Kandidatendiskussion SPD-Spitze gibt Scholz Chancen

In der SPD wird die Liste der möglichen Kanzlerkandidaten immer länger. Parteichef Gabriel brachte alle gewählten Ministerpräsidenten ins Spiel, Fraktionschef Steinmeier schob den Hamburger Bürgermeister Scholz nach vorne. Doch der will davon nichts wissen.

Hamburger Regierungschef Scholz: "Natürlich steht so jemand in der ersten Reihe"
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Hamburger Regierungschef Scholz: "Natürlich steht so jemand in der ersten Reihe"


Hamburg - Es dauert noch bis zur nächsten regulären Wahl: Falls die schwarz-gelbe Koalition solange hält, wird erst 2013 ein neuer Bundestag gewählt. Doch schon jetzt treibt die Frage nach möglichen Kanzlerkandidaten die Opposition um. Bei den Grünen wird angesichts eines historischen Umfragehochs über ein Comeback von Ex-Außenminister Joschka Fischer spekuliert. Und bei der SPD bringt Parteichef Sigmar Gabriel eine ganze Reihe möglicher Bewerber ins Spiel. "Jeder gewählte Ministerpräsident ist ein denkbarer Kanzlerkandidat", sagte Gabriel der "Welt am Sonntag".

Zu den SPD-Ministerpräsidenten zählen unter anderem Hannelore Kraft (NRW), Klaus Wowereit (Berlin) und Kurt Beck (Rheinland-Pfalz). SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hob jedoch besonders Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz hervor. Dieser sei der einzige Regierungschef mit einer absoluten Mehrheit. "Natürlich steht so jemand in der ersten Reihe einer Partei, aus der dann - wenn die Zeit reif ist - die Kanzlerkandidaten bestimmt werden", sagte Steinmeier dem "Hamburger Abendblatt".

Scholz schloss eine Kandidatur für 2013 jedoch aus. Er wolle sein Amt als Hamburger Bürgermeister so gut ausüben, dass er bei der nächsten Bürgerschaftswahl erneut gewählt werde, sagte Scholz dem "Hamburger Abendblatt". Er zeigte sich aber geschmeichelt von den Vorschlägen. "Das ist ehrenhaft und hilft wahrscheinlich sogar bei den Amtsgeschäften. Mehr nicht."

Gabriel hält auch den ehemaligen Finanzminister Peer Steinbrück für einen geeigneten Kandidaten. Er betonte, die K-Frage werde "Ende 2012, Anfang 2013" geklärt. Bis dahin werde er einen Vorschlag machen. Ambitionen werden nicht zuletzt auch Gabriel selbst und Steinmeier nachgesagt. Steinmeier war allerdings bereits 2009 erfolglos gegen Kanzlerin Angela Merkel angetreten.

Für die mögliche Kandidatur eines grünen Kanzlerkandidaten zeigte Gabriel Sympathien. "Ich habe kein Problem damit, wenn im Jahr 2013 spekuliert wird: Wird der Rote oder wird der Grüne Kanzler - während keiner mehr davon redet, ob es Frau Merkel noch einmal wird." Er habe kein Problem mit starken Grünen, "denn die SPD will ja mit denen regieren". Eine reelle Chance für die Grünen, den Bundeskanzler zu stellen, sehe er jedoch nicht. "Ich bin sicher, dass die SPD im Bund und in den Ländern weiterhin vor den Grünen liegen wird."

In einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" waren die Grünen mit 24 Prozent erstmals knapp vor der SPD (23 Prozent) gelandet. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", die Debatte über einen möglichen Führungsanspruch der Grünen stehe jetzt nicht an. Ausschlaggebend seien die nächsten Wahlergebnisse. Diese würden zeigen, "ob solche Überlegungen überhaupt eine reale Grundlage haben".

dab/Reuters



insgesamt 66 Beiträge
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Wattläufer 17.04.2011
1. O.Scholz
Zitat von sysopDas ist sie wieder, die K-Frage. Während SPD-Chef Gabriel eine ganze Reihe möglicher Bewerber nennt, hebt Fraktionschef Steinmeier den Hamburger Bürgermeister Scholz hervor.*Doch der will davon nichts wissen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,757579,00.html
Scholz kommt in HH mit seiner drögen Art ( das genaue Gegenteil vom "Partybürgermeister" aus B ) sehr gut an. Ob das bundestauglich ist zusammen mit Steinbrück ? Er wird sich daran messen lassen müssen ob er die Versprechen auch einhalten bzw. finanzieren kann. O.Scholz hat durch seine Kurzarbeitsregelung viele Jobs gerettet und nach der Krise sind die Facharbeiter/Fachleute gehalten worden. Deutschland hat Dank ihm die Krise bravourös gemeistert. Das rechne ich ihm hoch an ! Er setzt auf ureigene SPD Tugenden : Arbeitnehmer, innere Sicherheit, solide Finanzierung.
klowasser 17.04.2011
2. gegen titelzwang!
Zitat von sysopDas ist sie wieder, die K-Frage. Während SPD-Chef Gabriel eine ganze Reihe möglicher Bewerber nennt, hebt Fraktionschef Steinmeier den Hamburger Bürgermeister Scholz hervor.*Doch der will davon nichts wissen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,757579,00.html
Ein Unsympath, wie der Steinmeier. Die Gesichter an der SPD-Spitze sind nur noch ätzend. Alles Menschen, die sonst auch bei Behörde X hinterm Schreibtisch die Verwaltung verwalten. Oder gegebenenfalls auch mal das Verwaltete verwalten. Und das sagt jemand, der als Jugendlicher mal sozialdemokratisch war, aber die Jahre darauf gemerkt hat, was für ein finsterer Haufen die SPD ist.
sukowsky, 17.04.2011
3. Den Grünen wirds nicht passen
Na endlich, habe ich doch schon lange gedacht. Die SPD kann doch nicht so verbohrt sein und den Stimmenvernichter Gabriel weiterhin gewähren lassen als Langweiler im Polittheater. Mit Scholz können sich sich wieder hochhangeln über die 30%. Den Grünen wirds nicht passen, da sie sich in ihren Hochträumen bereits auf Kanzlerschaft eingestellt haben.
shokaku 17.04.2011
4. Hier könnte ein Kandidat stehen
Zitat von sysopDas ist sie wieder, die K-Frage. Während SPD-Chef Gabriel eine ganze Reihe möglicher Bewerber nennt, hebt Fraktionschef Steinmeier den Hamburger Bürgermeister Scholz hervor.*Doch der will davon nichts wissen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,757579,00.html
Die Frage ist eher, ob eine 20%-Partei überhaupt noch glaubwürdig einen Kanzlerkandidaten aufstellen kann.
joselito 17.04.2011
5. Peer
Zitat von shokakuDie Frage ist eher, ob eine 20%-Partei überhaupt noch glaubwürdig einen Kanzlerkandidaten aufstellen kann.
korrekt ! Und wenn, dann käme doch nur Peer Steinbrück in Frage. Er ist meiner Meinung nach der glaubwürdigste.
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