Kampfstoffe Deutschland vernichtet Reste syrischer Chemiewaffen

Bisher hat die Bundesregierung eine Entsorgung von C-Waffen aus Syrien auf deutschem Boden verweigert. Doch schon bald sollen mehrere hundert Tonnen einer Chemikalie in Niedersachsen vernichtet werden. Die Stoffe sollen jedoch nur hochverdünnt eintreffen.
Experten der Geka in Munster (Archivbild): Brisante Fracht aus Syrien

Experten der Geka in Munster (Archivbild): Brisante Fracht aus Syrien

Foto: Peter Steffen/ picture alliance / dpa

Berlin - Deutschland wird sich nun doch an der Vernichtung der syrischen Chemiewaffen beteiligen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier gab am Donnerstag in Berlin bekannt, dass die Gesellschaft zur Entsorgung chemischer Kampfstoffe und Rüstungsaltlasten (Geka) im niedersächsischen Munster gefährliche Chemikalien entsorgen werde.

"Niemand darf sich verweigern, der dazu die technischen Kapazitäten zur Verfügung hat", sagte der SPD-Politiker. Das Auswärtige Amt teilte mit, man wolle "einen substantiellen Beitrag zur Vernichtung" leisten. Einschränkend fügt das Amt jedoch hinzu, dass die Stoffe, die in Deutschland landen, eher Industrieabfällen ähneln.

Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen äußerste sich zu dem Vorhaben: "Deutschland hat eine sichere Technologie und lange Erfahrung mit der Vernichtung von Reststoffen chemischer Kampfmittel. Es ist sinnvoll, dass wir diese Fähigkeit in der internationalen Gemeinschaft einbringen." Bisher hatte Deutschland vor allem logistische und finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt. Die Anlieferung von Kampfstoffen auf deutschen Boden hatte das Land jedoch verweigert.

Dem Vernehmen nach geht es um mehrere hundert Tonnen der Chemikalie Hydrolysat. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine vollständige Chemiewaffe, sondern um einen stark verdünnten Bestandteil, der mit flüssigen Industrieabfällen vergleichbar ist.

Am Dienstag waren die ersten Kampfstoffe auf einen dänischen Frachter verladen worden. Die Chemiewaffen sollen dann auf einem US-Spezialschiff unschädlich gemacht werden. Wie die Uno und die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) mit Sitz in Den Haag mitteilten, wurde die Ladung in der Hafenstadt Latakia zum Transport auf das dänische Handelsschiff "Ark Futura" verfrachtet. Die Ladung enthalte "chemisches Material mit Dringlichkeitsstufe", hieß es in der Mitteilung.

Die OPCW hatte auch ein Hilfeersuchen an Deutschland gestellt, weil die Bundeswehr bei der Entschärfung von Chemiewaffen über große Expertise verfügt.

jok/dpa/Reuters
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