Jugoslawische Armee Anklage gegen festgenommene OSZE-Mitarbeiter beantragt

Trotz heftiger internationaler Proteste an der Festnahme von zwei OSZE-Mitarbeitern hat die jugoslawische Armee die beiden Briten und zwei Kanadier an ein Belgrader Militärgericht überstellt.


Von der jugoslawischen Armee festgenommen: Die beiden Briten Adrian Michael Prandnel (o.r.) und John Connon Bradley (u. l..). Und die beiden Kanadier: Shuan Gerald Going (o. l.) und Liam Patrick Hall (u. r.)
REUTERS

Von der jugoslawischen Armee festgenommen: Die beiden Briten Adrian Michael Prandnel (o.r.) und John Connon Bradley (u. l..). Und die beiden Kanadier: Shuan Gerald Going (o. l.) und Liam Patrick Hall (u. r.)

Belgrad - Die Klage umfasse vier Vorwürfe: Verstoß gegen die Souveränität Jugoslawiens, Einschleusung bewaffneter Gruppen, Waffen und Munition sowie versuchter Terrorismus und die Nötigung von Armeeangehörigen. Im Fall ihrer Verurteilung drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft. Das Militärgericht wird nun die Einleitung von Ermittlungen prüfen, die zu einer Anklage führen können.

Die vier Männer waren am Dienstag vergangener Woche im Grenzgebiet zwischen Montenegro und dem Kosovo festgenommen worden. Die Briten sind im Kosovo für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die Kanadier für eine Hilfsorganisation tätig. Die jugoslawische Armee hatte mitgeteilt, die vier Männer hätten bei ihrer Festnahme Militärausrüstung und Sprengmaterial bei sich gehabt.

Der jugoslawische Gesandte in Großbritannien, Rade Drobac, wurde am Dienstag erneut in das britische Außenministerium einbestellt. Drobac sagte, der Fall liege in der Hand des zuständigen Richters, der nach Recht und Gesetz entscheiden werde. Die Anklage gegen die Männer werde nach den in wenigen Tagen abgeschlossenen Ermittlungen offiziell erhoben werden. Dann könnten die Männer Kontakt zu ihren Familien und den britischen Behörden aufnehmen.

Das britische Außenministerium hat gegen das Vorgehen der jugoslawischen Behörden protestiert. Insbesondere richtete sich die Kritik dagegen, dass die britische Regierung nicht offiziell von den Festnahmen unterrichtet wurde. Für die Vorwürfe gebe es keinerlei Grundlage, hieß es.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.