Nach Unfällen Justizministerium schlägt Strafen für Gaffer vor

Bisher schützt das Strafrecht nur lebende Menschen vor entwürdigenden Bildern - nun soll laut einem Vorschlag des Justizministeriums auch das Fotografieren von toten Opfern als Straftat gewertet werden.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht
Annegret Hilse/ REUTERS

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht


Künftig müssen Gaffer, die Unfallopfer filmen oder fotografieren, mit Strafen rechnen. Das Justizministerium will das "Herstellen und Übertragen einer Bildaufnahme, die in grob anstößiger Weise eine verstorbene Person zur Schau stellt", als Straftat werten. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, den das Bundesjustizministerium vor Kurzem an Länder und Verbände zur Stellungnahme verschickt hat.

Nicht nur Unfallopfer, auch Opfer von Gewaltverbrechen würden durch dieses Gesetz geschützt. Bislang ist das nicht so - nur das Herstellen entwürdigender Bilder von lebenden Menschen steht unter Strafe.

Bei Toten werden solche Aufnahmen nur als Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht gewertet, Angehörige können die Löschung auf Internetseiten verlangen. Künftig würden Geldbußen drohen oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren möglich.

"Andenken Verstorbener besser schützen"

Das Erstellen solcher Bilder sei dank allgegenwärtiger Handykameras immer leichter geworden, schreibt das Ministerium. Zudem lasse die Anonymität des Internets die Hemmschwelle für eine Verbreitung sinken.

Wenn das Kabinett die Neuerungen verabschiedet hat, muss der Bundestag ihnen ebenfalls zustimmen. Darauf haben sich CDU, CSU und SPD in sehr allgemeiner Form allerdings schon im Koalitionsvertrag verständigt.

Der rechts- und verbraucherpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Johannes Fechner, forderte eine zügige Verabschiedung. "Das Andenken Verstorbener müssen wir besser vor sensationsgierigen Gaffern schützen. Wenn etwa ein tödlich verunglücktes Unfallopfer fotografiert wird und die Bilder dann im Netz verbreitet werden, können wir das nicht dulden", erklärte er. (Lesen Sie hier ein Interview zum Phänomen der Gaffer).

Im Video: Polizist knöpft sich Gaffer vor

NEWS5

höh/dpa



insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
plaudertasche123 10.09.2019
1. Ja!
Das ist eine sinnvolle und bitter nötige Initiative. Und jedem, der dieses widerliche Geknipse und Gegaffe relativieren möchte, lege ich dieses (harte) Video ans Her https://www.youtube.com/watch?v=nRmuaVPiodI
territrades 10.09.2019
2. Der Tod gehört zum Leben...
Der Tod gehört zum Leben dazu und sollte damit wie alle wichtigen Lebensmomente für die Nachwelt photographisch festgehalten werden. Der Artikel liest sich als seien alle Fotos eines Toten "grob anstößig" und "entwürdigend". Sicher, ein Selfie neben der Leiche wäre ohne Zweifel grob anstößig. Aber ist es entwürdigend, eine tödliche Verletzung zu erleiden? Vielleicht würde es auch mehr Rücksicht im Straßenverkehr geben, wenn die Presse nicht in ihrer Gesamtheit Bilder von Unfallopfern zurückhalten würde.
WernerWeidemann 10.09.2019
3. Richtig
Das ist leider notwendig. "Leider", weil anscheinend die Menschen mehr und mehr einen guten Charakter verlieren (wenn sie je einen hatten), über Leichen gehen und das nur wegen Sensationsgeilheit. Das ist widerwärtig, ekelhaft und niveaulos. Aber bitte keine Geldstrafen, lasst sie dafür 100.000 Bäume pflanzen, dann tun die wenigstens mal etwas sinnvolles.
mcbarby 10.09.2019
4. Bitte wirkliche Strafen!
Als Minimum sollte hier eine Geldstrafe von etwa 2000 EUR im Raum stehen. Es muss wehtun, sonst verstehen diese hirnlosen Gestalten das niemals. Und für Behinderung von Rettungskräften sollte ein SOFORTARREST von 14 Tagen fällig werden.
irobot 10.09.2019
5.
Wenn es denn der Datenschutz zuließe, könnte die Polizei ja mal die Gaffer filmen und die Videos dann auch bei Youtube hochladen.
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