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13. Februar 2007, 15:45 Uhr

Kampf um CSU-Spitze

Kardinal Meisner hat moralische Vorbehalte gegen Seehofer

Die katholische Kirche mischt sich in den Machtkampf um die CSU-Spitze ein: Der Kölner Kardinal Meisner ätzt gegen Horst Seehofers Parteichef-Ambitionen. Wer außereheliche Beziehung unterhält, gehöre zum Arzt, aber nicht auf den Ministersessel oder den eines Parteichefs.

Köln - Eine außereheliche Beziehung und der Posten des CSU-Vorsitzenden? Für den Kölner Kardinal Joachim Meisner passt das nicht zusammen. Sollte Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer eine solche Beziehung unterhalten, habe er moralische Vorbehalte gegen eine Wahl von Seehofer zum CSU-Vorsitzenden, sagte Meisner dem Kölner "Express".

"Wie will er denn Vorsitzender einer christlichen Partei werden? Wie weit sind wir eigentlich gekommen?", sagte Meisner. Die Vermittlung von Werten durch die Politik erfordere "vorbildliches persönliches Verhalten" der Politiker, sagte Meisner. Ein Politiker als Person des öffentlichen Lebens müsse sich "gegebenenfalls auch nach seinem persönlichen Lebensstil beurteilen lassen".

Wenn ein Politiker "permanent ein Desaster nach dem anderen in seiner Familie erlebt, heißt es bei uns: Blendet das Private aus, in der Politik geht es um etwas ganz anderes. Warum? Haben wir es denn bei ihm mit zwei verschiedenen Menschen zu tun? Oder ist er eine gespaltene Persönlichkeit? Dann ist er schizophren und gehört zum Arzt, aber nicht auf einen Ministersessel", sagte der Kardinal nach Angaben der Zeitung.

"Wenn wir über Wertevermittlung reden, muss man an das private Leben öffentlicher Personen besondere Ansprüche stellen dürfen. Was soll denn ein mehrfach geschiedener Politiker über eheliche Treue sagen? Da lachen doch alle", sagte Meisner.

hen/AP

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