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17. Juni 2001, 10:57 Uhr

Jusos

Linker Schröder-Kritiker übernimmt den Vorsitz

Die Jusos haben einen neuen Vorsitzenden. Auf ihrem Bundeskongress in Köln wählte der SPD-Nachwuchs den 28-jährigen Hamburger Studenten Niels Annen an die Stelle von Benjamin Mikfeld, der nicht mehr angetreten war.

Niels Annen
DPA

Niels Annen

Köln - Annen erhielt 152 von 289 Delegiertenstimmen und übertraf seine Konkurrentin, die stellvertretende Juso-Vorsitzende Barbara Gersmann, um 22 Stimmen. Annen sagte: "Die Jusos sind zurück auf der politischen Bühne." Der 1999 gewählte bisherige Vorsitzende Benjamin Mikfeld hatte auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

Annen wird dem marxistisch orientierten Flügel zugeordnet. Er trat für eine "Politik links von der Mitte" ein, in deren Mittelpunkt neben Jugend-, Familien-, Sozial- und Beschäftigungspolitik vor allem Bildungspolitik stehen müsse. Denn "wer auf Bildung und Ausbildung setzt, der setzt die Priorität auf Zukunftschancen". Hart kritisierte er Schröders "Gerede von den Drückebergern". Er warnte vor der "Generation Guido", die unter dem Vorwand des Generationswechsels einen Politikwechsel betreibe, dessen "Ziel die Entkopplung von Freiheit und Solidarität ist."

Der zweitägige Bundeskongress steht unter dem Motto "Neue Zeiten denken - Recht auf Zukunftschancen". Die Jusos fordern unter anderem einen "Fonds für Zukunftschancen", der aus jeder zehnten vererbten Mark finanziert und zur Förderung und Modernisierung des Bildungssystems verwendet werden soll.

Die Jusos fordern weiter, die Arbeitslosenversicherung in eine Arbeitsversicherung umzuwandeln, die nicht nur für Arbeitslosigkeit zuständig sein soll, sondern etwa auch für Leistungen bei Arbeitszeitverkürzung. Außerdem setzen sie sich für eine Ausweitung und Verlängerung des Jump-Plus-Programms ein, das vor allem Jugendlichen in strukturschwachen Regionen eine Beschäftigung in Einrichtungen unter öffentlicher Trägerschaft ermöglichen soll.

Derzeit sind nach Angaben der Parteiorganisation 76.000 SPD-Mitglieder unter 35 Jahren und damit Jungsozialisten. Als Jusos aktiv seien aber nur 8,6 Prozent und davon nur 25 Prozent Frauen, hieß es.

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