Neue Juso-Vorsitzende Kühnert-Nachfolgerin Rosenthal fordert mutigere SPD

Jessica Rosenthal wird die nächste Juso-Chefin – und gibt sich kämpferisch: Die Zukunft gestalte man »mit klarem Kopf und manchmal auch mit erhobenem Mittelfinger«. Kevin Kühnert weint zum Abschied.
Die künftige Juso-Vorsitzende Jessica Rosenthal mit ihrem Vorgänger Kevin Kühnert im Willy-Brandt-Haus

Die künftige Juso-Vorsitzende Jessica Rosenthal mit ihrem Vorgänger Kevin Kühnert im Willy-Brandt-Haus

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Jessica Rosenthal ist die Kandidatin für die Nachfolge von Kevin Kühnert an der Spitze der Jusos – und fordert mehr Mut von der SPD. »Wir dürfen nicht länger an unserer eigenen Verzagtheit scheitern. Ich will eine mutige SPD, die zu ihren Überzeugungen steht, die eine mächtige Lobby für die Menschen ist, die sonst viel zu oft keine Stimme haben«, sagte die 28-Jährige auf dem Bundeskongress der Jungsozialisten.

Die Jusos sehnten sich nach Veränderung – das komme aber nicht von selbst. »Lasst uns für eine bessere, gerechtere, ökologischere, antifaschistische, feministische und internationalistische Zukunft kämpfen«, sagte Rosenthal. »Denn Zukunft machen wir selbst, mit Mut, mit Willen, mit klarem Kopf und manchmal auch mit erhobenem Mittelfinger.«

Scharfe Kritik an der CDU

Rosenthal forderte außerdem die Einführung einer Jobgarantie. Arbeit sei mehr als Geldverdienen, sie stifte auch Sinn. Vollbeschäftigung sei das Ziel, sagte die Jungsozialistin. Gleichzeitig müsse es eine staatliche Garantie auf einen Ausbildungsplatz geben. »Menschen haben ein Recht darauf, eine Ausbildung abzuschließen und damit ihr Fundament für ihr Arbeitsleben zu gießen«, sagte Rosenthal.

Rosenthal kritisierte auch die CDU scharf. »Man gewinnt doch eher den Eindruck, dass sich jede Eintagsfliege mehr Gedanken um das politische Morgen macht als Friedrich Merz oder Armin Laschet«, sagte sie. Die SPD habe die Gelegenheit, die Union in die Opposition zu drängen. »Wir haben die Chance, jungen Menschen zu zeigen, wie eine SPD sein kann, wenn sie nicht in den Fesseln einer Großen Koalition gefangen ist«.

Tränenreicher Abschied von Kevin Kühnert

Der scheidende Juso-Chef Kühnert hat die Jusos in seiner Abschiedsrede dazu aufgerufen, an ihrem linken Kurs festzuhalten. Die Coronakrise habe gezeigt, dass sich viele Dinge umsetzen ließen, die die Jusos lange gefordert hätten – etwa die Aussetzung der Schuldenbremse, massive staatliche Investitionen und Arbeitsplatzgarantien.

Bei seinem Abschied präsentierte sich Kühnert ungewöhnlich emotional. »Das mag etwas merkwürdig sein für Leute, die da jetzt zuschauen – warum heult der da jetzt rum?«, sagte er mit tränenerstickter Stimme. Er habe »ein heftiges Pensum in den letzten Jahren gemacht« und dabei immer die bedingungslose Unterstützung der Jusos erhalten, sagte Kühnert. Es habe ihm einen »bombastischen Spaß« gemacht.

rai/dpa
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