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Machtkampf in der JU: Männlich, ledig, jung sucht Chefposten

Foto: Michael Reichel/ picture alliance / dpa

Streit bei der Jungen Union "Bäm-Benedict" und die kuriosen Mails

Die Junge Union sucht einen neuen Chef - und Kandidat Benedict Pöttering prescht voran. Seine Selbstvermarktung geht selbst der JU-Spitze auf die Nerven. Ein kurioser Mailwechsel gibt Einblick in das Machtgezerre.

Berlin - Eigentlich hat die Junge Union (JU)  gerade richtig viel zu tun. Am 19. September wählt sie im bayerischen Inzell den Nachfolger von Bundeschef Philipp Mißfelder. Für die größte politische Jugendorganisation Deutschlands ist das ein Riesenereignis. Seit zwölf Jahren gab es keinen Wechsel an der Spitze, es geht um den Vorsitz von 117.000 Mitgliedern.

Im Rennen um den Posten sind zwei junge Herren, der NRW-Landeschef Paul Ziemiak  und der JU-Bundesvize Benedict Pöttering . Doch anstatt sich auf Inhalte und Zukunft zu konzentrieren, streitet man sich im Nachwuchsverein von CDU und CSU lieber um Stilfragen.

Im Mittelpunkt steht die Außenwirkung der möglichen Mißfelder-Erben: Wie viel Medienpräsenz können und sollten sich die Kandidaten leisten? Und darf man als Kandidat bereits vor dem Führungswechsel im Namen der ganzen JU sprechen?

Im Vorstand der Jungen Union ist darüber ein heftiger Streit entbrannt, der Kandidat Pöttering den Spitznamen "Bäm-Benedict" einbrachte und Mißfelder zu einem Machtwort provozierte.

Alles begann am Dienstag mit der Rundmail eines Beisitzers im Vorstand:

"Ich finde es nicht akzeptabel, dass ein Mitglied unseres Vorstandes wiederholt und bewusst den Eindruck erweckt, er spreche hier als stellv. Bundesvorsitzender für den gesamten Bundesvorstand oder gar die gesamte Junge Union (...) Benedict fordere ich auf, deutlich zu machen (auch gegenüber der Presse), dass er ausschliesslich als Kandidat spricht".

Tatsächlich sucht Pöttering, der Sohn des früheren EU-Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering (CDU), häufig Präsenz in den Medien. So gibt der 31-Jährige regelmäßig den Staatsmann, lässt sich zur Krise in der Ukraine oder im Irak zitieren. Kürzlich forderte er die Bundeskanzlerin via "Bild" zu mehr Basisbeteiligung auf. Soviel Hang zur Selbstvermarktung stößt auch bei einem weiteren Vorstandsmitglied auf Unmut:

"Das bedeutet ja nicht, dass du, lieber Benedict, in deiner Eigenschaft als Kandidat die Massenmedien nicht instrumentalisieren darfst (...) Aber dann sollte es bitte auch nach außen als persönliche Auffassung des Kandidaten kommuniziert werden."

Der gescholtene Kandidat beeilte sich, seinen Zweiflern zu entgegnen - schließlich prahlt er im Internet und auf Podien damit, jede E-Mail binnen 24 Stunden persönlich zu beantworten. Wenige Stunden später antwortet Pöttering:

"Die Alternative, gar nicht mit den Medien zu sprechen, ist für mich im unserer heutigen Zeit nicht zeitgemäß. Ich bin fest davon überzeugt, dass die JU wesentlich schlechter in der ganzen öffentlichen Diskussion wegkommen würde, wenn auch ich mich nicht äußern würde."

Das ist als Seitenhieb gegen seinen Konkurrenten Zimiak zu verstehen. Denn dieser wimmelt Presseanfragen meist ab und taucht kaum in den Medien auf. Pöttering verteidigt sich weiter:

"Ich würde mich freuen und auch darum bitten, dass (...) der Wahlkampf seinen Stil behält und BEIDE Lager dabei mithelfen, dass dies so bleibt. Das bedeutet auch, bitte nicht die Auseinandersetzung über den JU Bundesvorstand zu suchen."

Sogar Amtsinhaber Mißfelder schaltete sich in den Streit ein. So lässt er über seinen Bundesgeschäftsführer, ebenfalls per Rundmail, ausrichten:

"Liebe Freundinnen und Freunde, im Auftrag von Philipp darf ich Euch mitteilen: (...) Wir sollten versuchen, den ansonsten fairen Wettstreit der Kandidaten bis dahin nicht weiter über die Öffentlichkeit laufen zu lassen. Dies schadet unserem Verband nachhaltig."

Allein das Gezoffe per E-Mail wäre schon kurios genug. Doch ein Detail des Mailwechsels macht die Sache noch merkwürdiger. Pöttering vergaß anscheinend in der Eile, ein paar Zeilen Rohtext zu löschen. Unter seiner Mail tauchen mit einigem Abstand plötzlich Passagen auf, die Wort für Wort deckungsgleich mit seinem Appell an die Kritiker sind.

Bei näherem Hinsehen wird klar: Pöttering hatte seine Antwort gar nicht selbst verfasst. Ein freundlicher Unterstützer nahm ihm diese Aufgabe ab. Pöttering kopierte die Sätze in seine Mail - und schickte sie dann samt der verräterischen Vorlage ab. Dummerweise sind die Textbrocken auch noch versehen mit Randbemerkungen und Tipps:

"Der platzt :-D", frohlockt der Textlieferant in Anspielung auf Gegner Zimiak. Dann ermutigt der Ghostwriter Pöttering dazu, Kritikern offensiv zu begegnen: "Insgesamt ein guter Anlass, Souveränität zu zeigen (...) Bäm".

So gibt die seltsame Konversation einen raren Einblick in das Innenleben eines JU-Wahlkampfs. Auf der Mailingliste des Vorstands blieb der Lapsus zunächst unkommentiert. Doch die Sache spricht sich herum: Am Telefon kichern schon jetzt einige Mitglieder über "Bäm-Benedict" und seinen Ghostwriter.

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