Kanzlerin auf Harmoniekurs Merkel kündigt Pakt mit China gegen Finanzkrise an

Angela Merkel sprach in Peking von "vielversprechenden Perspektiven": Die Kanzlerin vereinbarte auch angesichts der Finanzkrise eine engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China. Von den früheren Streitereien war keine Rede mehr.

Peking - Annäherung in Peking: Deutschland und China wollen enger kooperieren und damit den Streit in den gegenseitigen Beziehungen während des Dalai-Lama-Besuchs zu den Akten legen. "Die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit hat vielversprechende Perspektiven", sagte der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao am Donnerstag bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Peking. Trotz Schwankungen in den vergangenen Jahren entwickelten sich die beiderseitigen Beziehungen vorwärts. Die bilateralen Beziehungen sollten langfristig stabil und nachhaltig beibehalten werden.

Auch Merkel gab sich zuversichtlich: "Deutschland möchte seine engen Beziehungen mit China weiterentwickeln auf allen Gebieten." Beide Länder sehen in der Finanzkrise eine Chance für einen Ausbau der Beziehungen. "Wir können dann gemeinsam vielleicht auch zum Aufbau einer internationalen Ordnung einen guten Beitrag leisten", sagte die Kanzlerin.

Merkel will an diesem Freitag auf dem Asien-Europa-Gipfel (Asem) in Peking ihre Vorstellungen einer neuen weltweiten Finanzmarktordnung präsentieren. Wen sagte: "Zusammenarbeit ist angesichts der jetzigen Situation der wichtigste Weg und auch der effektivste Weg zur Überwindung der Krise."

Der chinesische Regierungschef zeigte sich offen für verstärkte Kontakte bei Wirtschaft und Wissenschaft. Wen sagte, die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder sei von strategischer Bedeutung. Der Markt müsse Zuversicht gewinnen. Er sagte zu, durch Ankurbelung der Binnennachfrage gegenseitige Probleme der Finanzkrise zu überwinden. China respektiere auch die geistigen Eigentumsrechte deutscher Firmen.

Die deutsch-chinesischen Beziehungen waren wegen des Treffens von Merkel mit dem Dalai Lama im Jahr 2007 auf einem Tiefpunkt angelangt.

Der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Volker Beck, hatte zuvor die Uneinigkeit zwischen Kanzleramt und Außenministerium im Umgang mit China kritisiert. Damit verliere Deutschland internationalen Einfluss, sagte Beck am Donnerstag im Südwestrundfunk. "Denn die Leute sagen sich, wir haben es ja mit zwei Deutschländern zu tun."

Außenamt und Kanzleramt verhielten sich bei der Frage widersprüchlich, wie man mit Menschenrechten umgehen sollte und welche Bedeutung wirtschaftliche Beziehungen hätten. Zuletzt hatte Merkel trotz der weltweiten Finanzkrise eine dauerhafte Aufnahme aufstrebender Wirtschaftsmächte wie China und Indien in die G8 abgelehnt. Hingegen sprach sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier für eine Erweiterung aus.

als/dpa/AP

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