Auftritt in Nürnberg Gabriel verteidigt Große Koalition gegen Juso-Protest

SPD-Chef Sigmar Gabriel wird nicht müde, für die Große Koalition zu werben: Beim Juso-Kongress in Nürnberg müht er sich, den Parteinachwuchs zu überzeugen - unter den Delegierten gibt es kräftigen Widerstand.

Sigmar Gabriel und die neue Juso-Chefin: SPD-Nachwuchs lehnt Große Koalition ab
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Sigmar Gabriel und die neue Juso-Chefin: SPD-Nachwuchs lehnt Große Koalition ab


Nürnberg - Die Kritik an dem Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD fällt bei der Versammlung der Jungsozialisten (Jusos) in Nürnberg deutlich aus: Umso mehr betonte Sigmar Gabriel in seiner Rede, dass die Große Koalition nicht als Liebesheirat gedacht sei. Der SPD-Parteivorsitzende betonte, er wolle die Menschen, denen durch den Koalitionsvertrag zu besseren Lebensbedingungen verholfen werden könne, "nicht vier Jahre lang warten lassen". Die schwarz-rote Koalition sei eben die derzeit mögliche Regierungsmehrheit in Deutschland, sagte Gabriel: "Und sie ist eine Koalition der nüchternen Vernunft."

Deswegen warb der SPD-Chef beim Nachwuchs für ein Ja beim Mitgliederentscheid über den Koalitionsvertrag. In der Vereinbarung von Union und Sozialdemokraten stehe "nahe an 90 Prozent" dessen, was im 100-Tage-Programm des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück gestanden habe, sagte Gabriel. Die Partei müsse nun selbstbewusst in die Koalition mit CDU und CSU gehen. "Es gibt nur eine Partei, die die SPD kleinmachen kann: Das ist die SPD selber", sagt er.

Klare Worte, mit denen Gabriel unter anderem in Richtung von Johanna Uekermann zielte: Die 26-Jährige wurde am Freitag zur neuen Juso-Vorsitzenden gewählt und hatte sich in Nürnberg gegen die Große Koalition ausgesprochen. "Das Ergebnis der Verhandlungen überzeugt mich ganz und gar nicht", entgegnete die neue Juso-Vorsitzende dem Parteichef. Die SPD brauche Neuwahlen nicht zu fürchten. "Mit einer klaren Machtperspektive Rot-Rot-Grün können wir Menschen begeistern und für einen Politikwechsel sorgen."

Uekermann bemängelte insbesondere den Verzicht auf Steuererhöhungen für Besserverdienende, fehlende Bafög-Erhöhungen und eine "Abschottungspolitik gegen Flüchtlinge". Sie betonte zugleich, dass ein Nein zum Koalitionsvertrag kein Nein zur Parteispitze sei. Generell stößt der Eintritt in eine schwarz-rote Regierung beim Parteinachwuchs auf Ablehnung, Delegierte empfingen Gabriel mit Protestplakaten.

vek/dpa/AFP

insgesamt 23 Beiträge
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MiniDragon 07.12.2013
1. Aber sicher doch
Zitat von sysopSPD-Chef Sigmar Gabriel wird nicht müde, für die Große Koalition zu werben: Beim Juso-Kongress in Nürnberg müht er sich, den Parteinachwuchs zu überzeugen - unter den Delegierten gibt es kräftigen Widerstand. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/juso-bundeskongress-gabriel-kaempft-beim-nachwuchs-um-grosse-koalition-a-937796.html
Er aber auch Nahles wären weg vom Fenster, wenn die SPD- Mitglieder sich gegen die GROKO entscheiden würden und Merkel die volle Verantwortung für ihre grundsatzlose Politik überließen.
Shaft13 07.12.2013
2.
In der Großkotz wird die SPD auf unter 15% zurecht gestutzt werden bei den nächsten Bundestagswahlen. Alternativen hat die SPD allerdings auch nicht. Lässt sie die Koalition platzen (als ob die SPD Minister ihre Posten aufgeben wollen,da wird alles schon so gedreht werden,das das Ergebnis passt) und geht mit RRG ins Rennen bei Neuwahlen, würde sie auch kaum die 20% Marke erreichen.
samschuster 07.12.2013
3. wenn man mut hat
...lehnt man den koalitionsvertrag ab, lässt meinetwegen den vorstand abtreten und wählt einen neuen/denselben wieder um einen besseren vertrag aushandeln zu lassen. immerhin will die merkel was von der spd -- sie muss ja einen regierungspartner finden. klappt das nicht, müssen neuwahlen her. aber laut derzeitigen umfragen kommt es wieder genau zu dem beschriebenen prozess: merkel muss sich bewegen.
doubletrouble2 07.12.2013
4. Sozialdemokraten sind Kleinbürger.
Tief im Inneren sind Kleinbürger ängstlich und von den eigenen Stärken nicht überzeugt. Sie wollen den mageren Besitzstand wahren und schließen sich dem Stärksten an. Aus diesem Grund wurde nur mit der Union ernsthaft verhandelt und es kam ein Vertrag zustande, der Macht bei kleinstmöglicher Veränderung verspricht. Den werden die Kleinbürger mit Parteibuch aller Wahrscheinlichkeit nach absegnen. Das ist Demokratie und zwar beispielhafte.
Hilfskraft 07.12.2013
5. hoffentlich ...
... lassen sich die Jungen nicht ein X für ein U verkaufen. Es geht um IHRE Zukunft. Bei den Älteren scheint das "auf Kommando stramm stehen, jawoll ..." noch tief verwurzelt.
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