Lange Wege in Drittstaaten Klöckner entdeckt ihr Herz für Rinder im Transporter

Tagelang auf engstem Raum bei hohen Temperaturen: Zehntausende Tiere werden jährlich in weit entfernte Länder gebracht. Eine neue Initiative dreier EU-Länder könnte das künftig verbieten.
Julia Klöckner (CDU), Bundeslandwirtschaftsministerin, streichelt beim Besuch eines Milchviehbetriebs ein neugeborenes Kalb (Archiv)

Julia Klöckner (CDU), Bundeslandwirtschaftsministerin, streichelt beim Besuch eines Milchviehbetriebs ein neugeborenes Kalb (Archiv)

Foto: Thomas Frey / picture alliance / Thomas Frey/dpa

Viele Rinder, Schweine und Hühner haben schon als Nutztiere in Deutschland kein gutes Leben. Doch einige von ihnen werden sogar über mehrere Tage in Staaten gebracht, die weit weg liegen – zum Beispiel nach Russland, Ägypten, Aserbaidschan oder die Türkei. Bei dem tagelangen Transport stehen die Tiere eng zusammengepfercht in Lastwagen und werden oft nicht ausreichend versorgt. Außerdem deckten Journalisten und Tierschützer in der Vergangenheit immer wieder auf, dass die Transportzeiten überschritten wurden. Rinder standen dann mehr als 30 Stunden lang ohne Pause und bei hohen Temperaturen im Transporter.

In Deutschland haben bereits einige Bundesländer Beschränkungen oder Verbote erlassen, zum Beispiel Schleswig-Holstein. Das Bundesagrarministerium hat Tiertransporte in so weit entfernte Länder trotz jahrelanger Kritik von Tierschutzverbänden aber nicht verboten. Das könnte sich jetzt ändern.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will bei einem Treffen der EU-Agrarministerinnen und -minister gemeinsam mit den Niederlanden und Luxemburg einen Vorschlag für ein Verbot einbringen. Vor allem Marokko, die Türkei, Russland, der Nahe Osten und Asien stehen dabei im Fokus.

»Tierschutz darf nicht an den EU-Grenzen haltmachen«, sagte Klöckner. Bei Transporten in weiter entfernte Länder kann nicht absolut garantiert werden, dass Tierschutzvorgaben eingehalten werden, wie die Ministerin mitteilte.

Verbote für Lastwagen und Schiffe

Deshalb fordere man nun die EU-Kommission auf, EU-weite Regeln auszuarbeiten, um lange Tiertransporte in Drittländer auf der Straße und per Schiff zu verbieten. Zudem müsse die Kommission bis zu einem Verbot für kurzfristige Verbesserungen sorgen.

Die Tiere, die in andere Staaten der EU gebracht werden, werden dort entweder geschlachtet oder als Zuchttiere genutzt. Laut der amtlichen Statistik wurden im Rekordjahr 2017 aus Deutschland 79.103 Rinder als Zuchttiere in Nicht-EU-Länder verkauft, aber nur 64 als Schlachttiere. Hauptabnehmer war mit mehr als 30.000 Tieren die Türkei, gefolgt von Russland und Usbekistan.

Tierschützer kritisieren nicht nur die Transportbedingungen, sondern auch die Methoden, mit denen die Rinder später geschlachtet werden. In einigen Ländern ist es üblich, die Tiere zu schächten, was mit dem deutschen Tierschutz in der Regel nicht vereinbar ist.

Wird dem Tier ohne Betäubung die Kehle durchgeschnitten, um es ausbluten zu lassen, tritt der Tod oft erst nach qualvollen Minuten ein. Manchmal stechen die Schlachter den Rindern vorher die Augen aus.

Zu viele Kühe auf deutschen Höfen

Die deutschen Bauern haben oft zu viele Tiere auf ihren Höfen: Kühe müssen immer wieder Kälber zur Welt bringen, damit sie möglichst viel Milch geben. Der Viehbestand auf Milchbauernhöfen wächst also und wird häufig zu groß. Dann verkaufen die Bauern die Tiere.

Bei dem Treffen der Ministerinnen und Minister am Montag in Luxemburg stehen noch weitere Themen zum Tierschutz auf der Agenda. Unter anderem geht es um eine bessere Kontrolle der Fischerei, Beschränkungen für bienenschädliche Chemikalien in der Landwirtschaft und die mögliche Abschaffung der Pelztierzucht in Europa.

lau/dpa
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