Kabinettsbeschluss Die Rente steigt - um 0,6 Prozent

Ab 1. Juli erhalten Deutschlands Rentner mehr Geld: Um 0,6 Prozent werden ihre Renten erhöht. Die Bundesregierung hat mit diesem Beschluss ihren umstrittenen Plan verwirklicht, die Altersbezüge nicht mehr an die Nettolöhne, sondern an die Inflationsrate anzupassen.


Berlin - Die Standardrente steigt dann in Westdeutschland um zwölf Mark pro Monat auf 2020 Mark, in Ostdeutschland um elf Mark auf 1752 Mark, wie das Bundesarbeitsministerium am Mittwoch mitteilte.

DPA
Die Regierung weicht dieses Jahr erstmals von der bisherigen Rentenformel ab, nach der die Altersbezüge jeweils im Juli nach den Nettolohnzuwächsen des vorangegangenen Jahres erhöht wurden. Stattdessen richtet sich die Formel, die die Rentenversicherung entlasten soll, nun nach der Inflationsrate des vorangegangenen Jahres. Da die Teuerung seit letztem Jahr deutlich gestiegen ist, liegt sie höher als die Rentenerhöhung. Im kommenden Jahr könnte es umgekehrt sein: Gerechnet wird für 2001 mit einer sinkenden Inflationsrate; die Rentenanpassung wird sich aber nach der relativ hohen Rate 2000 richten. Ab 2002 soll die alte Formel wieder gelten.

Für die CDU forderte ihr Rentenexperte Hermann Kues die sofortige Rückkehr zur Nettolohnanpassung. So lange nicht eine grundsätzliche Reform beschlossen sei, gebe es keinen Grund, davon abzugehen. Hier verfahre die Regierung völlig willkürlich. "Für die Rentner gibt es keine Verlässlichkeit", sagte der CDU-Abgeordnete. Auch der Sozialverband VdK protestierte scharf. Die Quittung für die geringe Rentenanpassung werde es bei den nächsten Wahlen geben, erklärte Präsident Walter Hirrlinger in Berlin. Die 17 Millionen Rentner seien "die einzige Gruppe in Deutschland, der ein Kaufkraftverlust zugemutet wird".

Der Rentenanpassungsverordnung muss der Bundesrat noch zustimmen, der sie theoretisch stoppen könnte. Damit sei aber nicht zu rechnen, erklärte das Arbeitsministerium.



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