Kampf um Berliner Flughafen Die Stasi-Akte von "Mr. Tempelhof"

Gegen die Schließung des Berliner Innenstadt-Flughafens kämpft eine breite Front von Politikern und Prominenten. Dieses Symbol der Freiheit müsse erhalten bleiben, fordern sie. Einer der wichtigsten Aktivisten der Kampagne diente offenbar einst der Stasi.

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Berlin - Wenn der Berliner CDU-Politiker Friedbert Pflüger auf den Flughafen Tempelhof zu sprechen kommt, kann das Pathos gar nicht groß genug sein. "Was für die Amerikaner die Freiheitsstatue bedeutet", sagt der gebürtige Niedersachse dann mit Frontstadt-Timbre in der Stimme, "ist für uns der Flughafen Tempelhof".

Das Symbol "des Freiheitskampfes der Berliner" ist als Flughafen allerdings genauso Geschichte wie Mauer und Stacheldraht. Wo einst die Rosinenbomber landeten, die "den freien Teil Berlins vor einer Strangulation durch die Sowjets" ( Michael Glos) retteten, starten nur noch wenig Flieger. Ende Oktober soll endgültig Schluß sein. Das hat der Berliner Senat entschieden, der auf den Ausbau des Flughafens Schönefeld und die Schließung der innerstädtischen Airports Tempelhof und Tegel setzt.

Zwar vollstreckt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) damit nur einen Beschluss, auf den sich vor Jahren der damals CDU-geführte Senat mit der Bundesregierung verständigt hatte, doch seit Monaten kennen die Hauptstadt-Christdemokraten kaum noch ein anderes Thema. Gemeinsam mit einem Verein setzten sie einen Volksentscheid zu Tempelhof durch.

Die Phalanx gegen die Tempelhof-Schließung ist breit. Ehemalige US-Airforce-Piloten sind dabei, der Schlagersänger Gunter Gabriel, Springer-Chef Mathias Döpfner, Politiker aus CDU und FDP – und an vorderster Front ein Mann, der sich selbst "Mister Tempelhof" nennt: der Selfmademan Thomas Stillmann, der auf dem City Airport die kleine, aber feine Privatjetflotte Windrose Air dirigiert. Erst vor kurzem trat er als Mitorganisator eines großen Festes auf dem Flughafen auf.

Ein Stasi-Zuträger als Bannerträger der Freiheit?

Doch als Bannerträger der Freiheit scheint Stillmann denkbar ungeeignet zu sein. Der Mann, dessen Dienste Manager und Größen aus dem Show-Geschäft gern in Anspruch nehmen, hat in seinem ersten Leben nicht gerade der Freiheit gedient. Überflieger Stillmann war offenbar, dafür spricht eine 308-Seiten umfassende Akte, Inoffizieller Mitarbeiter, Deckname "Fred", der als Reisekader der DDR-Künstleragentur eifrig berichtete.

Gern verschleiert der 55-jährige Unternehmer seine ostdeutsche Herkunft. In einer Kurzbiografie für den Berliner Capital Club, dessen Beirat Stillmann angehört, gibt er an, Diplom-Volkswirt zu sein und später bis 1990 eine "eigene Künstleragentur" geleitet zu haben.

In Wahrheit studierte er Ökonomie in Magdeburg und Ostberlin und seine akademische Ausbildung endete an der Sektion Marxismus-Leninismus der Hochschule für Ökonomie Bruno Leuschner in Berlin-Karlshorst. Die "eigene Künstleragentur" war die staatliche DDR-Künstleragentur, in der Stillmann von 1980 an für die Entsendung von Künstlern ins Ausland, später auch ins sogenannte nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet zuständig war.

Gefragt nach den Gründen, warum er seine DDR-Herkunft kaschiere, gibt sich Stillmann bescheiden: Er kokettiere eben nicht mit einer ostdeutschen Erfolgsgeschichte. Die Akten, die unter dem Namen Thomas Stillmann bei der Beauftragten für die Stasi-Unterlagen liegen, könnten der wahre Grund dafür sein, dass der Unternehmer seine Biografie nicht an die große Glocke hängen möchte. Danach wurde Stillmann bereits im Alter von 16 Jahren vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) angeworben. Aus seiner Schulzeit liegen mehrere Berichte vor, in denen Mitschüler und Lehrer angeschwärzt werden. Auch während des Studiums hatte Stillman offenbar regelmäßig Kontakt zum MfS.



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