Deutsch-französisch-spanisches Projekt Durchbruch im Streit über Kampfjet der Zukunft

Trotz Verzögerungen und des Streits um Beteiligungen geht die Entwicklung des Luftkampfsystems FCAS in die nächste Phase. Das neue Flugzeug soll ab 2040 die Eurofighter der Bundeswehr ersetzen.
FCAS-Modelle in Paris

FCAS-Modelle in Paris

Foto: Charles Platiau / REUTERS

Deutschland, Frankreich und Spanien haben sich geeinigt, in die nächste Phase der Entwicklung des europäischen Luftkampfsystems »Future Combat Air System« (FCAS) einzutreten. Dies kündigte das Bundesverteidigungsministerium am Freitag in einer Mitteilung an, die dem SPIEGEL vorliegt.

»Die politische Einigung bei FCAS ist ein großartiger Schritt und ein – gerade in diesen Zeiten – wichtiges Zeichen der exzellenten deutsch-französisch-spanischen Zusammenarbeit«, wird darin Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) zitiert. Die Kooperation stärke Europas militärische Fähigkeiten und sichere wichtiges Know-how für die deutsche und europäische Industrie, sagte die SPD-Politikerin weiter.

Nach SPIEGEL-Informationen war es am Freitag bei deutsch-französischen Verhandlungen zu einem Durchbruch gekommen. Zuvor hatte der mangelnde Fortschritt des mehr als hundert Milliarden Euro schweren Rüstungsprojekts zu Spannungen in der Beziehung zwischen Berlin und Paris beigetragen. Wegen des andauernden Streits um die jeweiligen Anteile des französischen Herstellers Dassault und Airbus waren sogar die deutsch-französischen Regierungskonsultationen kürzlich abgesagt und vertagt worden.

Bundesregierung wollte schnelle Einigung

Deutschland setze auf eine schnelle Einigung, hatte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Freitag in Berlin nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Er hoffe, dass es beim Treffen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der französischen Ministerpräsidentin Elisabeth Borne am kommenden Freitag in Berlin Klarheit gebe.

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Freitag auf ein schnelleres Vorgehen gedrängt: »Ich erwarte in den kommenden Wochen entscheidende Fortschritte«, sagte er mit Blick auf die Verzögerungen.

Airbus-Rüstungschef Michael Schöllhorn hatte am Montag gesagt, er rechne mit einer Entscheidung über das Projekt noch in diesem Jahr. Airbus-Chef Guillaume Faury räumte ein, dass es länger als erwartet gedauert habe, um zu diesem Punkt zu kommen.

Das FCAS-Programm soll ein Kampfflugzeug, Drohnen sowie Kommunikationsinfrastruktur umfassen. Diese sollen ab 2040 die deutschen und spanischen Eurofighter sowie die französische Rafale ersetzen. Airbus arbeitet bei dem Kampfflugzeug mit dem französischen Konzern Dassault und dem spanischen Unternehmen Indra zusammen. Zuvor waren die Kosten für die nächste Entwicklungsphase auf etwa 3,5 Milliarden Euro geschätzt worden. Diese würden von den drei Ländern zu gleichen Teilen gedeckt werden. Das Projekt war im Juli 2017 von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vorgestellt worden.

col/mgb/Reuters/AFP
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