Liberaler Abgang Juli-Chef Becker gibt verbittert auf

Die FDP sortiert sich auch beim Nachwuchs neu. Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker, wird sein Amt niederlegen. In einer Erklärung wirft er seinen Mitstreitern persönliche Angriffe vor - Beleidigungen, Verletzungen und Unterstellungen setzten jedem zu.

FDP-Bundesvorsitzender Becker: "Beleidigungen, Verletzungen und Unterstellungen setzen jedem zu"
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FDP-Bundesvorsitzender Becker: "Beleidigungen, Verletzungen und Unterstellungen setzen jedem zu"

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Berlin - Lasse Becker tat meist das, was einer Jugendorganisation eigen ist: Er kritisierte die Parteispitze, wenn es ihm opportun erschien. Das machte ihn nicht beliebt, und mancher in der FDP wünschte sich eine ruhigere Tonart. Nach der Wahl, der mit dem erstmaligen Rauswurf der FDP aus dem Bundestag endete, ging er am schärfsten mit der Wahlkampagne der Parteiführung ins Gericht. "Das Einzige, was die FDP noch hätte schlimmer machen können, wäre gewesen, Hundewelpen aufs Plakat zu machen mit der Aufforderung: 'Bitte, bitte, wählt uns.'"

Nun, knapp drei Wochen nach der Bundestagswahl, zieht er sich von der Spitze der Jungen Liberalen (Julis) zurück. Und das in einem verbitterten und enttäuschten Tonfall, wie seiner Presseerklärung zu entnehmen ist.

Er habe feststellen müssen, "dass bei vielen Diskussionen der letzten Wochen prinzipiell mancher Kommentar von mir, weil er von mir kam, doppelt und dreifach kritisch vom eigenen Verband durchleuchtet wurde. Das ist keine gesunde Grundlage für einen gemeinsamen Gestaltungsanspruch, den wir innerhalb der FDP jetzt vielleicht mehr als jemals zuvor deutlich machen müssen". Weiter schreibt der 30-Jährige, der in Hessen beheimatet ist und sich dort nun verstärkt im FDP-Landesverband engagieren will: "Manches wurde mit Sicherheit zu Recht kritisiert, manches auch zu Unrecht. Klar ist aber für mich: Es ist nicht gut, wenn Funktionsträger prinzipiell ihrem Vorsitzenden misstrauen."

Becker hatte den Nachwuchsverband der FDP, der rund 9500 Mitglieder zählt, seit 2010 geführt. Bei seiner Wiederwahl im Frühjahr war er im ersten Wahlgang durchgefallen und hatte erst im zweiten Wahlgang knapp 75 Prozent der Stimmen erhalten. Auf dem kommenden Juli-Bundeskongress im November in Düsseldorf wird er sein Amt niederlegen.

Über sich selbst und die Angriffe gegen ihn schrieb er am Mittwoch: "Viel Kritik speist sich aus Urteilen, manche auch aus Vorurteilen, und ich war mit Sicherheit nicht immer gerade der kompromisssuchendste aller Julis. Viele Julis haben mir gesagt, dass man mir meine Emotionen häufig nicht ansieht. Ich kann Euch aber sagen, und das wissen meine Freunde: Sie sind da - und Beleidigungen, Verletzungen und Unterstellungen setzen jedem zu und in dieser persönlichen Heftigkeit noch mehr."

Aus drei Gründen - dem notwendigen und überfälligen Generationenwechsel an der Spitze der Julis, der Chance einer unbelasteten Führung der Jungen Liberalen, aber auch dem Persönlichen - habe er sich entschieden, in Düsseldorf zurückzutreten.

FDP-Vize Lindner gibt alles für 2017

Unterdessen kündigte der voraussichtlich neue Vorsitzende der FDP, Christian Lindner, gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit" an, sein persönliches politisches Schicksal mit der Rückkehr seiner Partei in den Bundestag zu verknüpfen. Der 34-Jährige, der Anfang Dezember in Berlin auf einem außerordentlichen Bundesparteitag zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt werden soll, will 2017 aus der Politik ausscheiden, sollte seine Partei erneut an der Fünfprozenthürde scheitern. Seine Absicht machte er nun in einem Interview öffentlich.

"Wenn ich die FDP 2017 zurück in den Bundestag führe, bleibe ich Politiker. Sonst nicht", erklärte er. Seine Bewerbung um den Parteivorsitz sei "eine ganz persönliche Mission". Auf die Frage, ob für ihn mit der Politik endgültig Schluss sei, wenn die FDP in vier Jahren nicht die Rückkehr in den Bundestag schafft, entgegnete Lindner: "Ja. Ich will mich jetzt mit aller Kraft und Konsequenz dieser Aufgabe stellen." Bei der kommenden Bundestagswahl "entscheiden die Wähler daher auch über meine politische Zukunft".

Lindner warnte seine Partei vor einer Annäherung an den Kurs der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD). Die FDP müsse eine "offensive Auseinandersetzung" mit der AfD führen. "Die können wir auf ihrem eigenen Feld schlagen, denn deren vage Vorstellungen von Euro-Austritten und Parallelwährungen würden in ein finanzielles Desaster führen."

Mit dpa



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felsen2000 16.10.2013
1. Lindner hat es nicht verstanden
1. Die FDP-Wähler interessiert es exakt gar nicht, was mit ihm persönlich passiert. Bereits die Formulierung "Bitte, bitte lieber Wähler, ich will meinen Job behalten, wählt doch die FDP, damit ich wieder glücklich bin" ist eine Frechheit und ein Grund mehr, die FDP nicht zu wählen. Mir geht es einzig und allein um INHALTE, INHALTE, INHALTE. Alles andere ist wurscht. Außerdem gibt es in der FDP mit dem liberalen Aufbruch um Schaeffler herum knapp 50% der Parteimitglieder die sehr wohl die AfD im Punkt des Vertragsbruchs bei den EU-Verträgen nahestehen. Mag sein, dass es bei den Lösungsvorschlägen leichte Unterschiede gibt, aber bei der Problembeschreibung ist die Gruppe um Schaeffler zum gleichen Ergebnis gekommen. Ich glaube, Linder wird der endgültige Sargnagel sein. Schade um die FDP. Schande über Lindner!
taubenvergifter 16.10.2013
2.
"Beleidigungen, Verletzungen und Unterstellungen " Ist das nicht die Art Umgang, die die FDP mit den Schwächsten der Gesellschaft pflegt?
warndtbewohner 16.10.2013
3. Irrlicht
der Mann kann zwar gut reden aber das war es. Aber was ich viel bedenklicher halte ist dass er und Kubiki die FDP auf einen sozialliberalen Kurs trimmen wollen. Da ist aber fuer die FDP nicht so viel zu holen weil links schon alles besetzt ist. Die AFD ist da schon intelligenter indem sie sich eher nationalliberal orientiert wenn ich das richtig verstehe. Da ist eher was zu holen als bei der alten FDP, die immer noch nicht weiß wie die Zeichen der Zeit stehen...
einwerfer 16.10.2013
4. Und schon wieder
ein Beitrag über diese 'Splitterpartei'. Mit dieser medialen Rückendeckung dürften sie dann 2017 auch wieder an die Tröge zurückkehren.
kabian 16.10.2013
5. Wie konnte die FDP so lange überleben?
Die FDP ist eben eine Partei mit opportunistischen Einzelkämpfern, und die suchen jetzt ihr Glück. Auch ihr Vorsitzender, Christian Lindner ist keine Ausnahme. Wenn also die FDP die 5%-Hürde nicht schafft wird er für sie nicht mehr arbeiten. So wichtig scheint die FDP also nicht zu sein. Da haben die Republikaner und die NPD ja einen längeren Atem, erstaunlich. Bei der FDP spielen Lobbyismus, Karriere, und gute Posten eine extrem wichtige Rolle. Liberalismus wird nicht unbedingt mit Idealismus in Verbindung gebracht, sondern eher mit dem eigenen Geldbeutel. Nun kann ich die Frage in meiner Überschrift beantworten: Wie konnte die FDP so lange überleben? Durch Vitamin B und Lobbyismus.
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