisch, menschenverachtend und in weiten Teilen rechtsradikal", heißt es in dem Schreiben. Sie charakterisieren die AfD als "Partei, in der Judenhass und die Relativierung bis zur Leugnung der Schoa ein Zuhause haben". Die Partei sei ein Fall für den Verfassungsschutz, keinesfalls aber für Juden in Deutschland, schreiben die Organisationen, darunter der Zentralrat der Juden. Die AfD sei in Wahrheit eine Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland.

In der Erklärung wird auch kritisiert, dass die AfD versuche, Muslime als Feinde der Juden dazustellen. Man lasse sich aber nicht instrumentalisieren. "Die Feinde aller Demokraten in diesem Land sind Extremisten, egal ob aus rechtsextremer, linksradikaler oder radikal-muslimischer Gesinnung heraus." Die AfD radikalisiere sich zunehmend und schrecke auch nicht davor zurück "Geschichte umzuschreiben".

Merkel ruft zu Kampf gegen Antisemitismus auf

In Jerusalem rief Kanzlerin Angela Merkel zu einem verstärkten Kampf gegen Antisemitismus auf. Dass jüdische Einrichtungen in Deutschland nach wie vor Polizeischutz brauchen, zeige, dass der Kampf gegen Antisemitismus weitergehen müsse, sagte sie. "Tun müssen wir das in Deutschland selbst."

Sowohl Merkel als auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu betonten, dass es neben dem alten Antisemitismus von rechts auch einen neuen gebe, etwa durch radikale Migranten aus arabischen Ländern. Netanyahu würdigte ausdrücklich Merkels Einsatz gegen Antisemitismus.

Merkel hatte in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem an die deutsche historische Verantwortung erinnert. "Daraus erwächst die immerwährende Verantwortung Deutschlands, an dieses Verbrechen zu erinnern und Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt entgegenzutreten", sagte sie.

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mho/dpa

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