»Meine Puffmama heißt Layla« Junge Union erntet heftige Kritik für Abspielen von sexistischem Song

Bei ihrer Landestagung beschallte die Junge Union Hessen den Saal mit einem fragwürdigen Partylied. Nun kritisiert die hessische Juso-Chefin die Szene. Die JU teilt mit, dass »Musikgeschmäcker schon immer verschieden waren«.
Die Junge Union Hessen feiert auf der Bühne zu »Layla«

Die Junge Union Hessen feiert auf der Bühne zu »Layla«

Foto: juhessen / YouTube

Der Ballermann auf Mallorca ist bekannt für derbes, aber dafür nicht sonderlich tiefschürfendes Liedgut. In einem aktuellen Klubhit mit dem Namen »Layla« wird da entsprechend auf eine gleichnamige Prostituierte die Zeile »schöner, jünger, geiler« gereimt. Nun sorgt der Song für Empörung – allerdings nicht, weil er auf Mallorca gespielt wurde.

Die Junge Union Hessen hat das Lied auf ihrer Landestagung in Kassel gespielt. Das Delegiertentreffen fand bereits am ersten Juni-Wochenende in Baunatal bei Kassel statt. Nun macht ein Ausschnitt des Treffens die Runde auf Twitter. Im Video ist zu sehen, wie sich unter Klatschen mehrere Delegierte zu »Layla« auf der Bühne versammeln.

Die Marburger SPD-Politikerin und Landesvorsitzende der hessischen Jusos, Sophie Frühwald, hat die Szene auf Twitter geteilt und der Jungen Union »blanken Sexismus« vorgeworfen. Das zeige auch, wie ernst es die CDU mit der Förderung von Frauen meine.

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Für den Sexismusvorwurf wurde Frühwald postwendend selbst scharf angegangen. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Natterer warf ihr vor, »Sittenpolizei« zu spielen: »Spinn dich aus. Das ist völlig lächerlich.« Peinlich sei nicht das Video, »sondern dein Tweet«, schrieb der sächsische CDU-Politiker Lucas Schopphoven.

Auf Anfrage des SPIEGEL antwortete der JU-Landesvorsitzende Sebastian Sommer, dass »Musikgeschmäcker schon immer verschieden waren«. Der auf Twitter verbreitete Ausschnitt zeige eine Minute einer zweitägigen Veranstaltung. »Außerdem bleibt es bei der JU dabei, dass neben der Arbeit bei uns auch das Feiern nicht zu kurz kommt.«

»50 % Politik, 50 % Party«

Die Chancen für Politikerinnen in der CDU sind seit Längerem ein Thema – CDU-Chef Friedrich Merz hatte nach seiner Wahl angekündigt, mehr Frauen fördern zu wollen. In einer jüngsten Sitzung des Bundesvorstands zeigte sich Merz gar offen für eine Frauenquote in der CDU-Führungsetage. Die Regelung könne zunächst mit einer Befristung versehen werden. Demnach soll die Quote bis 2029 gelten und dann noch einmal evaluiert werden.

Die Diskussion über eine verbindliche Frauenquote dauert in der Partei bereits seit zwei Jahren an, der entsprechende Antrag liegt seit 2020 vor. Nun könnte es vorangehen: Abschließend diskutiert und beschlossen werden soll der Antrag auf dem CDU-Parteitag im September. Der Vorschlag sieht vor, dass bis 2025 – beginnend bei Vorstandswahlen auf Kreisebene – schrittweise eine Frauenquote bis 50 Prozent eingeführt wird. Er umfasst auch eine 50-Prozent-Quote für die ersten zehn Listenplätze bei Landtags-, Bundestags- und Europa-Wahlen.

Was ihre Liedauswahl angeht, steht die hessische Parteijugend nicht das erste Mal in der Kritik. Bereits 2018 zirkulierte ein Video, auf dem Mitglieder zu sehen waren, die den »Westerwaldmarsch« grölen. Das Lied war im Zweiten Weltkrieg bei der Wehrmacht sehr beliebt. Die Bundeswehr warnte ihre Soldatinnen und Soldaten in einem Liederbuch davor, wann und in welchem Kontext es gesungen werden kann. 2017 wurde die Verbreitung des Liederbuchs gestoppt, der »Westerwaldmarsch« sollte also de facto nicht mehr von Soldaten gesungen werden.

Die Junge Union reagierte damals mit einer halbherzigen Stellungnahme und meinte, man könne am Lied »keinerlei politische Aussage« erkennen. Es sei im Rahmen einer Berlin-Exkursion gesungen worden, entsprechend sei »ausgelassen und stimmungsvoll getagt« worden. Das Motto »50 % Politik, 50 % Party« sei bereits seit Jahrzehnten bewährt.

Mit Blick auf die Liedauswahl beim Treffen in Baunatal ist sich die Junge Union anscheinend zumindest einer Hälfe ihres Mottos treu geblieben.

mrc/svs