Brief an TV-Sender Grüne, Linke und FDP wollen mit zum Kanzlerduell

Angela Merkel und Martin Schulz wollen das Kanzlerduell im Fernsehen unter sich austragen. Nun fordern Grüne, Linke und FDP, auch die kleinen Parteien einzuladen - inklusive AfD.

Martin Schulz, Angela Merkel (Archivbild von 2013)
AP

Martin Schulz, Angela Merkel (Archivbild von 2013)


Normalerweise beschimpfen sich die kleinen Parteien im Kampf um Aufmerksamkeit lieber gegenseitig, als sich zusammenzuschließen. Doch in einer Sache sind sich Grüne, Linke und FDP jetzt einig: Sie wollen die großen Fernsehsender dazu bringen, das sogenannte Kanzlerduell für alle relevanten Parteien zu öffnen.

In einem offenen Brief, der dem SPIEGEL vorliegt, fordern Grüne, Linke und Liberale eine "gemeinsame TV-Debatte mit den Spitzenkandidaten aller Parteien". Genauer gesagt: mit allen, "die eine Chance auf den Einzug in den Bundestag haben". Gemeint sind damit SPD, Union, Grüne, Linke, FDP und AfD.

Unterzeichnet ist der Brief von Grünen-Chef Cem Özdemir, dem Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch und FDP-Chef Christian Lindner. Der Brief ist adressiert an die Chefredakteure von ARD, ZDF und RTL sowie dem Informationsdirektor von ProSiebenSat.1. Er soll am Montag verschickt werden.

Das Kanzlerduell ist für den 3. September, also drei Wochen vor der Bundestagswahl, eingeplant. Traditionell diskutieren die Kandidaten beider Volksparteien miteinander, in diesem Wahljahr sind das Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD).

Die Spitzenkandidaten der kleineren Parteien streiten separat in einem Vierkampf, "haben aber keine Chance, mit den Spitzenkandidaten der Regierungsparteien direkt in Schlagabtausch zu treten", kritisieren die Politiker.

Die Parteichefs werfen den Fernsehsendern vor, das Kanzlerduell in seiner jetzigen Form beschädige die Demokratie. Die Sender hätten besonders vor Wahlen eine "Verantwortung für den demokratischen Prozess", heißt es weiter. "Wenn nur die Regierenden diese Arena und Aufmerksamkeit bekommen, dann schadet das nicht nur dem politischen Diskurs an sich, sondern auch dem Ansehen der Medien."

Der AfD-Boykott von 2016 ist passé

Interessant ist, dass die Parteispitzen explizit dazu aufrufen, sich vor laufender Kamera mit der AfD auseinanderzusetzen. "Wir sind bereit dazu, aber die Regierung sollte sich nicht aus der Verantwortung ziehen", schreiben Lindner, Özdemir und Bartsch.

2016 weigerten sich Teile der Grünen noch, in Sendungen aufzutreten, zu denen die Rechtspopulisten eingeladen werden sollten. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die Grünen in Rheinland-Pfalz hatten vor den Landtagswahlen im Südwesten damit gedroht, TV-Spitzenrunden mit der AfD zu boykottieren.

Das Kanzlerduell wird in Deutschland seit 2002 vor jeder Bundestagswahl ausgerichtet. Kürzlich hatten die vier beteiligen Sender bekannt gegeben, das Duell in zwei Teile zu je 45 Minuten zu splitten. Merkel und Schulz sollen von jeweils zwei Moderatoren befragt werden. Nach SPIEGEL-Informationen wollen sich die Sender und Vertreter der Regierung und der SPD Mitte Juni auf weitere Details verständigen.

Im vergangenen Wahlkampf standen zwei Kandidaten vier Moderatoren gegenüber. Einer davon war Stefan Raab, der den damaligen SPD-Kandidaten Peer Steinbrück als "King of Kotelett" bezeichnete.

"King of Kotelett" - TV-Duell mit Merkel, Steinbrück und Raab



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insgesamt 234 Beiträge
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Kanalysiert 21.05.2017
1.
Wer sich an die großen Themen ranwagen würde, würde von der eigenen Partei abgesägt werden, der Rest sind winzige kleine Miniversprechen ohne echte Reformen. Keine dieser Parteien steht für den Wähler ein, alle wollen in der Mitte sein, richten ihre Fähnchen nach dem Umfragenwind (aber nicht zu sehr, sonst würden ja ihre mächtigen Freunde sauer werden) und sichern sich ihre Posten. Es ist Jacke wie Hose, wer am Ende das "weiter so" Gedöns durchführt. Ich sehe unter den genannten keine Partei, die man guten Gewissens wählen kann, aber lasst sie ruhig mal alle ihren "vor der Wahl" Senf abgeben, ändern wird sich eh wenig bis nichts.
heinihuckeduster 21.05.2017
2. Da die beiden sogenannten Volksparteien
keine Regierung ohne die "kleinen" Parteien aufstellen können, ist diese Forderung nur recht und billig. Oder sollen wir schon wieder mental auf eine "GroKo" eingestimmt werden?
Garak 21.05.2017
3. Da kann man den "kleinen" Parteien.....
...nur zustimmen! Es ist gefährlich für die Demokratie wenn die 2 größten Parteien sich dem Diskurs mit den kleineren verweigern und nur mit ihrem Koalitionspartner diskutieren wollen. Es würde Merkel und Schulz gut tun sich mal mit den anderen Parteienen öffentlich auszutauschen und Argumente auszutauschen. Leider werden sich die beiden wohl nicht darauf einlassen weil sie ihm Gegensatz zur Demokratie nichts damit gewinnen können.
Listkaefer 21.05.2017
4. Das ist entlarvend!
So, so, "Nach SPIEGEL-Informationen wollen sich die Sender und Vertreter der Regierung und der SPD Mitte Juni auf weitere Details verständigen." Wer ist denn hier die Regierung? Etwa Merkel, oder nur die CDU? Die SPD gehört schon nicht mehr dazu? Ist ja nur Juniorpartner, aber ohne ihre Mitwirkung in der Regierung sähe die gesamte Regierungsbilanz der ablaufenden Legislaturperiode doch sehr mager aus.
ulrich_loose 21.05.2017
5. Da hat aber jemand etwas nicht verstanden
Aus Wikipedia: Ein Duell (lat. duellum 'Zweikampf') ist ein freiwilliger Zweikampf.... Bei einem Zweikampf ist jeder weitere immer mindestens einer zu viel. Welchen Erkenntnisgewinn kann ein Bürger wohl erringen, wenn die drei Linksparteien auf die Kanzlerin "eindreschen" und gemeinsam auch gegen jeweils die weiteren "Gegner" vorgehen. Also ganz klar - Kein Interesse an einem Zweikampf mit fünf und mehr Vertretern. Die können sich doch alle bei einer Labershow im ÖR treffen.
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