Probleme bei Regierungshubschraubern Merkel muss Holzklasse fliegen

Der bequeme Kanzler-Hubschrauber bleibt wegen technischer Probleme am Boden. Angela Merkel und ihre Minister müssen auf altersschwache Militärhelikopter umsteigen - mit "Abstrichen im Passagierkomfort".

CH-53-Helikopter der Bundeswehr (im September 2011)
Getty Images

CH-53-Helikopter der Bundeswehr (im September 2011)

Von und


Es war ein jäher Absturz. Als das Getriebe des Hubschraubers zerbarst, dauerte es nur wenige Sekunden, bis die voll besetzte Maschine vom Typ Superpuma auf dem harten Felsen einer norwegischen Insel zerschellte. 13 Passagiere, Arbeiter einer Ölplattform und die Besatzung, waren sofort tot.

Die Helikopter-Tragödie Ende April dieses Jahres in der Nähe von Bergen hatte nicht nur dramatische wirtschaftliche Konsequenzen für den Hersteller Airbus, sondern auch für die Bundesregierung. Denn die Luftwaffe flog den Superpuma in einer besonderen VIP-Konfiguration mit Namen Cougar. Passagiere dieses ganz speziellen Helis sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett.

Seit dem Sommer aber bleiben die drei Modelle am Boden. Denn das Getriebe des Kanzler-Helikopters ähnelt jenem aus der Katastrophen-Maschine. Zunächst legte die Bundeswehr die drei Modelle vorläufig still. Doch nun müssen Merkel und Kollegen auf unbestimmte Zeit auf ihre luxuriösen Airbus-Helikopter verzichten.

Der Grund: Nach dem Absturz vor Norwegen kann Airbus immer noch nicht sagen, in welchen Modellen das mangelhafte Getriebeteil eingebaut worden ist, das mutmaßlich den Crash verursacht hatte. Die Luftwaffe will die drei Cougar-Helikopter der Flugbereitschaft deswegen vorsorglich weiterhin am Boden lassen.

Bei den CH-53 sind nur 20 Prozent überhaupt einsatzbereit

Im Einsatz sind stattdessen Helikopter der Bundespolizei, manchmal allerdings auch die altersschwachen CH-53-Hubschrauber der Bundeswehr. Für die Truppe ist das eine Belastung. Denn das Militär klagt ohnehin darüber, dass der Fuhrpark von Senkrechtstartern knapp bemessen ist.

Bei den CH-53, denen es an Ersatzteilen mangelt und die ständig in der Werkstatt stehen, sind etwa nach internen Statistiken vom Juni dieses Jahres nur 20 Prozent einsatzbereit. Vielen Maschinen bleiben nur noch wenige Flugstunden, bis sie in die Wartung müssen oder gar ganz stillgelegt werden. Durch die Regierungsflüge verschärft sich das Kapazitätsproblem bei den CH-53ern weiter, heißt es in der Truppe.

 Merkel vor ihrem Kanzlerhubschrauber
DPA

Merkel vor ihrem Kanzlerhubschrauber

Das Verteidigungsressort hingegen will keine größeren Probleme erkennen. Auf Fragen des Grünen-Haushälters Tobias Lindner antwortete das Ministerium von Ursula von der Leyen trotzig, der Ausfall der Cougars könne derzeit noch durch anderes Fluggerät "ausgeglichen" werden.

Für die VIP-Passagiere, so das Ministerium, bringe der Umstieg auf die betagten CH-53 lediglich "Abstriche im Passagierkomfort" mit sich. In der CH-53 sitzen die Politiker statt in blauen Ledersitzen auf ausklappbaren Stoffbänken. Statt einer Toilette gibt es drei sogenannte Bedürfnisrohre und ein Urinal hinter einem Vorhang an der Laderampe.

Grünen-Verteidigungsexperte Lindner wundert sich über die Argumentation des Ministeriums, wonach der Ausfall der Cougar kein logistisches Problem darstellt. "Wenn das Flugverbot keine Auswirkungen hat, kann man die Kanzlerhubschrauber auch einfach abschaffen", meint er.



insgesamt 97 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
volkerrachow 09.09.2016
1. Ich muss lachen
Jeder Bericht über die technischen Zustände der Bundeswehrtechnik treibt mir die Lachtränen ins Auge. Irgendwie ist das auch ein Spiegelbild der Regierungsarbeit. Nur stark eingeschränkt zu gebrauchen.
tom_von_neukoelln 09.09.2016
2.
Cougar ist die englische Slang-Bezeichnung für ältere Frauen, die einen wesentlich jüngeren Mann entweder für eine Beziehung oder als Sexualpartner suchen.
Izmir..Übül 09.09.2016
3. Bedürfnisrohr
Man lernt doch nie aus!
Grorm 09.09.2016
4. @ Nr. 2, volkerrachow
Das ist ja nun kein direktes Problem der Bundeswehr. Der H225M "Caracal" aka "Super Puma" ist ein Kind der untergegangenen französischen Firma Aérospatiale ...
epiktet2000 09.09.2016
5. Was will uns das sagen?
Dass Frau Merkel jetzt auch im Hubschrauber und nicht nur in der Regierung unbequem sitzt? Oder ist das nur eine der vielen Vorbereitungen, uns auf noch viele, viele Ausgabensteigerungen im Rüstungshaushalt vorzubereiten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.