Winterzeit Jugendherbergen wollen Tausende Flüchtlinge unterbringen

Das Jugendherbergswerk reagiert auf die Wohnungsnot bei Flüchtlingen. Ab Oktober wollen die ersten Häuser ihre Zimmer Zuwanderern zur Verfügung stellen. In einem ersten Durchgang sollen 3800 Menschen bedacht werden.

Jugendherberge Berlin International: Reaktion auf den Bedarf der Kommunen
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Jugendherberge Berlin International: Reaktion auf den Bedarf der Kommunen


Es wird zu kalt für die in Zelten untergebrachten Flüchtlinge in Deutschland, zugleich ist die Hauptreisezeit vorbei - zwei Dinge, die gut zusammenpassen, findet das Deutsche Jugendherbergswerk und bietet nun Tausenden Flüchtlingen eine Unterkunft an.

Ab dem 1. Oktober könnten allein in den fünf Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Bremen insgesamt rund 3800 Flüchtlinge vorübergehend in Jugendherbergen wohnen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerks, Bernd Dohn. Die Herbergen wollen damit verhindern, dass Menschen im Winter weiter in Zelten leben müssen.

Derzeit hätten unter anderem schon die Häuser in Bremen und Zeven (Niedersachsen) Asylsuchende aufgenommen. Vorübergehend hatten auch schon in der Jugendherberge Burg Stargard in Mecklenburg-Vorpommern 30 syrische Flüchtlinge gewohnt.

"Bislang reagieren wir auf den sehr dringenden Bedarf der Kommunen und Landkreise. Jede Anfrage wird auf Machbarkeit geprüft. Das beugt auch möglichen Interessenkonflikten mit anderen Gästen vor", betonte Dohn. Die Belegung sei so organisiert, dass einzelne Häuser komplett frei würden, um Flüchtlinge aufzunehmen. "Wir haben andere Gäste einvernehmlich umgebucht und keine neuen Reservierungen mehr angenommen. Viele hatten dafür volles Verständnis", schilderte der Hauptgeschäftsführer. Zudem sei weiteres Personal eingestellt worden.

Gesamtgesellschaftliche Verantwortung

Die Flüchtlinge könnten bis Ende Januar in den Jugendherbergen wohnen. Wenn unbegleitete Jugendliche kämen, würden sie rund um die Uhr beaufsichtigt und betreut. Das Deutsche Jugendherbergswerk stehe zu der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, Menschen in Not zu helfen. Dabei solle aber die eigentliche Aufgabe, preiswerte Übernachtung für in erster Linie jugendliche Gäste überall in Deutschland anzubieten, nicht vernachlässigt werden. Deutschlandweit gibt es nach Angaben des Jugendherbergswerks mehr als 500 Häuser.

Vor wenigen Wochen hatte der Landesverband Hessen des Deutschen Jugendherbergswerks erklärt, dass Möglichkeiten zur Aufnahme von Flüchtlingen bereits geprüft würden und Ergebnisse bis Mitte Oktober vorliegen sollen. "Es geht um die Wintermonate, um die Menschen aus den Zelten zu holen", sagte der Vorstandsvorsitzende des hessischen Landesverbandes, Bob Tode. Er rechnete damit, dass im Herbst Anfragen der Landräte kommen werden. Extra Platz gemacht werde aber nicht, vielmehr würden freie Kapazitäten genutzt.

Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern hat ebenfalls Bereitschaft erklärt zu helfen. "Wo andere Bundesländer Zeltstädte errichten, hat Mecklenburg-Vorpommern die Chance, die Flüchtlinge in ansprechenden Unterkünften unterzubringen", sagte Vorstandschefin Karen Löhnert Anfang September. Mit der Winterschließzeit von zehn Jugendherbergen stünden im Nordosten Deutschlands weitere Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung. Es gehe um Kapazitäten für bis zu 1550 Flüchtlinge, hieß es. Zum 31. Oktober schließen die Herbergen in Prora, Sellin, Born, Mirow, Zingst, Zielow, Barth, Ueckermünde und Dahmen.

Kauder: Einheitliche Leistungen für Asylbewerber in Europa

Unionsfraktionschef Volker Kauder plädiert derweil für eine Angleichung des Asylrechts in Europa. "Wir brauchen ein noch stärker vereinheitlichtes europäisches Asylrecht und damit auch ein möglichst gleiches europäisches Leistungsniveau für Asylbewerber", sagte Kauder den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Flüchtlinge erhielten in Deutschland relativ hohe Sozialleistungen. "Wir dürfen uns nicht wundern, wenn die Menschen dorthin gehen, wo die Bedingungen momentan am besten sind", sagte der CDU-Politiker. Das deutsche Niveau dürfte nicht zum europäischen Standard werden, ergänzte er.

Kauder zeigte sich zugleich offen für den Vorschlag von Innenminister Thomas de Maizière (CDU), Obergrenzen für Asylbewerber in Europa einzuführen. "Wir stehen erst am Anfang der Diskussion, wozu auch die Frage nach Flüchtlingskontingenten zählt", sagte der Fraktionschef. Er sprach allerdings von einem sehr schwierigen Vorhaben, das nicht schnell umzusetzen wäre.

yes/dpa



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