Fotostrecke

Machtkampf in der JU: Männlich, ledig, jung will Chefposten

Junge Union Von wegen brav und langweilig

Die Junge Union bekommt einen neuen Vorsitz. Gut gekämmt, saubere Klamotten, ein bisschen langweilig - sie gilt als Verein der braven Abnicker. Doch das stimmt so nicht. Zehn Rebellionen, Pannen und Skandälchen der vergangenen Jahre.

Berlin - Am Freitag wählt die größte politische Jugendorganisation Deutschlands einen neuen Vorsitzenden. Der bisherige Bundeschef der Jungen Union (JU), Philipp Mißfelder, gibt sein Amt ab. Für seinen Nachfolger geht es um Einfluss bei CDU und CSU, um den Vorsitz von 117.000 Mitgliedern und um bundesweite Aufmerksamkeit.

Bei der JU, die sich nur selten aufbäumt, gibt es dieses Mal sogar einen echten Konkurrenzkampf. Im Rennen um den Chefposten sind zwei junge Herren: der NRW-Landeschef Paul Ziemiak und der JU-Bundesvize Benedict Pöttering. Die Wahl des neuen JU-Vorstands findet am späten Freitagabend im bayerischen Inzell statt, im Vorfeld will Angela Merkel eine Rede halten.

Doch was bleibt von mehr als einem Jahrzehnt Mißfelder-Amtszeit? Im Gegensatz zu Jungen Sozialdemokraten und Grüner Jugend gilt die JU vielen als Heimat der Gelfrisuren und sauberen Oberhemden, sprich: als korrekt und etwas langweilig. Doch das stimmt nicht ganz. So gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Skandälchen, Rebellionen und Pannen.

Zehn Vorfälle aus der JU der vergangenen Jahre:

1. Die Sache mit der Flagge: Im Herbst 2012 veröffentlichte die JU Münster ein Foto auf Facebook. Darauf posierten Studenten und JU-Mitglieder unter einer schwarz-weiß-roten Fahne. Die Farben finden sich in der Reichskriegsflagge in der Zeit des Nationalsozialismus, auch die NPD verwendet sie in ihren Bannern. Die JU erklärte, dass Schwarz-Weiß-Rot nun mal die Verbindungsfarben des lokalen Studentenvereins seien - ein Netzsturm der Empörung war ihr trotzdem sicher .

2. Die Sache mit dem Alkohol: 2010 artete eine "Bildungsreise" der JU Duisburg nach Berlin anscheinend aus. Zwei Teilnehmerinnen beschrieben die Reise als einzige "Sauftour", ein Teil der Gruppe habe im Hotel randaliert, ein JUler nachts auf der Straße "Jesus Christus" gebrüllt. Über das Geschehen gibt es unterschiedliche Angaben. Sicherheitshalber wurde die Berlin-Reise aber nicht wie geplant als "Bildungsfahrt" über öffentliche Gelder abgerechnet.

3. Die Sache mit den E-Mails: Vor wenigen Wochen gab ein kurioser E-Mail-Wechsel Einblick in das Machtgezerre um den JU-Vorsitz. Im Mittelpunkt stand die Außenwirkung der möglichen Mißfelder-Erben Pöttering und Ziemiak. Im Vorstand der Jungen Union entbrannte ein heftiger Streit, der Kandidat Pöttering den Spitznamen "Bäm-Benedict" einbrachte. Der scheidende Bundeschef Mißfelder musste mit einem Machtwort eingreifen.

4. Die Sache mit dem Bürgermeister: Ein homophober Facebook-Post brachte einen JU-Kommunalpolitiker im Westerwald um sein Amt. Im Juni hatte dieser öffentlich darüber nachgedacht, ob Homosexualität wieder strafbar sein sollte. Auf den Shitstorm im Internet folgte die politische Konsequenz, der Ortsbürgermeister hat JU und CDU verlassen.

5. Die Sache mit dem Video: In einer Coverversion des Videos "Supergeil" - wir erinnern uns an die virale Edeka-Werbung  - reimte die Junge Union Darmstadt darüber, wie toll die EU sei. Die Urheber des Songs, die Berliner Band "Der Tourist", fanden das nicht witzig. Sie setzten erfolgreich durch, dass die JU das Video löschen musste.

6. Die vielen Sachen mit dem Vorsitzenden: Noch-Bundeschef Mißfelder geriet häufig in die Schlagzeilen. 2003 stellte er von der Kasse bezahlte künstliche Hüften und Zahnprothesen für ältere Menschen in Frage. Höhere Hartz-IV-Sätze bezeichnete er als "Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie", gewalttätige G8-Gegner verglich er indirekt mit RAF-Terroristen. Über die Jahre wurde Mißfelder zurückhaltender und profilierte sich in bundespolitischen Debatten als Außenexperte.

7. Die vielen Sachen mit dem Selbstmarketing: Sie will frech sein und auffallen, sich vom mitunter schnarchigen Duktus der Mutterparteien abheben. Doch regelmäßig übertreibt es die JU mit diesem Ziel. 2008 warb die JU Bayern mit schwarzen Spitzenhöschen. Die JU Wittmund wählte als Kampagnenmotiv eine Frau mit Hand im Slip - garniert mit dem Spruch "Wir gehen tiefer". Sowieso greift die Jugendorganisation zum Zweck der Eigenwerbung gerne mal zu Bauchfrei-Damen .

8. Die Sache mit den Studenten: Weg mit den Asten! Das forderte der Parteinachwuchs von CDU und CSU 2012 in seinem Grundsatzprogramm. Demokratisch gewählte Studentenvertretungen sollten nach dem Willen der JU abgeschafft werden. Selbst konservative Studentenvertreter reagierten empört.

9. Die Sache mit dem Aufstand: Es gibt also doch einen Rebellionswillen bei der Jungen Union. Na ja, zumindest den Willen zum Rebelliönchen. 2006 und 2008 knarzte es wegen der Gesundheitsreform der damaligen Großen Koalition. Aus der bayerischen JU tönte es, die Reform sei "komplett gescheitert". Mißfelder bezeichnete sie als "unzumutbar" und stimmte später im Bundestag mit Nein.

10. Die Sache mit der Frauenquote: 2010 wollte CSU-Chef Horst Seehofer seiner Partei einen modernen Touch verpassen und eine Frauenquote für Vorstandsposten auf Landes- und Bezirksebene durchsetzen. Die damalige bayerische JU-Vizechefin Katrin Poleschner (heute Albsteiger) sprach gegen die Quote an. Die Quote kam, doch nach ihrer Brandrede kannte jeder in der Partei die junge Frau. Albsteiger kandidiert an diesem Freitag für einen Posten im JU-Bundesvorstand.

amz