CDU erklärt Klöckners Nestlé-Video "Vielleicht im Überschwang der Freude gepostet"

Julia Klöckners Video mit einem Nestlé-Manager hat ihr viel Kritik eingebracht. Nun bekommt sie Rückendeckung aus der eigenen Partei - mit einer bemerkenswerten Begründung.

Leicht zu begeistern? Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner von der CDU
Getty Images (Sean Gallup)

Leicht zu begeistern? Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner von der CDU


Julia Klöckner steht neben einem Nestlé-Manager - und stimmt eine Jubelarie auf den Nestlé-Konzern an. Dieses Video hat in den vergangenen Tagen für Empörung gesorgt, auch innerhalb der CDU.

Nun aber springt der Ministerin ein Parteifreund zur Seite, der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Landwirtschaft und Ernährung, Alois Gerig (CDU). Seine Erklärung ist allerdings etwas eigenwillig. Womöglich habe Klöckner "das halt im Überschwang der Freude gepostet, weil sie einen großen Konzern dazu bewegt hat, gesündere Produkte anzubieten". Daran sei doch nichts "verwerflich, solange dabei keine Hintergedanken zum eigenen Vorteil eine Rolle spielen", sagte Gerig der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Tatsächlich versucht Nestlé aber schon seit Jahren, sich ein gesünderes Image zu geben - und will so vom boomenden Geschäft mit gesunden Lebensmitteln profitieren, einem Milliardenmarkt. (Hier geht's zu einem Hintergrundbericht darüber.)

Der Koalitionspartner SPD ist denn auch weniger gnädig mit Klöckner. Ursula Schulte, ernährungspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, fühlt sich "brüskiert" von Klöckners Video. Das "grenzt an Werbung". Es stelle sich zudem die Frage, "warum andere Unternehmen, oft kleinere, die ebenfalls an der Reduktionsstrategie beteiligt sind, nicht zu Wort kommen".

Faktencheck zum Thema: Kungelt Klöckner mit Konzernen?

beb



insgesamt 157 Beiträge
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bennic 09.06.2019
1. Peinlich
unsere Weinkönigen. Anstatt den Firmen Druck zu machen, für Transparenz und besser Ernährung zu sorgen, postet sie Videos im Überschwang - und das auch noch mit einem ethisch ziemlich fragwürdigen Unternehmen wie Nestle. Zuerst in Evian die Wasserrechte kaufen, um dann den Bewohnern ihr Trinkwasser zu verwehren. Eklig!
molokai 09.06.2019
2. DAS Problem
An der Ministerin sieht man beispielhaft, was in diesem Land falsch läuft. Sie (und der kommentierende Agrarlobbyist Gerig sind überhaupt nicht an gesunden Nahrungsmitteln interessiert. Manmacht auf Fassade, hinter der Leere ist. Containern: schon der gesunde Menschenverstand sagt einem, NUR ZU! Aber nein, es gibt 1001 Bedenken, es könnte jemand der Allgemeinheit etwas Verdorbenes essen? Und? Nicht jedermann containert, es sind i.d.R. durchaus besonnene Aktivisten, die sich nicht vergiften wollen. Haben Sie schon einmal davon gehört, daß einer der bisherigen "Gesetzesbrecher" sich vergiftet hätte. Klöckner, Gerig & Co., die stemmen sich noch mehr gegen gesunde Nahrungsmittel als Nestle, Unilevr &Co. Herr Gerig: ein lupenreiner Lobbyist im Agrarausschuss. Am besten man benennt die Vorstandsprecher von BMW oder Daimler als Vorsitzende des Verkehrsausschusses. Man macht sich 'seine Gesetze' am besten selbst.
inge-p.1 09.06.2019
3. "Vielleicht im Überschwang der Freude gepostet"?
Die eigene Bedeutungslosigkeit und servile Anbiederung an die Großindustrie (Nestlé, Bayer) zu feiern, gar mit "Überschwang der Freude" zu beschreiben, lässt den Bürger, dem Wähler, den Atem stocken. Da muss sich keiner in der CDU-Zentrale über den Wählerschwund wundern. Frau Klöckner trägt auch Schuld an der Politikverdrossenheit der Bürger.
adieu2000 09.06.2019
4. Klar ist das zum eigenen Vorteil
Nestle tut ja so als wenn Frau Klöckner oder die CDU etwas bewegt hätte, hat sie aber nicht, lässt den Konzern in Ruhe und postuliert nur die Phrasen dieses Konzern, die im Grunde nur den Verbraucher beruhigen bzw. täuschen sollen.
cyberpommez 09.06.2019
5. Ich werde nie vergessen,
wie der Nestle Chef vor ein paar Jahren auf Kritik reagierte. Es wurde Nestle vorgeworfen, dass sie Quellen auf der ganzen Welt kaufen und den Menschen dann das Wasser teuer in Plastikflaschen verkaufen. Die Reaktion von Nestle: Mit der Aktion haben wir Wasser einen Wert gegeben und das ist doch gut. Vor Nestle war Wasser nämlich wertlos. Frau Klöckner sollte sich was schämen, denn Nestle arbeitet menschenverachtend....
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